Wie ein Workshop mein Interesse an der Landschaftsfotografie wieder weckte

Die Fotografie und ich – eine lang andauernde on-off-Beziehung mit vielen Aufs und Abs. So oder so ähnlich könnte der Titel heißen, wenn ich ein Buch über meine innere Haltung zur Fotografie schreiben wollte. Schließlich ist diese Beziehung eine, die alle Zeit überdauert. Die aber ganz sicher immer wieder heiße und manchmal aber auch ganz kalte Phasen durchlebt. Und wie jedes andere Hobby will auch die Fotografie regelmäßig gehegt und gepflegt werden. Wie ein empfindliches Pflänzchen. Und genau das habe ich vergangenen Samstag also bei einem Workshop zur Landschaftsfotografie im schweizerischen Appenzell getan! Wie es ablief und was ich dort für mich persönlich gelernt habe, darum geht’s heute.

 

Die Fotografie und ich – wie wir uns näher kamen

Schon früh fiel mir meine erste Kamera in die Hände. Okay, sie war nichts besonderes. Aus billigem Kunststoff, völlig bunt und im Inneren Platz für einen 36er Film. Äh ja. Damals nutzte man noch Filme. Total analog eben. Obwohl ich also noch gar nicht mal sooo alt bin, ist mir das Weiterratschen des Filmes mit dem Daumen an diesen ollen Kunststoffrädchen eine vertraute Bewegung. 😉

Diese erste Kamera. Das muss irgendwann Mitte der schrill-bunten ’90er gewesen sein. Wenige Jahre später schenkte mir mein Opa dann zur Kommunion eine etwas höherwertige Kamera. So eine, die man eben nicht mehr mit einem Rad weiter drehen musste. Die konnte das irgendwie automatisch auf Knopfdruck oder so. Naja. Die Kamera war dann der richtige Einstieg in etwas hübschere Urlaubs-Knipsbilder. Anders waren die Ergebnisse nämlich immer noch nicht zu bezeichnen.

Aus analog wurde digital

Mit der Digitalisierung folgten dann weitere Episoden meiner fotografischen Karriere. Und damit auch weitere Kameras. Zwei, drei immer besser werdende Kompaktkameras müssen das gewesen sein. Und schließlich dann habe ich mich der Digitalen Spiegelreflexkamera genähert. Dank eines alten Bestands an Minolta Objektiven meiner Eltern konnte ich so erste Erfahrungen auf einer Sony sammeln. 2012 kaufte ich mir dann eine eigene DSLR.

Die nutzte ich auf Reisen, genauso aber auch um mich dann hin und wieder mit Freunden zu kurzen Wanderungen und längeren Fotosessions zu treffen. Vorwiegendes Thema dabei war eigentlich schon immer die Landschaftsfotografie. Natur und Ruhe. Zwei unschlagbare Faktoren. Kein Trubel, kein Stress, Zeit zum Abschalten und Nachdenken.

 

Die Anfänge meiner Landschaftsfotografie. Sonnenaufgang auf dem Westerberg, 2014.
Die Anfänge meiner Landschaftsfotografie. Sonnenaufgang auf dem Westerberg, 2014.

 

Wie ich versuchte mein Wissen zu erweitern

Lieder musste die Fotografie in den letzten Jahren immer wieder anderen Hobbys, Veranstaltungen und Zeitvertreiben weichen. Sodass ich diese Freizeitbeschäftigung hauptsächlich nur noch auf die Reisen reduzierte. Mein Interesse an der Fotografie war aber immer ungebrochen. Dank einiger erfolgreicher Youtuber konnte ich mich hier auch immer wieder etwas fort- und weiterbilden.

Einen ganz großen Einfluss hatte dabei stets Benjamin Jaworskyj, dessen Entwicklung als Youtube-‚Star‘ und Fotograf ich fast schon seit der ersten Stunde verfolge. Für mich war es nie eine Frage, dass ich für den Fall, dass er einestages sein Wissen in Workshops würde weitergeben wollen, genau einen solchen besuchen würde.

