Wieso die Perspektive so wichtig für die Bildgestaltung ist

Hier und heute soll es am #ff Fotofreitag wieder mal um die Fotografie gehen. Nämlich wollen wir ja weiterhin lernen, wie wir bessere Fotos von unseren Reisen mitbringen. Warum wir die mitbringen wollen, hatte ich ja schon mal lang und breit erklärt. Dass wir uns dabei immer Stück für Stück weiter entwickeln wollen, ja das sollte eigentlich doch klar sein!

Vor Kurzem habe ich dir extra für diesen Zweck achte kleinere Tipps für deine Reisefotografie an die Hand gegeben. Acht Tipps, mit denen du ganz sicher bessere Fotos erzielen würdest. Zur allgemeinen Reisezeit sollten dir diese Hilfestellung bieten. Möglichst übersichtlich und kompakt. Der Sommer neigt sich schon bald wieder dem Ende. Gereist wird trotzdem, schon klar. Aber ich will an der Stelle nun wieder etwas mehr ins Detail gehen.

 

Die Perspektive ist eines der häufig unterschätzten Instrumente der Fotografie

Etwas mehr Zeit und Beachtung sollte man vor allem der Perspektive deiner Bilder widmen! Es ist ein Thema, mit man sich sehr viel beschäftigen kann. Aber auch ein Thema, das ziemlich oft unterschätzt wird, wie ich finde. Jedenfalls schließe ich das daraus, dass noch immer 95 % aller Touristen die Fotos wie folgt aufnehmen: Kreuz gerade durchstrecken, Brust raus, Bauch rein und – ab dafür!

Hmm, nicht gerade sehr einfallsreich. Wie sieht das Bild dann aus? Richtig, genau so, wie wir es auf der Reise wahrgenommen haben. Ja cool, eigentlich! Komisch nur, dass die Fotos dann später, wenn man sie in Händen halt, oft sehr ‘flach’ und wenig spannend oder gar interessant wirken. Eher sogar langweilig und herkömmlich.

Also hör endlich damit auf ‘herkömmliche’ Bilder zu knipsen. Beginne spannende und interessante Fotos zu schießen, die du den Daheimgebliebenen stolz unter die Nase halten kannst. Sei dir sicher: der Neid – aber auch die Anerkennung – ist dir gewiss! 😉

 

Wie dir endlich spannendere Fotos gelingen

Ich will im Folgenden also etwas auf die Perspektive des Bildes eingehen. Eines vorab: dabei werde ich wenig bis gar nicht auf die verschiedenen Objektive oder mögliche Blickwinkel eingehen. Gehören zwar ebenso zu dem Gesamtpaket ‘Perspektive’ dazu. Für heute soll uns aber der Blick auf den ‘Standpunkt’ oder auch die Perspektive des Fotografen reichen.

Denn, wie ich eben gesagt habe, wählen viele Fotografen ein- und denselben Standpunkt: sie stehen, so stramm es nur irgend geht, aufrecht. Und drücken ab. Kein Wunder, denn das ist doch die natürliche Haltung. Wenn wir auf Reisen sind und gerade durch einen Park oder eine Stadt schlendern. Und uns plötzlich DAS Motiv vor die Augen springt.

Ja, schon richtig. Nur selten gehe ich im Seitenkriechgang durch die Stadt. Muss ich ehrlich zugeben! Aber auch das bedeutet fotografieren! Mal den alltäglichen Trott verlassen. Haltung, Standpunkt und so die Perspektive zu wechseln. Und nicht selten sieht man da Dinge, die man vorher nicht wahrgenommen hat.

 

Neue Perspektiven sorgen für neue Wahrnehmungen

Aber auch wenn du danach noch immer die gleichen Dinge und Motive siehst, bringt ein solcher Standpunktwechsel etwas! Denn häufig verschieben sich dadurch die abgebildeten Dimensionen im Bild. Also wie die unterschiedlichen Motive, oder eben Vorder- und Hintergrund, zueinander wirken. Glaubst du mir nicht?! Okay, pass auf!

