Roadtrippin‘ UK – was du wissen solltest

Kürzlich habe ich dir davon erzählt, dass wir planen unseren ersten Urlaub im Kastenwagen in Südengland zu verbringen. Auch sagte ich dir, dass wir eigentlich nach Südnorwegen reisen wollten, dies jedoch aus diversen Gründen vorerst nun ausscheidet. Südengland passte uns insbesondere klimatisch und landschaftlich ganz gut in den Kram.

Wieso ist Südengland so unpopulär?

Südengland – da habe ich im Vorfeld aber so einige gerümpfte Nasen zu sehen bekommen! „Verreist ihr denn?“, wollten viele wissen. Meine Antwort dann: „Ja, klar. Mit dem Kastenwagen.“ Noch bevor ich sagen konnte wohin, kassierte ich erst mal Gegenfragen wie diese: „Womit?!“„Naja, Wohnmobil“. „Ah, okay. Italien, was?“, fragten wiederum einige und gaben sich wissend. Auf meinen Konter „Nene, Südengland“ gab’s dann häufig besagte Nasen.

Lustiger Weise konnte mir niemand, der mir zuvor sein Unverständnis äußerte sagen, was er denn mit Südengland verbinde. Oder naja, zumindest nichts weiter außer: Brexit, Regen und englisches Frühstück. In dieser Reihenfolge.

Nicht einer sagte Worte wie: Cornwall, Stonehenge, Natur, Ruhe oder Nationalparks. Doch genau das erwartet einen dort. Und natürlich noch vieles mehr!

Cornwall, Devon und allgemein Südwestengland wollen wir mit dem Wohnmobil bereisen

Der Süden Englands war auch für uns nichts anderes als Plan B. A hieß, wie genannt, Südnorwegen. Auf England kamen wir dann auch nur mehr per Zufall. Doch schon bald begann die erste Recherche. Ich informiere mich ja gerne, möglichst bevor ich mich in ein Reiseziel verschieße, ob es wirklich realistisch ist und Sinn ergibt.

Also brütete ich einen ganzen Abend über meinem Laptop. Bei einem heißen Kaffee schoss mir so mancher Gedanke durch den Kopf: Fähre, Pfund, Stellplätze, Entfernung, Route, Kosten. Im Einzelnen gleich mehr.

Erst Mal prüfen, ob Südengland erreichbar wäre

Was mir immer wichtig ist, bevor ich wirklich in die ‚Planung‘ einsteige: ist denn das gewählte Ziel erreichbar? Also, komme ich in der vorgegebenen Urlaubszeit hin und wieder zurück? Kann ich dort auch Reisen und mich erholen oder nur hektisch Hin- und Herfahren?

In diesem Fall hatten wir also nur 11 Tage zur Verfügung. In der Zeit müssten wir von zuhaus losfahren, die Fähre nehmen, die Tour machen, die Fähre zurück nehmen und am Ende dann auch noch das Leihfahrzeug abgeben. Ganz schön sportlich. Okay, zugegeben: geschummelt. Das Fahrzeug muss erst an Tag 12 wieder zurück. 😉

Nach kurzem Check und Klärung der Erwartungen an diese Reise – wir würden verhältnismäßig viel/oft fahren – stellen wir fest: Südengland wäre möglich.

Die Grobplanung beginnt

Jetzt, wo das klar ist, beschäftige ich mich erstmals mit Einzelheiten rund um die Reise. Und versuche so eine Art Skelett mit den wichtigsten Informationen zusammen zu stellen.

Als erstes versuche ich so nochmal etwa das Preisniveau abzustecken. Sodass es auch finanziell im Rahmen des möglichen bliebe. Nun ja, dass England nicht spottgünstig werden würde war mir schon vorher klar. Der Wechselkurs beläuft sich etwa, über den dicken Daumen gerade auf 1 Pfund zu 1,10 Euro – also Preis in Pfund + 10% ist ungefähr der Preis in Euro. Dicker Daumen!

Was aber dabei auch schnell klar wird: Preise für Wihnmobilstellplätze sucht man vergeblich! Wieso das so ist? Nun ja, es gibt sie schlichtweg nicht. Oder nur ganz, ganz wenige. Da frei stehen verboten ist, bleibt also nicht viel mehr als der klassische Campingplatz. 

Immerhin ein Lichtblick: Farmcampings sind beliebt! Dort steht man bei einem Bauern auf der Weide, der Bauer verlangt dafür einen Obulus. Diese Plätze sind häufig gut gelegen, teilweise mit Meerblick. Ob da Strom, Ver- und Entsorgung oder Sanitäreinrichtungen dabei sind – kommt ganz drauf an. Auch die Preise sind zu unterschiedlich, 15 Pfund pro Nacht aber meist nicht unüblich. Auf Campingplätzen wird’s schnell teurer als 25 Pfund – nach oben offen.