Ein Gutschein war meine Eintrittskarte in den Workshop

Dankenswerter Weise entschied er sich vor zwei, drei Jahren tatsächlich dazu eben solche Workshops anzubieten. Noch viel dankbarer war ich, als ich damals an Weihnachten einen Gutschein für seinen Shop in Händen hielt. Zwischenzeitlich hat er seine Marke und das dahinter stehende Team #jaworskyj immer weiter ausgebaut. Jedenfalls war in diesem Frühjahr die Gunst der Stunde günstig: ich konnte endlich einen Platz zu einem seiner Workshops erhaschen. Wenn er denn auch tatsächlich das Seminar nicht selbst abhalten würde. Nun denn.

Die lange Anreise wollten wir mit eigenem Camper und verlängertem Wochenende kompensieren

Bei der hohen Nachfrage darf man wohl nicht allzu wählerisch sein, wer wann den Workshop hält und wo dieser stattfindet. Also dann, Gutschein eingelöst, Workshop gebucht. Der Workshop sollte an einem Samstag stattfinden, dienstags wäre Feiertag, montags ergo Brückentag. Prima. Schreit doch förmlich nach einem verlängerten Wochenende! Und: das Ganze sollte Anfang Oktober 2017 stattfinden. Das wäre doch prima. Bis dahin habe ich ja auch den eigenen Kastenwagen. Also auf und ab zu einem verlängerten Wochenende mit Camper im schweizerischen Appenzell!

Jaha, denkste! Das war also damals mal der große Plan dahinter. Klang idiotensicher. Es bestanden keine Zweifel für mich, dass hier etwas würde dazwischen kommen können. Schließlich hätte man ja lange genug Zeit bis dahin den Camper zu liefern. Unverbindlicher Liefertermin war ja Mai / Juni. Nun gut, ich musste mich also eines besseren belehren lassen.

Plan über den Haufen werfen, Mund abputzen, weitermachen

Es kam nun also alles anders. Vergangenen Freitag fuhr ich dann los. Alleine im Pkw mit Ziel Appenzell. Einen Campingplatz würde ich allerdings nicht ansteuern brauchen. Vielmehr ging es nun in ein Hotel. Vier Nächte? Mitnichten! Auch das verlängerte Wochenende hatte sich zerschlagen. Ja, wenn’s läuft dann läuft’s eben.

Wenn die Vorzeichen auch noch so ungünstig standen, hatte ich mich tatsächlich schon in der gesamten letzten Woche auf genau diesen einen Tag gefreut. Workshop mit Lukas Voegelin aus Basel. Samstags in aller herrgottsfrüh um 5 Uhr würden wir uns Treffen. Nach einer als anstrengend und fordernd angekündigten Wanderung würden wir dann den ersten Fotospot erobern, einige Fotos bei aufgehender Sonne schießen können, bevor wir uns schließlich ein erstes Mal erholen würden. Im weiteren Verlauf würden wir dann noch einmal den Spot wechseln und um 14 Uhr etwa gemeinsam enden.

 

Der Landschaftsfotografie Workshop mit Lukas Voegelin

Super organisiert der Junge und erst recht der gesamte Tag

Ja, so der Plan. Und, na klar, es kam wieder vieles anders. Aber, aber – dieses Mal sehr zum Positiven! Der Workshop war sehr wohl organisiert und in sich insgesamt super rund und stimmig. Mit sechs Mitstreitern machte ich mich also tatsächlich gegen 5 Uhr am Morgen auf den fast schon beschwerlichen Fußmarsch. Dieser war nämlich wirklich fordernd. Aber auch nicht überanstrengend. Nach etwa 50-minütiger Wanderung steil bergauf erreichten wir dann den Seealpsee in Wasserauen. Von dort bietet sich, so denn die Sonne erst mal aufgeht, ein grandioser Blick! Nicht nur, dass der See wie ein Spiegel vor einem liegt. Nein im Hintergrund überragt der Säntis, höchster Berg in der direkten Umgebung, die gesamte Kulisse.

