Wildcamping-Geschichten: zwei Nächte unter Wölfen

Willkommen zurück! In den letzten Tagen gab es wieder eine kleine kreative Pause. Die war zwingend notwendig, weil es viele andere, noch wichtigere Dinge als das Bloggen zu erledigen galt. Manchmal ist das einfach so. Wenn Prioritäten fremdbestimmt werden. Egal, Blick nach vorne. Es geht weiter!

 

Schon beim ersten Fast-Wildcamping hatte ich die Hosen gestrichen voll!

Gerade als sich der riesige Sonnenball hinter den dichten Wald senkt, durchbricht ein Schrei die Romantik. Er ist genauso schrill wie ungewohnt. Sofort lässt er mich aus dem Campingstuhl fahren. Unbewusst greift meine Hand den Hals der Bierflasche jetzt noch enger.

Meinen besorgten Blick lasse ich über die Wiese schweifen, die noch immer unverändert sanft vor uns liegt. Kein Wunder, die untergehende Sonne taucht die Szenerie in ein magisches Licht. Blaue Stunde. Noch nicht die Zeit zum Schlafen. Erst recht nicht jetzt.

Gerade erst vor einer halben Stunde haben wir gegessen. Uns ob der Ruhe und idyllischen Lage unseres Stellplatzes für diese Nacht gefreut. Wir waren uns ganz sicher einen tollen Platz gefunden zu haben. Einen Platz, wie man keinen zweiten finden könnte. Und jetzt das, dieser Schrei!

Noch immer stehe ich also vor dem Bulli. Mit irritiertem Blick und stocksteif. Auf den etwas weiter weg stehenden Stellplatznachbarn muss ich wirken wie ein Erdmännchen. Wenn es Lunte riecht und bei aufrechter Körperhaltung den Kopf in alle Himmelsrichtungen dreht.

Kaum denk ich’s, ruft er mir auch schon zu: ‚Mach dich locker! Dat sinn‘ nur die Tiere aussen Wildpark! Ging Jestern die janze Nacht so!‘ Oh man, da fiel’s mir dann auch wieder ein. Wir waren doch auf der Hinfahrt immer dem Schild ‚Wildpark‘ gefolgt. Ich habe es ganz einfach beim Kochen und Essen verdrängt. Wie peinlich!

Gut nur, dass es nicht nur mir so geht. Der zweite tierische Ruf, dieses Mal nur etwas lauter, ruft dann nämlich auch die Herzdame auf den Plan. Vorsichtig kriecht sie aus dem Bulli: ‚Was war denn das?!‘ Leider schaffe ich es nicht den triumphierenden Unterton in meiner Stimme zu unterdrücken als ich ihr erkläre, dass das nur die Tiere aus dem benachbarten Park wären.

Natürlich sollten den ersten beiden Rufe noch viele weitere, durch die gesamte Nacht hindurch, folgen. Bis heute wissen wir nicht, welche Tiere für die Laute verantwortlich waren. Vielleicht auch ganz gut so, wer weiß!

 

Wildcamping ist eine ganz andere Nummer als Etepetete-Camping am Gardasee

Was wir aber sehr wohl in dieser Nacht gemerkt haben: wenn man so ziemlich alleine für sich, inmitten der Natur steht, wird man plötzlich ganz schön sensibel. Man hört plötzlich jedes Rascheln. Und fragt sich, ob das ein Tier oder vielleicht – noch schlimmer? – ein Mensch sein könnte.

Noch in der gleichen Nacht fahre ich ein zweites Mal hoch. Dieses Mal aber aus dem Bett. Unweit unseres Platzes fährt plötzlich ein Motorrad an. Mit laut heulendem Motor und rasselnder Kette. Ich frage mich, wo dieses Motorrad nun wohl herkommen mag. Ich hatte den ganzen Abend keines gesehen. Und ich habe auch keines anfahren gehört. Nun fährt es aber ganz offensichtlich weg. Komisch!