Stell dir mal vor du gehst im Herbst durch den Wald. Ein toller Spaziergang an einem noch tolleren Herbsttag. Überall viel Laub. Hier und da ein Pilz am Wegesrand. Genau so einen Pilz willst du nun fotografieren. Du spazierst, also gehst du aufrecht. Vor dir nun siehst du ihn: der Pilz, der eine, den es zu fotografieren gilt. Also setzt du deine Kamera an… stellst dich über den Pilz, drückst den Rücken genauso weit durch, wie den Auslöser. Und schwups – super Bild. Nicht! Du siehst nämlich einen Pilz von oben. Genauer gesagt, siehst du auf dem Foto viel Waldboden. Viel buntes Laub. Irgendwo etwas (fast) kreisrundes. Das sei ein Pilz gewesen, den du beim Spazierengehen entdeckt hättest, erklärst du Omma Gertrude am Esstisch.

Naja, du hast es schon gemerkt. Wenn man später erst mal erklären muss, was man auf dem Foto sieht – das sagt dann meist schon alles. Was hättest du in dieser Situation besser machen können? Was habe ich so sehr betont? Genau, die Körperhaltung! Wie wäre das Bild spannender geworden? Wenn du tief in die Hocke gegangen wärst. Vielleicht hättest du dich sogar am besten leicht seitlich auf den Boden gelegt, sodass die Kamera auf dem Boden aufliegt. Und du den Pilz leicht nach oben fotografierst.

Hier hatte ich auf meiner Tour auf den Vesterålen beim Wandern Pilze gefunden. Vielleicht hätte man sie sogar noch spannender fotografieren können. Aber meine ersten Versuche, senkrecht von oben herunter, wirkten schon auf dem Kameradisplay überhaupt nicht. Sodass ich dieses Bild gleich löschte!
Hier hatte ich auf meiner Tour auf den Vesterålen beim Wandern Pilze gefunden. Vielleicht hätte man sie sogar noch spannender fotografieren können. Aber meine ersten Versuche, senkrecht von oben herunter, wirkten schon auf dem Kameradisplay überhaupt nicht. Sodass ich dieses Bild gleich löschte!

Ich finde an einem Pilz kann man es häufig ganz gut erklären. Meist (lange nicht immer!) werden Objekte und Motive in einer Körperhaltung nah am Boden interessanter. Deswegen versuche auch du ab sofort immer mal wieder andere Körperhaltungen und Aufnahmesituationen aus! Teste dich dort langsam ran. Experimentiere viel, dann wirst du auch viel dabei lernen und für dich und deine Fotografie mitnehmen. Bleibst du immer nur aufrecht stehen und machst ein Bild, wirst du deine Fotografie nur schwer fortentwickeln können.

 

Aber was denken wohl Christiane und Rüdiger von mir?!

Deine Bedenken? Ja, klar, die höre ich bis hierhin. Keine Angst ich hatte die gleichen Bedenken anfangs. Wie das wohl aussehen und auf andere wirken würde?! Mhm, ich sag’s mal so: ich habe mich schon so oft vor den Leuten zum ‘Hans’ gemacht. Interessanter Weise habe weder ich, noch meine Kamera bis zum heutigen Tage Schaden davon getragen. Auch hat mir keiner – zumindest nicht offen – ins Gesicht gesagt, dass ich einen am Sträußchen hätte. Also vergiss diese Gedanken. Ganz schnell.

 

Variiere deine Körperhaltung je nach Motiv

Wie immer in der Fotografie: es gibt keine Regel. Nicht ohne Ausnahme zumindest. Deswegen kann ich dir auch nicht sagen, welches Motiv du künftig am Besten aus welcher Körperhaltung heraus du aufnehmen solltest. Nein. Du musst es selbst herausfinden. Immer auf das jeweilige Motiv bezogen. Fang an zu experimentieren.

