Das Leben im Wohnmobil – eine Gebrauchsanleitung

Es klingt obszön: jeden Morgen in einem anderen Schlafzimmer aufzuwachen. Gedanken an sprunghafte Beziehungen oder Milieus unweit der Bahnhofsviertel werden wach. Und doch ist es der Traum, den einige leben. Und noch viele mehr träumen.

Naja, eigentlich ist es ein Traum, bei dem man streng genommen sogar jeden Morgen im gleichen Bett aufwacht. Völlig überraschend und etwas langweilig zugleich, ist es sogar das eigene Bett. Doch was sich immer wieder ändert: der Ort, an dem das Bett steht.

 

Der Traum vom Leben im Wohnmobil

…er kann so schön und verlockend sein…

Was anmutet wie ein Rätsel, ist in Wahrheit jedoch nur die Beschreibung eines Lebens auf vier Rädern. Einem Leben, in dem man sich auf den fahrbaren Untersatz und meist nicht mehr als etwa 10 Quadratmeter beschränkt. Die Gründe dafür, wieso manch einer so leben möchte sind ganz vielschichtig. Würde auch viel zu lange dauern, sie alle vorzustellen und bis ins letzte Detail zu klären.

Und doch: der ein oder andere träumt eben genau von diesem Leben. Morgens schon aufzustehen und mit dem ersten Fuß vor’s Bett inmitten der unberührten Mutter Natur zu stehen. Die erste heiße Tasse Kaffee, schwarz und unbefleckt, zu dem Duft von blühenden Tulpen und dem Geräusch zwitschernder Meisen zu schlürfen. Den Tag über ein festes Dach haben zu können falls es regnet oder eben das gute Wetter zum Baden in der See zu nützen. Und am Abend zufrieden und erschöpft mit dem Eindruck der untergehenden Sonne an der Kante zur Küste in süße Träume zu entschwinden.

…Freunde und Bekannte erkennen in ihm häufig die Träumerei…

Wer davon träumt wird vielleicht öfter mal mit einem nicht ernst gemeinten Augenzwinkern bedacht. Vielleicht mögen demjenigen die guten Freunde auch den Rat mit auf den Weg geben von diesem Traum aufzuwachen. Und Abstand zu nehmen. Doch es sind nicht nur derer, die kurz vor der Pensionierung stehen, die so denken würden. Es gibt nur allzuviele noch jüngere Menschen, die eben genau in solch einem Tagesablauf eine echte Alternative zum Herkömmlichen sehen.

Für viele ist nun mal der Duft nach Freiheit, der ihnen in die Nase steigt, wenn sie an ein Leben im Wohnmobil denken. Man ist jederzeit mobil und ortsveränderlich. Kann auf Land, Leute und Wetter reagieren. Am besten auch agieren, indem man gezielt dort hin fährt, wo man schon immer mal sein wollte. Oder sich vielleicht auch nur mal für ein paar Tage treiben lässt. Völlig ohne Plan und ohne Ziel. Absoluter Müßiggang.

…heute ist er vielleicht realistischer als je zuvor…

Dieser Traum vom mobilen Leben – ob auf Zeit oder sogar dauerhaft – ist heute sicherlich ein ganzes Stück realistischer als jemals zuvor. Gründe dafür sind nicht nur die friedvolleren Zeiten, sondern eben gerade auch Fortschritt und Technik. Die Autos werden langlebiger, wenn auch nicht unbedingt immer rostbeständiger. Und die technischen Ausstattungsvarianten all der Reisemobilheime – sie werden immer raffinierter. Längst ist der Ladezustand der Batterie per App kontrollierbar oder schon so mancher kocht seinen Kaffee per Knopfdruck auf dem Smartphone.

 

Wie man den Traum wahr werden lässt

Gleichwohl, wenn man all das weiß, weiß man zu Beginn dieses Traumes nur eines nicht. Und das haben nun mal alle Träume gemein. Man weiß nicht, wie man diesen Traum in Realität erwachsen lässt. Gut nur, dass sich Reto und Sabine dieser Sache angenommen haben!