Es ist im ersten Moment ein ungutes Gefühl, das mich da beschleicht. Im zweiten Moment kommt mir aber der Gedanke an den – wenn auch in einiger Entfernung stehenden – Stellplatznachbar. Dieser gibt mir in dem Moment ein gutes Gefühl. Und im dritten Moment… soweit komme ich gar nicht mehr. Ich verfalle schon gleich wieder zurück in den Tiefschlaf. Das Beste, was passieren kann.

Das alles sind aber Dinge auf die du niemals nie achtest. Wenn du bei gekipptem Fenster daheim im kuscheligen Bett hinter festen Wänden schläfst. Oder wenn du in Bella Italia am Gardasee auf einem Campingplatz stehst oder sogar dort in einem Bungalow wohnst.

Dort glaubst du immer automatisch an das Gute im Menschen. Wenn du aber draußen bist, in freier Natur und so ganz alleine für dich dort stehst. Dann wird dir plötzlich klar, dass du eben doch kaum mehr als ein Blechzelt um dich herum hast. Und mit einem Mal fühlst du dich schon gar nicht mehr so sicher und unantastbar wie daheim. Dir wird klar, dass dich das sehr wohl etwas angeht, was um dein Fahrzeug herum passiert.

 

Resümee unserer ersten Wildcamping-Nacht

Na klar, die aufmerksamen Leser haben es längst erkannt: in dem Beitrag ist natürlich die Rede von unserem Aufenthalt auf dem Stellplatz Wildpark-Camping Schwarze Berge in Harburg aus vergangenem Sommer. Dort verbrachten wir zwei tolle Nächte und genossen erstmals das Idyll und die Ruhe fernab vom Campingplatz-Trubel.

Das aber auch nicht ohne das erste Mal so richtig zu erschrecken. Über diesen Tierschrei kann ich noch heute herzlich lachen. Der Motorradfahrer, der wie aus dem Nichts kam und verschwand, lässt mich hingegen noch immer ein wenig grübeln. Doch es hat uns eines gelehrt: Augen auf bei der Stellplatzwahl! Gerade, wenn man sich fernab von offiziellen Campingplätzen bewegt.

Wie du weißt, standen wir dort auf einem offiziellen Stellplatz. Nun kann man behaupten, dass das kein Wildcamping sei. Zugegeben. Wir standen aber in unserer ersten Nacht tatsächlich nur mit zwei, drei anderen Campern dort. Auf einem Stellplatz, der für mehr als 70 Reisemobile ausgelegt ist.

Der nächste Zweihundert-Seelen-Ort ist auch wenige Autominuten entfernt. Der Wildpark nachts nicht bewacht. Und der den Platz umgebende Wald dunkel und verlassen. Von daher bin ich schon der Meinung, dass das als Wildcamping durchgeht. Gerade dann, wenn man bedenkt, dass man mit einem Bulli eigentlich immer auf eine gewisse Campinginfrastruktur angewiesen ist. Es sei denn man legt keinen Wert auf Klo & Dusche.

Unsere erste Nacht auf einem Wohnmobil-Stellplatz, fernab vom Campingplatz. Und dann gleich so ein Schrecken. Wir werden sehen, wie viele weitere Wildcamping-Nächte folgen werden. Stellplätze ganz sicher, aber freistehen?! Man wird sehen!

 

Der Beitrag Wildcamping-Geschichten: zwei Nächte unter Wölfen ist Teil der Blogparade ‚Wildcamping-Geschichten‘, zu der Gerfried vom womoguide aufgerufen hat. Noch bis zum 08. Juli 2017 kann hieran jeder teilnehmen, der hin und wieder wildcampt und hiervon Stories erzählen kann. Übrigens: nicht nur Blogger sind eingeladen, sondern auch all diejenigen, die gerne eine Geschichte davon erzählen möchten könne Gerfried mailen und so einen Gastbeitrag auf womoguide.de leisten!

 

Hast du selbst schon in freier Wildbahn gecampt? Den Camper im Herzen von Mutter-Natur abgestellt, um dort mutterseelenallein zu nächtigen? Oder du hast schon mal in Städten am Straßenrand kampiert? Dann schreib‘ doch mal hier unten in die Kommentare, wie deine Erfahrungen so waren. Würde mich mal interessieren, ob es dir schon mal ähnlich ging wie mir bei dem Tierschrei! 😉

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

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