Darf ich vorstellen – Mein Camper!

So, endlich ist es soweit –  ich darf euch miteinander bekannt machen! Euch, das heißt Dich und meinen Campingbus. Ein Volkswagen T3 aus dem Jahre 1987. Wie es dazu kam, dass er in meinen Besitz übergewechselt ist, was er so drauf hat und wie es mit ihm weiter geht. Das alles erfährst Du ab jetzt.

Wie alles begann

Aber erst mal langsam. Wieso und wozu überhaupt ein Camper, wirst Du dich vielleicht fragen. Naja, das ist relativ schnell erzählt. Schon als Kind und in meiner Jugend standen Campingurlaube auf dem Jahresprogramm. Unter Sportvereinen war dies eine beliebte Möglichkeit für kostengünstige Ferienfreizeiten, Trainingslager oder Übernachtungen rund um die Turniere. Auch meine Eltern waren selbst damals begeisterte Zelt-Reisende. So kam es, dass wir häufig und gerne, auch mit bepackten Fahrrädern, durch die Lande ziehten. Wir brauchten und hatten meist nicht mehr als Zelt, Schlafsack und Luftmatratze dabei. Für die rudimentäre Camper-Nahrung gab es dann einen Camping-Kartuschen-Kocher mit Dreibein. Der war unverzichtbar für solche Leckereien wie Dosenravioli, Geschnetzeltes aller Art und ganz besonders wichtig für: morgendlichen Kaffee! Auch ich bin in den letzten Jahren dann immer wieder regelmäßig mit Sack und Pack und Zelt losgezogen. Allerdings mit Auto. Und irgendwie hat man dann nach Jahren und einigen Nächten im Zelt dann doch die Nase voll: bei Sturm fühlt man sich, als würde man gleich wegfliegen, beim Regen glaubt man in einer Tropfsteinhöhle zu wohnen – und feucht und klamm wird es spätestens in den Abendstunden sowieso. Und sind wir mal ehrlich, wer kennt es nicht: man kommt auf dem Campingplatz an, rackert sich dabei ab das Zelt aufzubauen und alles einzurichten. Schon spätestens nach der ersten Nacht herrscht im Morgengrauen schon das pure Chaos. Die Tasche halb ausgeleert, überall Essensvorräte, Kochgeschirr und dazwischen sucht man nach Taschenlampe und ähnlichem Utensil. Bei der Heimfahrt dann ähnliches Bild, rückwärts. Ordnung machen, alles irgendwie verstauen, Zelt abschlagen. Und natürlich immer wieder der Klassiker: zehn Tage tolles Wetter bei strahlendem Sonnenschein. Und dann kommt der Abreisetag. Regen in Strömen, alles matschig und dreckig. Das Zelt ist triefend nass. Wenn auch nur von außen. Aber nach einer langen Fahrt endlich daheim angekommen, total erschöpft: jetzt noch “schnell” das Zelt zum Trocknen aufhängen. Ansonsten bilden sich die gefürchteten Stockflecken. Dann in der Woche darauf, Zelt abbürsten und abkehren, zusammenlegen und verstauen. Eigentlich ist man wieder urlaubsreif.

Nicht nur dies war mit ein Grund dafür, weshalb ich mich schon seit geraumer Zeit nach Alternativen umgeschaut habe. Auf der Suche dann die Idee: ein Bus muss her. Am liebsten ein Volkswagen T4. Aber nun gut, es kam wie immer so ganz anders als gedacht. Aber lies selbst!

 

Der Deal – ein neues zu Hause mit 28 Jahren

Wie es doch häufig so ist. Mit Akribie und Geduld sucht man an jeder Straßenecke, auf jeder Internetseite, nach dem passenden Objekt. Nach wochen- und monatelanger Suche ist man kurz davor entnervt aufzugeben. Man beginnt nach Alternativen zu schauen. Abstriche bei den Anforderungen zu machen. Sich selbst zu hinterfragen, ob man möglicherweise die Messlatte selbst zu hoch gelegt hätte. Es bringt jedoch alles nichts. Nach wie vor nichts passendes dabei. Auch nach Veränderung der Suche nicht. Tage vergehen. Wochen. Und dann auf ein Mal: über fünf Ecken bekommt man Wind davon, dass ein Bekannten, vom Bekannten, von dessen Arbeitskollegen, verkaufen möchte. Ja was denn?! “Einen vollausgestatteten Campingbus”. ALARMGLOCKEN schrillen! AHA! Endlich. Jetzt also doch. Zu dem Modifikationen? “Weiß ich nicht genau. Steht aber gut da. Preis ist vernünftig”. Schon ist’s passiert. Man nimmt den Hörer in die Hand, stellt einen Kontakt her. Bald schon ist klar: das Objekt entspricht nur wenigen der Suchkriterien. Naja, wegen der schleppenden Suche bisher, kann man es sich ja einfach mal angucken. Unverbindlich. Denkste!