Ich habe schon so manche dieser ‚Träumer‘ digital begleitet. So manche Stunde vor Youtube zugebracht, in der ich gespannt Videos der vielen mobil Lebenden geschaut habe. Wer so lebt und gleichzeitig sein Geld gekonnt via Internet verdient, nennt sich zudem so schön klingend Digitaler Nomade. Und im Grunde beschreibt keine zweite Formulierung diesen Lebensstil besser und zutreffender.

Tatsächlich verdienen die meisten ihr Geld ‚digital‘, also online. Am besten wohl als Freelancer, einige wenige auch sogar über eine Art ‚Home-Office-Lösung‘. Dabei können sie aber auf jeden Tag auf’s Neue bestimmen, wo sie gerade stehen, leben und arbeiten wollen. Ganz der ‚Nomade‘ eben. Wenn’s mal irgendwo nicht gefällt, wird eben schnell zusammen gepackt, die Zelte abgebrochen und die Reise geht weiter. Oder man bleibt eben etwas länger, wenn Internetverbindung und Temperaturen gerade angenehm scheinen.

Mehr als 1 Jahr leben Reto und Sabine im Kastenwagen

Ganz ähnlich leben nun auch Reto und Sabine. Bereits seit über einem Jahr. Erfolgreich, sollte man dazu sagen! Auf ihrem Blog living-in-a-box kann man ihren Reisen folgen. Oder sollte ich besser sagen ‚ihrem Leben‘? Denn eines ist gewiss: so schön das alles klingen und so tolle Bilder, wie uns der ‚Digitale Nomade‘ ins Hirn brennen mag, mindestens genauso schmal ist dabei der Grat zwischen Reisen und Leben.

 

Ein weiterer Faktor ist es, der diesen Lebensstil prägt. Nämlich das Reisemobil. Es spendet die vollkommene Freiheit. Einerseits. Und doch bildet es zugleich den limitierenden Faktor dieser Lebensform. Überall dort, wo du dein Mobil hinbewegen kannst, kannst du plötzlich leben. Doch immer dann, wenn Strom, Wasser, Platz oder Diesel ausgehen, werden deiner gewonnenen Freiheit Grenzen gesetzt.

In diesem Jahr hat sich das Leben vollständig gewandelt

Und glaube ja nicht, dass du dein altes Leben einfach so fortführen könntest! Denn alles wird sich ändern, wenn du beginnst diesen Traum zu leben. Der Weg zur Arbeit? Haha! Der erste Kaffee am Morgen? Du erinnerst dich: geil, bei’m Duft von blühenden Krokusse und dem Gezwitscher von Maisen. Echt mega! Doch was dir keiner sagt: der Kaffeevollautomat musste zu Hause bleiben. Kein Platz – und nicht ausreichend Strom. Oder zum Beispiel die Morgentoilette. Dumm nur, dass dir nach dem zweiten Vollbad das Wasser ausgeht. Und die Toilettenkassette ist jetzt schon voll, wie sonst nur der Gefrierschrank: Oberkante-Unterlippe!

Grenzen wollen erkannt und verschoben werden

Oh ja. Es warten so einige Probleme auf all jene Träumer, die wirklich glauben man könne in einem Wohnmobil leben. Vielleicht kann man das ja doch gar nicht?! Oder kann man? Kann man! Wie erwähnt, Reto und Sabine machen’s vor! Über ein Jahr lang haben sie genau dieses Leben nun gelebt. Diesen Traum Wirklichkeit werden lassen. Und genau wie beschrieben, sind sie an die eine oder andere Grenze gestoßen.

Dabei ist es aber immer nur der erste, meist der einfachste Schritt, Grenzen als solche zu erkennen. Der zweite, viel wichtigere und meist ungleich schwierigere Schritt aber ist es, die erkannten Grenzen zu verschieben. Also zu lernen mit diesen umzugehen. Und auch genau das haben die beiden Schweizer ganz gekonnt gemeistert.

Die Grenzen des mobilen Lebens haben schon viele vor ihnen erkannt…

Sie haben in ihrem mobilen Leben im Kastenwagen schon früh erste Grenzen erkannt. Vieles drehte sich dabei um die spezifischen Eigenschaften der Fahrzeuge und der Reisemobiltechnik. Häufig geht es aber auch darum, sein erlerntes und schon immer praktiziertes (Zusammen-)Leben plötzlich völlig neuen Bedingungen anzupassen.

Natürlich ist man viel freier! Doch, hast du schon mal darüber nachgedacht, was es bedeuten würde, zu zweit auf engstem Raum zusammen zu leben? Wie du dich würdest organisieren müssen, wenn dein Partner gerade am Herd steht, den einzigen Weg zwischen Bett, Bad, Küche und Wohnzimmer blockiert? Oder wie es wohl wäre keinen Briefkasten mehr vor der Haustüre zu haben? Wer dann die Post für dich sortieren würde?

…doch sie haben ihre Erfahrungen und Tipps an einem Ort zusammen geführt

Genau diesen Herausforderungen sah sich das Pärchen vor ihrem neuen Lebensstil auch ausgesetzt. Und, wenn du bereits diesen Traum träumst und dich vielleicht schon ein wenig informiert hast, wirst auch du festgestellt haben: die allermeisten der notwendigen Informationen findet man! Soweit die gute Nachricht. Viele davon sind sogar mehr oder weniger frei zugänglich. Im Internet.

Doch das Problem: sie sind alle an unterschiedlichen Stellen abgelegt. Schon gar nicht sind sie in eine logische Reihenfolge gebracht. Vieles findet man nicht, wenn man gezielt danach sucht. Sondern stößt eher zufällig bei stundenlanger Recherche in Foren und Blogs darauf.

Dies war Grund und Anlass für die Mission ‚Living in a box‘. Dem kompakten Guide für Leben und Reisen im Van, Kastenwagen oder Wohnmobil. Beide wollten sie all ihre Erfahrungen, die sie während ihres mobilen Lebens sammeln würden, weitergeben. Die größten Fallen und die engsten Grenzen ihres Daseins auf vier Rädern haben die beiden nun zu Papier gebracht. Oder besser digitalisiert. Als eBook. Eben ganz stilsicher, die beiden Digitalen Nomaden!

Ich hatte die große Ehre, schon mal im Vorfeld einen Blick hinein werfen zu dürfen. Und kann nur festhalten, dass ich Inhalt wie auch optische Aufbereitung und Gliederung wirklich gelungen finde! Es ist doch so einiges darin, was sicherlich jedem dienen wird, der sich mit dem Gedanken trägt ein Leben im Wohnmobil zu führen. Und lass dir eines gesagt sein: ganz egal, wie lange diese mobile Leben ausgelegt sein soll. Auch ich konnte für mich, als hoffentlich bald (wieder) Wochenend-Mobilist, noch so einige Tipps aufstöbern!

Denn der große Vorteil des Guides liegt darin, dass er eben nicht nur die Grenzen des mobilen Lebens benennt. Nein, Reto und Sabine zeigen eben auch auf, wie sie jeweils reagiert haben und sich an die neue Situation angepasst haben. Diese ganz persönlichen Tipps runden das jeweilige Kapitel, optisch wie inhaltlich, immer sehr gut ab. Weiterführende Informationen findest du auf living-in-a-box.ch.

 

Der Guide ist bestens geeignet für eine erste, gute Übersicht all der Herausforderungen des mobilen Lebens…

Vielleicht nur so viel noch von mir: ich wollte anfangs nur einen schnellen Blick ins Buch werfen. Kurz die Inhalte überfliegen. Weil die Gestaltung aber so ansprechend, die Schreibe wirklich gut und einfach zu lesen ist, legte ich das Buch erst gar nicht aus der Hand. Die 160 Seiten habe ich in einem Rutsch gelesen. Sie boten sowohl gute Unterhaltung, als auch viele Informationen. Und ich kann bestätigen, dass der Guide die beabsichtigte Bündelungsfunktion hat.

 

…und er zeigt, dass ein Leben im Wohnmobil eben doch möglich ist!

Viele Reisemobil-Technologien werden beschrieben, Vor- und Nachteile erklärt und dann in einem persönlichen Tipp ein Rat ausgesprochen, welche Lösung möglicherweise für das dauerhafte, mobile Leben im Van nützlich wäre. Wer diesen Guide ließt hat, so meine ich, danach eine ziemlich genaue Vorstellung davon, auf welches Abenteuer er sich einlässt. Aber auch, dass es durchaus möglich ist, im Wohnmobil zu leben. Egal, ob auf Zeit, an Wochenenden oder eben dauerhaft.

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

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