Die pure Faszination: als ich den ersten Blick auf die Schweiz erhaschte

Bis kurz nach 6 Uhr in der Früh hatte ich tatsächlich noch nichts von der Schweiz gesehen. Ich war am Vorabend im Stockdunkeln angereist, die Wanderung am Morgen hatten wir mit Taschenlampen bestritten. Umso mehr war ich von der sich bietenden Kulisse bei Beginn der Blauen Stunde fasziniert! Was sich da bot war einfach gigantisch. Das Laub der Bäume, bei uns begann es sich letzte Woche erst leicht ins Gelbliche zu färben, präsentierte sich vielerorts bereits in feurigem Orange. Der sich bietende Kontrast mit dem petrolblauen Bergsee und den saftiggrün bewachsenen Bergen im Hintergrund war abgefahren. Total crazy, wie Lukas noch mehrmals am Tag sagen würde.

Der spiegelglatte Seealpsee in Wasserauen, Appenzell, Schweiz mit Säntis im Hintergrund. Bei aufgehender Sonne.
Der spiegelglatte Seealpsee in Wasserauen, Appenzell, Schweiz mit Säntis im Hintergrund. Bei aufgehender Sonne.

 

Der Anblick der Schönheit der Natur hatte mich wieder voll gepackt. Immer wieder lieferte Lukas, im Stile eines richtig guten Coaches, reichlich Input, nahm uns bei der Hand und vergaß auch nicht die ‚Behind-the-Scences‘ zu schießen. Waren wir gerade wieder auf die Natur und Kamera losgelassen, musste ich häufig erst wieder den Anblick sacken lassen. Das Farb- und Kontrastspiel war wirklich mega krass! Immer wieder versuchte ich dann auch das Gehörte zur Drittel-Regel und Bildkomposition umzusetzen.

Was ich gelernt habe und für mich mitnehmen werde

In den fokussierten Momenten, wenn ich gerade nicht meinen Gedanken freien Lauf ließ, konnte ich tatsächlich auch so einiges im Umgang mit Filtern dazu lernen. Bislang setzte ich nur ND-Filter ein, zumeist für Langzeitbelichtungen wie beispielsweise die Nordlichter auf den Vesterålen oder so. Im Vorfeld des Workshops hatte ich mir, ganz brav wie empfohlen, dann extra noch einen Polfilter zugelegt. Dass man mit diesem Reflexionen abmildern kann, war mir schon klar. Aber dass das so gut gehen würde und wie sehr sich dadurch Wasseroberflächen verändern und Kontraste verstärken ließen – das war mir neu!

Und das Seminar zeigte mir endlich auch mal ganz deutlich auf, wie wichtig ein Grauverlaufsfilter sein kann. Während ich mir einen abbog, wenn helle und dunkle Bereiche gleichermaßen auf dem Foto Platz finden sollten, waren hier die Teilnehmer mit Verlaufsfilter klar im Vorteil. Das bleibt mir also als nächste sinnvolle Investition in mein fotografisches Hobby im Hinterkopf!

Wie viel Zeit man doch hat, wenn man konzentriert ans Werke geht

Meine Innere Uhr schrie irgendwann nach einer Tasse Kaffe und einem kleinen Snack. Schließlich müsste es etwa 13 Uhr oder so am Mittag sein. Tja. Als wir uns am Seebistro einen Kaffee bestellten, sah ich erschrocken auf die Uhr. Ich konnte kaum glauben, dass es erst kurz nach 10 Uhr war! Wahnsinn! Wie viel Tag man doch vor sich hat, wenn man in aller Früh‘ beginnt! 😉

Der Workshop fand einfach kein Ende – und das war toll und gut so!