Ich selbst habe noch nicht so den richtigen Blick dafür, wann ich wo gerade welche Körperhaltung und folglich Perspektive im Bild brauche. Deswegen spiele ich dann häufig vor Ort viel herum. Probiere mal so, mal so. Und schaue mir die Ergebnisse, zumindest schon mal für einen ersten Eindruck, auf dem Kameradisplay an.

Auf einer nächtlichen Tour durch Stockholm letzten Sommer blieb ich zum Beispiel an dieser Gasse hängen. Es gefiel mir dort. Weil einerseits das Licht so toll war. Andererseits die hohen, gedrungen Fassaden die Gasse noch schmäler wirken ließen, als sie ohnehin schon war. Ich probierte mich ein paar Aufnahmen durch. Mal aufrecht, mal in der Hocke, mal am Boden. Am Besten gefiel es mir in hockender Position.

im August 2015
Gasse in der Stockholmer Altstadt, Gamla Stan, bei Abendstimmung

 

 

Mach dir deine Optionen bewusst

Ich habe dir nun gezeigt, worauf es bei der Perspektive vor allem ankommt: die Körperhaltung des Fotografen. Die drei wichtigsten, wie ich finde, sind dabei stehen, Hocke und liegen. Am Ende ist aber alles erlaubt, was gefällt. Wichtig ist, dass du dich durchversuchst. Und das nicht nur ein Mal. Sondern von Motiv zu Motiv.

Nicht immer wird die Position flach am Boden die beste oder interessanteste Bildwirkung erzielen. Häufig aber wird gerade an Touri-Hotspots dort dein Foto individuell. Weil nur die wenigsten Knipser auch tatsächlich ihre Körperhaltung verändern. Achte selbst mal drauf! Schau mal bei deiner nächsten Reise etwas mehr auf die Anderen. Wie sie stehen, wenn sie Fotos schießen. Merkst du was?!

Mache dir klar, dass neben der Körperhaltung des Fotografen auch dessen Position zum Motiv wichtig ist. Das wäre dann aber schon der nächste Schritt. Und will daher ein andermal erklärt werden. Jetzt geh raus, nimm deine Kamera in die Hand und sei sportlich-kreativ. Teste alles mal aus. Was gefällt dir am Besten?

In welcher Körperhaltung fotografierst du denn meistens? Achtest du bewusst darauf? Oder machst du deine Fotos auch immer nur in Geh-Pausen und daher meist im Stehen? Schreib es doch mal hier unten in die Kommentare! Würde mich wirklich mal interessieren, ob nur mir dieses typische Touri-Verhalten auffällt. 🙂

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten ‘9 to 5 job’. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

2 Gedanken zu „Wieso die Perspektive so wichtig für die Bildgestaltung ist

  • 17. September 2016 um 11:47
    Permalink

    Hallo Mario,
    ich habe deinen Artikel mit interesse gelesen, aber nichts Neues dabei gelernt – ich gehöre zu den wenigen “Knipsern”, die ständig die Persepktive wechseln. Aber du hast Recht, die typischen “Touri-Fotografen” bleiben aufrecht stehen *lach*.
    Bei einem Fotojob auf einer Hochzeit haben sich so manche über meine Turnübungen gewundert (Hocke, halbe Hocke, auf Zehenspitzen, nach hinten gelehnt, schräg… nur hingelegt habe ich mich nicht *g*) und am anderen Tag hatte ich tierischen Muskelkater. Aber alle waren hinterher von den Fotos begeistert, die eben nicht 08/15 waren.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    Antwort
    • 19. September 2016 um 17:40
      Permalink

      Hi Kerstin,
      so manchmal muss man eben fragende Blicke und rollende Augen riskieren! =) Meistens wird man dann ja tatsächlich mit guten und eher ungewöhnlichen Fotos belohnt. Tut mir leid, dass du nichts Neues gelernt hast beim Lesen von diesem Artikel. Aber so ist das manchmal, wenn man schon vieles – ob bewusst oder unbewusst – beachtet. 😉
      Auch an dich liebe Grüße,
      Mario

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *