Wandertipp: der Lotharpfad im Schwarzwald

Schier rasend vor Wut fegte er über sie hinweg, peitschte auf sie ein. Völlig resigniert und wehrlos mussten sie feststellen, dass sie ohne Chance waren. So ergaben sie sich völlig wehrlos in ihr Schicksal. An diesem Tag sollten sie alle Opfer eines schaurigen Gewaltverbrechens.

So oder ganz ähnlich muss es gewesen sein. Damals, am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999. Als die Gäule mit ihm durchgingen, er mit einer Urgewalt und blind vor Zorn über sie hinwegzog. Und sie dabei regelrecht enthauptete.

 

Sturmtief Lothar

Was klingt wie ein düsterer Krimi, war tatsächlich Realität. Die martialische Beschreibung mag dem Leser zunächst fremd, vielleicht unpassend, vorkommen. Doch wer selbst einmal auf dem Lotharpfad gewandert ist, weiß wovon ich rede. Dem Sturmtief Lothar! Als Protagonist und Namensgeber des Wanderwegs.

Immer wieder spricht man von Naturgewalten. Und genau eine solche war nun auch dieser Lothar. Am 26. Dezember 1999 zog er von der französischen Atlantikküste her kommend über Mitteleuropa hinweg. Er erreichte Windgeschwindigkeiten von weit über 200 km/h. Kein Wunder also, dass er Natur und Mensch nur wenig Chancen bot!

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Krawumm! Schier unvorstellbar mit welchem Getöse dieser und andere Bäume umgeknickt sein müssen!

 

Gesunde Bäume brachen entzwei wie brüchige Streichhölzer. Reihenweise wurden dabei gleich ganze Waldstücke vernichtet. So geschehen auch im nördlichen Schwarzwald beim Schliffkopf, zwischen Freudenstadt und Baden-Baden.

 

Der Lotharpfad – ein Erlebnispfad

Mit dem Zweck, das regelrechte Massaker an der Natur begreif- und erlebbar zu machen, wurde 2003 der Sturmwurferlebnispfad Lotharpfad entlang der Schwarzwaldhochstraße eröffnet. Der Pfad führt den Besucher über eine Länge von etwa 1 km quer durch das betroffene Waldstück.

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Der Eingang zum Lotharpfad. Schon das Schild wirkt wie ein Mahnmal.

 

Über Stege, Treppen und Leitern geht es inmitten durch die Sturmfläche. Erlebbar wird dabei nicht nur die unfassbare Urgewalt des Sturms, der Bäume samt Wurzelwerk umdrückte. Nein, eben auch die Renaturierung. Also wie die Natur sich dieses Stück Wald in den letzten Jahren immer mehr zurück geholt hat.

Geht man diesen Wanderweg merkt man sehr schnell, dass hier Wald und Natur nach dem Sturm unverändert belassen wurden. Und gerade das ist das spannende. Man kann die Sturmschäden noch erkennen. Andererseits sieht man an allen Ecken die wilde Natur. Wie sich totes Holz in die lebendige Umwelt einfügt.

 

Der nahegelegene Panoramarundweg

Wer den Lotharpfad gegangen ist, kann außerdem auch noch den Panoramarundweg wandern. Dieser führt eben auch entlang dieser Waldfläche. Wie bereits der Name suggeriert, bietet er ein unvergleichliches Panorama. Und an guten Tagen einen Fernblick bis nach Straßburg oder ins Rheintal.

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Der Wandersmann kann hier selbst entscheiden: Lotharpfad oder Panoramarundweg.

 

Vergangenes Wochenende waren wir zu Gast im Schwarzwald. Und sind kurzerhand den etwa 4 km langen Panorama Wanderweg gelaufen. Zwar war die Sicht nicht so klar, wie sie hätte sein können. Der Ausblick war aber trotzdem atemberaubend. Das trifft im Übrigen auch auf die sichtbaren Sturmschäden zu. Die wie mahnende Naturdenkmäler in der Landschaft liegen.

 

Lage & Zustand

Der Lotharpfad ist direkt an der B500 (Schwarzwald Hochstraße) gelegen. Dort gibt es einen schönen, großen Wanderparkplatz, der zugleich den Einstieg in den Pfad markiert. Der Wanderer kann dann direkt selbst entscheiden, ob er den Lotharpfad oder den Panoramarundweg wählt.

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Aussichtsplattform am Lotharpfad. Baumwipfel und Gebirge.

 

Der Panoramarundweg führt auch immer wieder über unbefestigte Wege. Gerade auch die gewünschte Aussicht kann nur an guten Tagen geboten werden. Sodass man diesen Wanderweg wohl am ehesten bei schönem Wetter wählen sollte. Hingegen der Lotharpfad scheint größtenteils mit Stegen angelegt. Sodass man hier eher keine schmutzigen Füße bekommt.

 

Fazit – beeindruckendes Naturspektakel

Als wir vergangene Woche im Schwarzwald waren hatten wir leider nicht so viel Glück mit dem Wetter. Zwar war es anfangs trocken und bewölkt, doch fing es gegen Ende hin stark zu regnen an. Dabei fiel uns auf, dass der Panoramarundweg keinerlei Möglichkeit eines vorzeitigen Abbruchs bietet. Wer also auf halber Strecke vom Wetter überrascht wird, muss entweder die gelaufene Strecke zurück oder die Runde zu Ende laufen.

Es empfiehlt sich daher das Wetter vor Beginn der Etappe kurz einzuschätzen. Zumal mir der Wanderweg durchaus länger vorkam als die ausgeschilderten 4 km. Das subjektive Empfinden suggerierte mir an der Stelle eher eine Länge von 6 km. In der Annahme bereits etwa 3 km gelaufen zu sein, traf ich folglich wohl eher die falsche Entscheidung: Wir setzten den Rundweg fort. Doch statt zügig das Ende zu erreichen, wurde der Weg länger und länger.

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Bei unserer Rast wussten wir noch nicht, dass uns sogleich das Wetter überraschen würde.

 

Der Lotharpfad hingegen scheint mir auch bei durchwachsenem Wetter gut zu wandern zu sein. Nicht nur, dass er deutlich kürzer ist. Auch scheint es hier deutlich häufiger über Bohlen und Stege zu gehen. Sodass man nicht allzu sehr auf die Beschaffenheit des Untergrundes achten muss.

So oder so war es mehr als imposant einmal die Schäden, die Orkan Lothar 1999 anrichtete, mit eigenem Auge begutachten zu können. Man will sich gar nicht vorstellen, wie hier der Wind geblasen haben muss. Wie Bäume brachen und der Sturm pfiff. Eine schier unglaubliche Naturgewalt.

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

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