Nach dem Kaffee ging es dann zu Fuß auf toller Wanderstrecke zurück zu den geparkten Autos. Nicht aber um den Workshop zu beenden, was aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit eigentlich sogar angesagt und nicht mehr als vereinbart gewesen wäre. Nein, wir besetzten die Autos und fuhren gleich drauf zum zweiten Spot des Tages. Ein hübscher Wasserfall in einer idyllischen Klamm. Bevor wir auch diesen noch versuchten fotografisch festzuhalten, hielten wir zu einer gemeinsamen Vesper inne. Ganz klassisch bei Wurst, Schweizer Käse und einem Laib Brot.

 

Der Workshop hat mich vieles gelehrt und in mir die Aufregung an der Landschaftsfotografie neu geweckt

Als ich mich gegen 16.30 Uhr von der Gruppe und dem wirklich Super-Coach Lukas verabschiedete war ich mir sicher, dass die Landschaftsfotografie ein wirklich lohnenswertes Hobby ist. Man verbindet das Draußen-Sein in der Natur und an der frischen Luft gerne auch mal mit einer kleinen Wanderung und mit dem bewussten Sehen und Wahrnehmen der Landschaft. Der Tag bot mir insgesamt einen wahnsinnigen Fokus und eine klasse Gelegenheit zum Nachgehen der eigenen Gedanken. Vielen Dank an Lukas, team #jaworskyj und natürlich die super Gruppe!

Und da ist natürlich noch jemand, dem ich für dieses Erlebnis danken muss. Nur für den Fall also, dass du mitliest: danke nochmals für den Gutschein und dass du mir diesen Tag und das Erlebnis erst ermöglicht hast! DANKE!

Dass ich nur für drei Tage und nicht wie geplant vier Nächte in der Schweiz sein konnte, machte dem Erlebnis keineswegs einen Abbruch! Die Schweiz hat es mir wirklich angetan. Kein Wunder, hat sie sich ja auch dank der Herbstfarben und dem schönen Wetter von ihrer allerbesten Seite präsentiert.

Um es in den Worten von Lukas zu sagen: Appezöll, du warsch‘ brutal crazy!

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

3 Gedanken zu „Wie ein Workshop mein Interesse an der Landschaftsfotografie wieder weckte

  • 7. Oktober 2017 um 15:15
    Permalink

    Hi Mario,

    richtig Fotografieren – das wäre schön. Aber in der Reisehektik wird leider immer nur ein Knips und weiter draus, schade eigentlich.
    Das war ja jetzt schon ein Fotokurs für Fortgeschrittene an dem Du teilgenommen hast, wir waren mal zu einer „Grundausbildung“ über einen halben Tag und bilden uns ein, das die Fotos deutlich besser geworden sind. Und das nur, weil wir uns über den Bildaufbau beim „Knips“ mehr Gedanken machen.

    Hast uns auf jeden Fall motiviert, nochmal über einen Fotokurs nachzudenken…

    Viele Grüße
    Sabine und Ralph

    Antwort
    • 7. Oktober 2017 um 22:25
      Permalink

      Hallo ihr beiden,
      freut mich, das zu lesen! Tatsächlich hab‘ ich auch im Verlaufe des Workshop-Tages selbst gemerkt, wie man plötzlich auf die einzelnen Dinge verstärkt achtet. Das Wichtigste scheint dabei wirklich ja der Bildaufbau zu sein. Zumindest macht das deutliche Unterschiede, ob man sich Gedanken macht oder nicht.

      Hoffe euch geht es gut, sende euch jedenfalls viele Grüße! 🙂

      Mario

      Antwort
  • 7. Oktober 2017 um 20:03
    Permalink

    Ohhh, das klingt klasse. So einen Workshop würde ich auch sehr gerne einmal besuchen. Toll.

    Viele Grüße

    Anni

    Antwort

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