#VANtalk #6 – Gerfried von womoguide.de

Heute folgt der sechste #VANtalk. Nachdem mich zuerst das schlechte Wetter, Lust und Laune und danach die Fastnachtszeit fest im Griff hatten, will ich heute wieder durchstarten. Wie gewohnt schau ich dem Interview-Gast dabei richtig schön ins Essgefach. Und du wirst erstaunt sein, was man dabei so alles sieht und erfährt!

Also dann, auf ein neues. Heute wird es um Gerfried, seine Frau und ihren Kasten gehen. Gerfried ist schon lange Camper und doch irgendwie Newbe. Wieso?! Das erfährst du wohl nur, wenn du dich für’s Weiterlesen entscheidest! 😉

 

Über Gerfried und den Blog womoguide.de

Schon als 3 Jähriger dem Campingfieber erlegen

Mein heutiger Interview-Partner vom womoguide.de kommt aus Graz (Österreich), ist 34 und heißt Gerfried. Vorerst, was er auffallend betont, sei er ganz gewöhnlich berufstätig. Nebenbei arbeite er an mehreren Online-Projekten. Dem digitalen Nomadentum stünde er aufgeschlossen gegenüber. Gerade wegen freier Zeiteinteilung und Ortsunabhängigkeit.

Auf die Frage, ob er denn schon länger im Camper reise, ernte ich fast Hohn und Spott! Von der Frage perplex, erhalte ich ein trockenes ‚ich campe schon immer‘. Jaja, schon klar. Schon IMMER, denke ich mir. Eine Ausdrucksweise, die in der heutigen Zeit wohl bedeutet: schon länger als gestern. Irritiert schiebt er nach, ‚also schon seit meinem dritten Lebensjahr‘. Okay wow, schießt’s mir durch den Kopf. Er campt also wirklich schon seit immer!

Seine Eltern nahmen ihn im Alter von 3 Jahren für sechs Wochen mit in den Griechenland-Urlaub. Im Campingbus. Er ist also wahrlich keiner, der aus einer Mücke einen Elefanten macht. Und in der Erzählung zu Übertreibungen neigt. Nein, Gerfried bleibt geradlinig bei der Wahrheit.

In Kindheit und Jugend ließ er weitere Campingausflüge folgen. Bis er dann das Flugzeug für sich entdeckte. Nur um später auf Auto und Zelt umzusteigen. Seitdem er beruflich viel im Flieger reist, ist ihm doch eines immer klarer geworden: so frei, wie im Van, ist man nirgends! Nicht mal als Backpacker. Denn da sei man an Transportmöglichkeiten gebunden.

Privat macht er heute nur noch ungern Flugreisen. Auch, weil man mit dem Camper ganz einfach losfahren kann. Wann man möchte und wohin man möchte. So kann er einfach weiter fahren, wenn’s mal irgendwo auf diesem Planeten nicht gefällt. Und auch das nächste Ziel ist nie vorreserviert. Nein, mit dem Van genieße man einfach sehr viel Freiheit bei gleichbleibend hohem Komfort.

 

Der womoguide – die Basics des mobilen Reisens verständlich erklären

Im November 2016 – also noch nicht mal ein halbes Jahr her – hat er seinen Blog gestartet und mit dem Ratgeber vor allem eines bezwecken wollen: Gerfried wollte die Basics des mobilen Reisens erklären. Denn er war es satt zum (gefühlten) 143. Mal einem befreundeten Pärchen zu erklären, wo nochmal der Unterschied zwischen Wohnwagen und Wohnmobil liege. Wie das denn so wäre, mit einem Camper unterwegs zu sein. Und was man beim Kauf denn bitteschön beachten solle.

Gerfried hat dazu seine eigene Erklärung. Schließlich sehe man nicht so viele junge Leute mit Campingvan. Häufig sei zwar ein gewisses Interesse am Thema vorhanden. Wenn man nur Hotelurlaube kenne, sei der Zugang zum Vanlife eben für viele doch unerwartet schwierig! Deswegen plant er gerade auch an einem Buch und parallel dazu möchte er den Blog voranbringen. Dort drehe sich alles rund um die Themen Wohnmobil-Einstieg, Wohnmobil-Kauf sowie Tips und Tricks. Im Laufe der Zeit sollen aber auch Berichte seiner Reisen folgen!