Natürlich steht das Gefährt bei Besichtigung ordentlich da. Die etwas weniger ordentlichen Stellen kann man in der Kürze der Zeit eh nicht erfassen – oder will man nicht. Die Rahmenbedingungen passen, noch etwas am Preis drehen. Die Details abstecken. Passt! Gekauft! Bus übergeben. Schnell noch auf den eigenen Namen umgemeldet. Wow! Mein eigener Bus! Ein 28 Jahre alter Volkswagen T3, der die anspruchsvollsten Zeiten seines Daseins als Transport bereits lange hinter sich hat. Die letzten Jahre hat er sich ganz bescheiden, aber immer multifunktionell als Wohnmobil, oder wie wir sagen: Camper, zufrieden gegeben. Und sich so von seiner besten Seite gezeigt!

 

Leistungsumfang und Ausstattung

Mit seinen 70 Pferdestärken gehört er sicherlich nicht zur Kategorie der muskelstarken Rennboliden. Und ganz sicher gewinnt er mit seiner Orangenhaut auch keine Auszeichnung als Mister Universe. Auch die bewegte Fahrzeughistorie mit vielen verschiedenen Vorbesitzern scheint einem in die Vernunft nehmen und sagen zu wollen: lass die Finger von mir. Aber nichts da! Er hat eine Solaranlage, Gasanlage, Frisch- und Abwassertank, ein (hoffentlich bald wieder) komfortables Bett, einen Kühli und viele andere Spezifikationen mehr. Sicherlich, alles etwas abgelebt und benutzt. Aber noch nicht allzu schlimm. Das Aufstelldach sorgt für die nötige Stehhöhe, die Pilotensitze für hervorragenden Sitzkomfort während der schleichenden Bergfahrten.

 

Lack und Interieur

Wie schon angedeutet, lässt die Orangenhaut die Vermutung zu, dass der Gute schon (mindestens) ein Mal semi-professionell gerollt wurde. Man mag es Vorbesitzer und Fahrzeug nachsehen: nach so einem ersten Leben hat er sicherlich einige Strapatzen hinter sich gelassen. Das grässliche Grün verdeutlicht die Ambitionen einen einzigartigen Verjüngungskur. Einzigartig war sie ganz bestimmt. Ob sie auch (nachhaltig) verjüngt hat, wird sich zeigen! Zum Interieur sei gesagt, dass die Einbauschränke in einem schönen, für die 90er Jahre typischen, Farbklecks-Gesprenkel gehalten sind. Auch Polster und Schaumstoff der Klappsitzbank waren noch im Original Ausstatterzustand. Oder das, was davon noch übrig war. Dem Schaumstoff und dem Bezug geht’ s nun über den Winter an den Kragen. War dieser doch völlig durchgelegen und verschlissen. Aber mehr dazu ein einem kommenden Artikel.

 

Der Stand der Technik

Sicherlich ist nicht mehr alles ganz so up-to-date und noch nicht alles auf seine Funktionsfähigkeit hin getestet. Das Wird das nächste Frühjahr erst bringen. Aber immerhin hat man Gaskocher, Kühlschrank und separate Stromversorgung mit dabei! Durch entsprechenden Frischwassertank hat man auch immer eine “Hand breit Wasser unter’m Kiel”. Das macht das Nächtigen in der Peripherie einfacher. Wie einfach, wird das nächste Jahr zeigen. Was die Fahrzeugtechnik anbelangt, so wird an der ein oder anderen Stelle nachzubessern und zu prüfen sein. Aber was muss, das muss!