Nun gut. Für die Grobplanung wollte ich ja erst mal nur wissen, ob Südengland mit dem Van möglich wäre. Ich stelle fest: ja. Es könnte sich die Südküste in ganzer Ausdehnung anbieten. Samt Cornwall und Devon, Dartmoor National Park und Stonehenge. Einschließlich ‚Puffer‘ wären wir bei fast 2.500 km. Schlafen könnten wir spontan auf Farmcampings oder echten Campingplätzen. Soweit so klar!

Wir buchen die Fähre – und betreten Neuland

Bevor wir aber noch den ersten englischen Campground würden aufsuchen können, braucht es ein Ticket für die Fähre über den Ärmelkanal. Auch hier gibt es verschiedene Optionen, gleich drei an der Zahl.

Vorweg: genaue Preise nenne ich keine. Die sind ohnehin zu individuell – Fahrzeuggröße, Reisezeitraum, Buchungszeitpunkt etc. pp.

Option 1 – Der Eurotunnel

Für uns hätte sich der Tunnel finanziell nicht gelohnt. Noch dazu wären wir zeitlich festgelegt gewesen, wann wir einfahren wollen. Und können. Der Tunnel war daher für uns keine Option.

Option 2 – Fähre Calais – Dover

Wie sich auch im weiteren Austausch mit Verwandten herausgestellt hat, ist dies nach wie vor wohl die bekannteste Route hinein nach England. Warum wir diese nicht gewählt haben? Weiter zu fahren als Dünkirchen und wohl auch mehr Trubel.

Option 3 – Fähre Dünkirchen – Dover

Gerade weil Calais bekannter ist, scheint sie auch stärker frequentiert zu sein. Kann ich aber selbst nicht beurteilen! Wir haben uns schließlich für die Fähre ab Dünkirchen entschieden. Erstens wird sie auch regelmäßig von Dr. Camp genutzt (kleiner Scherz, aber Grüße an dieser Stelle!). Außerdem ist sie für uns schneller zu erreichen und soll wohl beschaulicher sein. Preislich hat’s auch gepasst.

Der Preis ist heiß – aber nicht alles!

Ich meine mich zu erinnern, dass wir die beiden Überfahrten hin und zurück für gesamt 160 € hätten haben können. Bei Buchung 5 – 6 Wochen vor Reiseantritt. Wir haben aber bewusst etwa 50 € drauf gelegt. Für die Flexi-Tickets. Damit kann man – vorausgesetzt auf der jeweiligen Fähre ist Platz – ab 72 Stunden vor bis 72 Stunden nach der eigentlichen Abfahrt eine passende Fähre nehmen. Steht man also im Stau etc. verliert das Ticket nicht den kompletten Wert! Das war uns wichtig.

Was wir auch noch brauchten oder vielmehr wollten und was das Flexi-Ticket bieten konnte: bis 48 Stunden vor Fährfahrt wären die Tickets auch noch (kostenfrei) zu stornieren gewesen. Das war uns den Mehrpreis dann wirklich wert!

Fazit – ein Roadtrip durch Südengland ist möglich wenn man manches beachtet

Wie du nun gesehen hast, ist es gar nicht so unmöglich durch Südengland zu reisen, wie dir vielleicht manch einer Glauben machen mag! Im Wesentlichen gilt es drei Punkte zu beachten: du brauchst eine Fähre, du brauchst ein bisschen Bares (Pfund) und musst dich davon frei machen auf Stellplätzen zu stehen.

Wenn dann auch noch das Wetter mitspielt, wird der Roady durch England gewiss super! 

Wir jedenfalls sind gerade dabei unseren zu genießen! Was wir alles erlebt und gesehen haben, wo wir übernachtet haben und was wir bei einem nächsten Mal vielleicht anders machen würden – dazu später mehr! Ich 

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

3 Gedanken zu „Roadtrippin‘ UK – was du wissen solltest

  • 5. September 2017 um 12:52
    Permalink

    Stonehenge in unmittelbarer Nähe von Natur und Ruhe entspricht dem Kopfkino, aber nicht dem Bild vor Ort 😉
    Südengland und Ruhe ist vor allem ausserhalb der englischen Ferienzeiten in dieser Kombination zu haben. Innerhalb der Ferien lohnt sich der Blick nach Wales, den Lake District oder nördlicher.

    Antwort
    • 5. September 2017 um 13:37
      Permalink

      Danke dir Stefan für die Tipps! Stonehenge sind wir auch noch echt mit uns am Hardern. Soll was um die 18 Pfund pro Person kosten. Und man kommt bei weitem nicht so nah ran, wie man sich das vorstellt. Am Ende ist es eben auch nur ein Teil des Massentourismus. Also, mal sehen. Zum Glück sind die Ferien hier gerade rum, sodass es zunehmend ruhiger wird.
      Grüße!
      Mario

      Antwort
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