 

 

Der Kastenwagen ist derzeit genau richtig

So, lieber Gerfried, nachdem wir nun wissen, dass du schon seit mehr als 30 Jahren als Camper unterwegs bist – wieso genau reist du so gerne im Van? Und nicht mehr mit Zelt und Auto?

Ich mag die Idee, wie mit einem Pkw, überall hinfahren zu können. Klar, gewisse Einschränkungen gibt es! Aber im Allgemeinen kann man fast überall hinfahren, wenn man sich traut!

Wohnmobile sind dagegen immer ein Kompromiss! Je mehr Komfort man möchte, desto größer muss es sein. Und desto weniger Flexibilität genießt man. Manchmal kommt auch uns der Wunsch nach mehr Platz. Zum Beispiel, wenn wir gerade mal 10 Tage am selben Ort verbringen. Aber wenn wir das nächste Mal einen entlegenen Ort erreichen, wo uns sogar manche Geländewagenfahrer ungläubig anschauen, wissen wir wieder warum der KaWa (zumindest derzeit) genau das Richtige für uns ist!

 

Nutzt du denn den Van ausschließlich für lange Touren? Oder geht ihr auch schon mal für ein Wochenende on the road?

Wir nutzen unseren Camper an jedem Wochenende von März bis November, das sich uns bietet. So oft wie möglich. Fahren zum Windsurfen ans Meer oder einen See. Zum Wandern und Mountainbiken in die Berge. Manchmal bleiben wir auch einfach in der näheren Umgebung. Bloß klassische Strandurlauber sind wir nicht.

Übrigens: der Winter ist tabu! Unser jetziger Bus ist schlichtweg nicht wintertauglich. Das ist auch einer der Gründe, weshalb man ihn niemals als Wohnsitz nehmen könnte. Längere Schlechtwetterperioden, mangelnde Autarkie und Platzangebot – Totschlagargumente.

 

Die Argumente – sie kommen mir so bekannt vor! Sag mal, stehst du mit dem Van eher auf Camping- oder auf Stellplätzen? Oder ganz frei?

Wir wechseln ab! Grundsätzlich ist uns Freistehen am liebsten. Es bedeutet uns viel mehr als Kostenersparnis: Freiheit! Meistens gehen wir dann auch lokal essen. Das kostet unterm Strich häufig mehr, schmeckt aber besser.

Wenn wir Campingplätze ansteuern, dann meist, weil freistehen im jeweiligen Land nur schwer möglich ist. Wie in Kroatien im Sommer. Oder auch weil wir dringend Wäsche waschen und ver-/entsorgen müssen. Es gibt aber auch schöne Campingplätze, die wir durchaus gerne besuchen! Riesenanlagen mit Animation und Dauercamper-Gartenzwerg-Gärten meiden wir dagegen immer. Auch die Jahreszeit entscheidet mit: nach einer Windsurf-Session im April kann eine heiße Dusche ohne Wasser-Limit gut tun. Daher sind wir dann gerne am Campingplatz.

 

Du erzählst häufig von ‚wir‘ – wer ist denn ‚wir‘? Reist ihr zu zweit oder vielleicht sogar mit Kindern? Oder gab es andere Umstände, die du beim Buskauf berücksichtigen musstest?

‚Wir‘, das ist meine Frau Olya und ich. Wir reisen zu zweit und sind beide Windsurfer. Damit stießen wir schon bei unserem vorherigen Van, einem VW T3 Westfalia Joker Baujahr 1982, bald an Grenzen. 3+ Boards, 7 Segel und allerlei Kram waren im T3 eher unbequem! Schweren Herzens entschlossen wir uns daher zu einer Vergrößerung mit der klaren Anforderung: der Surfkram muss aus dem Wohnraum verschwinden! Zudem wollten wir die Schlafqualität verbessern. Eine 1m breite Liegefläche ist zwar erstmal romantisch, bei 30° im Juli leidet aber auf Dauer die Schlafqualität!

Gerfried Olya womoguide.de Kastenwagen Campingbus Camingvan Pössl Duett L Peugeot Boxer 128 PS
Gerfried und Olya vom womoguide.de

 

Der womoguide-Van – ein Pössl Duett L auf 5,50 Meter Länge

So, jetzt hast du aber genug erzählt von altem Van und neuen Ansprüchen. Lass uns wissen, was ihr mittlerweile fahrt!