 

Grundreinigung

Wie das nun mal so ist: egal wie alt der “Neuerwerb” auch ist. Man nimmt ihm sich fast väterlich an, hegt und pflegt ihn wo es nur geht. Am Anfang also stand eine Grundreinigung. Diese macht nicht nur deshalb Sinn, weil das Mobil vorher womöglich von Gott und der Welt genutzt und belebt wurde. Nein, ein Fahrzeug dieses Alters braucht auch so regelmäßig etwas Pflege und Wartung. Und so habe ich Eimer für Eimer heißes Wasser, Dose um Dose Trockenschaum, Textilpflege, Tiefenpfleger, Gummipflege und was weiß ich sonst für Mittelchen genutzt. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Schon schnell wirkte er von innen frisch und munter.

Nachdem die Grundreinigung im Innenbereich abgeschlossen war, folgte der (viel schlimmere!) Außenbereich. Fahrzeug waschen, Aufstelldach (Gelcoat oder so ähnlich) waschen und reinigen. Danach wurde das Dach von jahrelang gewachsenem Moos, die Scheiben von Staub und Dreck befreit. Dann der Lack. Ohje! Der Zustand war beim Kauf schon klar. In der Praxis zeigte sich dann bereits schnell, wie schlimm es wirklich um ihn bestellt ist. Eine Verbesserung konnte mit Lackreiniger, Politur und Wachs erreicht werden. In stundenlanger Kleinarbeit. Ganz schön anstrengend!

Nachdem auch solche Stellen am Bus wieder glänzten, von denen man dachte, sie würden nie wieder glänzen und Stellen nanogleich versiegelt waren, die vorher Berg und Tal waren, ging es den Scheiben so richtig an den Hals. Beim Umbau vom Trapo zum Camper hatte sich jemand wirklich (sehr gute!) Gedanken gemacht! Mit einer Sache hat er es jedoch nicht so gut gemeint, oder aber die Technik war einfach noch nicht so weit: die Tönungsfolien der Fenster. Furchtbar! Die UV-Strahlung und der Zahn der Zeit haben schwer an ihnen genagt. Was vermutlich in grauer Vorzeit einmal schwarz war, war mittlerweile lila-violett. Und noch dazu sehr durchsichtig. Sinn und Zweck der Folien wurde schon lange nicht mehr erreicht. Noch dazu sahen sie hässlich aus. Jeder Blick in den Rückspiegel schmerzte in den Augen. Das musste ein Ende haben. Also dann, ran an die Waffen und raus damit. Nach einigen Fehlversuchen war die Wunderwaffe gefunden: ein Ceranfeldschaber aus dem Küchenzubehör. Weltklasse! So dauerte die ätzende Arbeit nur noch 25 Tage und 4 Stunden – oder so ähnlich. Gefühlt zumindest. Was war ich glücklich wie die lästigen Folien rausgeschabt und -gepickelt waren! Dann geschwind die neuen Folien verklebt. Gleich viel besser! Auf das Verkleben von Folien und das Rauspulen alter Folien werde ich noch mal gesondert eingehen! Ich denke da kann man einiges falsch machen und genauso einige Zeit sparen – wenn man weiß wie!

Mittlerweile steht mein neuer Weggefährte in seinem wohlverdienten Winterquartier. Aber in einem annehmbaren Zustand wie ich meine. Jetzt freue ich mich auf die kommende Saison, wenn ich ihn endlich um lange Ausfahrten bitten kann! Er wird mir das Campen und Reisen sicherlich erleichtern und versüßen. Spontanere Wochenendausflüge ermöglich als bisher. Und so den nötigen Ausgleich zum Alltag bieten. Den ersten Trip haben wir natürlich auch vor dem Winter noch starten müssen: auf den Campingplatz Landal Warsberg in Saarburg.

Hast auch Du einen Campingbus oder ein Wohnmobil? Mich würde interessieren, wie lange du es schon fährst und wie du zu ihm kamst. Nutzt du es hauptsächlich für Langstrecken und lange, ausgedehnte Urlaube oder auch mal für die kurze Flucht von Freitag bis Sonntag? Ich freue mich, wenn Du einfach unten in die Kommentare schreibst!

Dein Mario

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten ‘9 to 5 job’. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

24 Gedanken zu „Darf ich vorstellen – Mein Camper!

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