Einen Peugeot Boxer, Baujahr 2011 mit 128 Turbodiesel-PS und Maxi-Fahrwerk. Dank 1.000 kg Zuladung können wir einpacken ohne zu rechnen! Ausgebaut wurde der Van von Pössl. Ein ‚Duett L‘ – die Langversion auf 5,50 Meter. Eben ein klassischer KaWa-Grundriss mit Querbett, das sich zum Essbereich umbauen lässt. Nasszelle und Küchenzeile befinden sich in der Mitte, der Beifahrersitz ist drehbar.

Beim Kauf war der Bus 11 Jahre alt. Das ist bald 4 Jahre und 40.000 km her. Größere Probleme gab es nicht. Flackernde Warnlampen aufgrund eines verschmutzten Luftmassenmessers und eine Startverweigerung wegen eines korrodierten Massekabels waren alles.

Das Heck ziert ein Radträger. Auf dem Dach thront eine riesige Dachbox, die das Surfmaterial aufnimmt. Daneben ist gerade noch genug Platz für 3 Boards. Aufeinander. Das Ziel, den Wohnraum von Sportgeräten zu befreien, wurde somit erfüllt. Dennoch gibt es natürlich schon wieder neue Wünsche!

 

Ja, das ist wohl häufig so! Nutzt ihr denn Gas im Wohnmobil auf euren Reisen? 

Wenn wir im Sommer freistehen, läuft der Kühlschrank auf Gas. Wir kochen hauptsächlich Frühstückskaffee, nur selten Abendessen. Grundsätzlich probieren wir im Urlaub lieber die lokalen Spezialitäten aus. In kühleren Jahreszeiten ist der gasbetriebene Warmwasserboiler zum Duschen und für den Abwasch sehr angenehm. Und die Heizung ohnehin unverzichtbar.

 

Wenn ihr so gerne und viel frei steht: wie wichtig ist die Autarkie des Vans für dich?

Mit unseren 2 x 5 kg Gas können wir für drei Wochen Kühlschrank betreiben und Kaffee kochen. Strom benötigen wir kaum – im Camper sind ja nur LED-Lampen. Irgendwann sind Telefone, Tablets und Laptops aber auch mal leer. Da die Geräte nur während der Fahrt geladen werden können, denken wir über den Einbau einer Solaranlage nach. Das führt dann aber unweigerlich zu weiterführenden Überlegungen à la Kompressorkühlschrank, weshalb das Projekt noch auf Eis liegt.

Solange wir ein Angestelltendasein fristen genügt uns die Autarkie unseres Fahrzeugs. So viel Urlaub, um an Grenzen zu stoßen, haben wir nicht. Ich hoffe aber, dass das irgendwann zum ‚Problem‘ wird! 😉

 

Drei Wochen mit 10 kg Gas. Das hört man nicht oft. Ich bin schon gespannt, was du dann zu den kontrovers diskutierten Themen zu sagen hast. Erzähl mal! Festbad oder Raumbad, was fahrt ihr?

Festbad! Der getrennte Raum ist einfach praktisch. Wir trocknen dort Badekleidung oder Neoprenanzüge. Will man den verfügbaren Raum maximal nutzen, muss man zum Raumbad greifen und zahlt dafür mit Gemütlichkeit.

 

Sichtachse oder Stauraum? Ich vermute euch war der Stauraum wichtiger?

Wenn man gerne Sport treibt und dafür diverse Gerätschaften mitführt, stößt man im Kastenwagen schnell an Grenzen. Daher gilt es den Platz auszunutzen. Das Raumgefühl muss da teilweise hintenan stehen!

 

Quer- oder Längsbetten – was nutzt ihr? Würdet ihr euch beim nächsten Van genauso entscheiden?

Hier sind unsere 1,70 m endlich mal ein Vorteil! Wir können bequem quer schlafen. Trotzdem würden wir uns beim nächsten Fahrzeug Längsbetten wünschen. Nächtliche Toilettenbesuche wecken derzeit auch den Partner.

 

Seid ihr denn auch Wintercamper? Ist euer Van dafür geeignet?

Nein, unser Modell ist leider wenig isoliert. Dementsprechend zieht es in Frühjahr und Winter wie im Hühnerstall! Man hat dann teilweise ein lustiges Wechselspiel aus warmer Heizungsluft und kalter Luft von den Außenwänden. Hier gibt es definitiv Verbesserungspotential!

Mal ganz davon ab: ich kenne Wintercamping noch aus meiner Jugend. Und bin kein großer Fan davon! Alles ist nass, Winterbekleidung füllt den halben Van – könnte ich wählen, ich würde im Winter wohl eher nach Marokko entschwinden!

 

Von Abenteuerreisen und dem ruhigsten Campingplatz der Welt

Vielen Dank Gerfried, dass du bis hierhin durchgehalten hast! Erzähl uns doch mal über deine (bisher) schönste Reise im Van! Wieso war diese eine Reise so einmalig? 

Montenegro und Albanien im Sommer 2013. Haben uns so unglaublich viele Abenteuer und Abwechslung beschert. Kühle Nächte im Gebirge, Relaxen und Surfen am Strand. Ein Mal fanden wir keinen vernünftigen Platz für die Nacht. Kurzerhand führte uns ein Einheimischer in den Wald. Wir dachten schon jetzt wären wir Geld und Pässe los. Stattdessen wurden wir an den ruhigsten Geheimcampingplatz der Welt gelotst. Ganz ohne Bezahlung. Sternenhimmel und Grillplatz inklusive!

Pössl Duett L womoguide Gerfried Olya Peugeot Boxer
Der Pössl Duett L von Gerfried und Olya. Ob die Aufnahme auf der Reise nach Montenegro entstand – es wird wohl ihrer beider Geheimnis bleiben!

 

Was Gerfried sonst noch zu sagen hat. Und ein Kauf-Tipp!

Ein Neuwagen hat natürlich viele Vorteile, wenn es das Budget erlaubt. Mann kann einen Camper ja problemlos 20 Jahre fahren. Das relativiert den Preis. Einen Neuwagen kann man auch so ausstatten, wie man gerne möchte – und darf die ersten Schäden selbst verursachen! 😉

Andererseits ändern sich gerade in jungen Jahren die eigenen Anforderungen. Und der Wertverlust ist bei Neufahrzeugen nicht ohne. Ich persönlich bin froh, vor sechs Jahren nicht einen VW T5 California gekauft zu haben, den ich damals unglaublich gerne haben wollte. Obwohl ein tolles Fahrzeug, hätten sich unsere Ansprüche mittlerweile verändert. Und wir wären wohl längst umgestiegen.

Dieser Lernprozess kostete mit unserem T3 nur einen Bruchteil. Ohne Einbußen bei der Urlaubsqualität. Von der fehlenden Klimaanlage mal abgesehen. Das stufenweise Upgrade zu einem jüngeren und größeren Fahrzeug war finanziell unproblematisch. Und man lernt mit dieser Stufenmethode seine Anforderungen klar zu formulieren. Mittlerweile könnte ich mir aber auch einen Neukauf vorstellen.

Das A und O beim Gebrauchtkauf ist aber, dass die Technik funktioniert! Pannen machen keinen Spaß. Schon gar nicht unterwegs! Im Gegenzug kann man über optische Mängel hinweg sehen. Diese lassen sich (wenn auch nicht immer) häufig selbst leicht beheben.

 

#VANweh sagt Danke! an Gerfried und Olya von womoguide.de!

Vielen Dank Gerfried für den heutigen und sechsten #VANtalk! Es war mir ein Fest dir und deiner Vorstellung zu lauschen. Besonders bekräftigen möchte ich deine Abschlussworte. Die Stufenmethode ist super! Vor allem kann man so erst mal ‚low budget‘ in die Materie einsteigen. Das habe ich ja selbst gerade hinter mir.

Nur zwei kleine Korrekturen möchte ich mir aus meiner Sicht erlauben: optische Mängel sind nicht immer selbst zu beheben. Das findet häufig nämlich bei Rost und massiven Lackschäden seine Grenzen. Und außerdem: ich vertrete die Auffassung, dass gerade dieser Tage wohl ein KaWa so wertstabil ist wie nie zuvor. Auch hier regulieren nämlich Angebot und Nachfrage den Preis. Angebot ist häufig dünn, Nachfrage auf Boom geschaltet. Entsprechend sind gerade die Preise für Gebrauchte häufig Mondpreise. Und ein Neukauf nicht selten die (mehr als) logische Konsequenz!

Mit fünfeinhalb Metern Fahrzeuglänge war das heute zugleich auch der bisher kleinste Campingbus im #VANtalk. Und trotzdem hast du bewiesen, dass auch so ein Van ein richtiger Lastenesel sein kann. Danke also auch dafür! Auf bald, wenn es dann wieder heißt ‚willkommen zurück beim Kastenwagen Interview‘.

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

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