Der erste Trip im Kastenwagen – nach Südengland

Diesen Teil der Welt in dieser heutigen Zeit zu erleben, lässt uns häufig glauben, dass man immer alles und sofort haben kann, haben können muss. Es sind die Erwartungen, die man im Beruf, Hobby und Alltag an uns stellt, die wir nur allzu gern gleichermaßen wieder an andere weiter zu geben versuchen. Weil der Chef einen glauben lassen will, dass es das Normalste wäre das ach-so wichtige Projekt besser heute als morgen abzuschließen, versuchen wir diese Erwartungshaltung auf unser Umfeld zu projizieren. Situationen, wie man sie sich gerne aus DDR-Zeiten erzählt, dass man mehrere Jahre auf ein Fahrzeug wartet, scheinen unvorstellbar. Dass dem nicht so ist, muss ich derzeit am eigenen Leib erfahren. Wenn auch in zeitlich nicht ganz so gravierenden Dimensionen. Und doch: jetzt und sofort ist der gewünschte Kastenwagen nicht zu haben.

Es sind Situationen wie diese, die dann nach einem Plan B schreien. Am liebsten würde man jetzt, genau wie auf der Arbeit, diesen ausführfertig aus der Schublade ziehen. Und in der Hinterhand noch einen Plan C, D und XYZ wissen. Ganz so, wie es der Chef gern verlangt. Doch all das hatten wir lange Zeit eben nicht. Wir hatten nicht erwartet, einen ernsthaften Alternativplan zum eigenen Kastenwagen in der Hand halten zu müssen. Gut nur, dass unser Händler im Hintergrund genau das vorbereitet hatte.

Und so kommt es nun, dass wir unseren ersten Urlaub im großen Kastenwagen planen dürfen. Auch wenn wir noch nicht wissen, wann unser Gefährt denn endlich kommen wird. Einen ersten Test können wir mit einem Leihfahrzeug machen. Dass wir auf diesen Kniff lieber verzichtet hätten – es steht außer Frage! Doch müssen wir uns wohl immer mal wieder selbst an die Nase fassen: manchmal kann man sich noch so sehr verbiegen oder gar auf den Kopf stellen und doch bringt es nichts! Also nehmen wir die Situation an und stellen uns dieser, so verfahren sie auch gerade sein mag.

 

Wir planen den ersten Urlaub im Kastenwagen

Noch nie im Kasten geurlaubt

Im letzten Sommer waren wir ja noch samt Bulli unterwegs. Die Halbinsel Zingst an der Ostsee, das Holstentor in der tollen Hanstestadt Lübeck und das Wildpark Camping Harburg – um nur einige unserer Highlights im Reisesommer 2016 zu nennen. Die spontane Art des Reisens, die Freiheit jeden Tag eine neue Richtung einschlagen zu können, aber auch die Nähe zur Natur haben uns nachhaltig überzeugt, dass das Reisen im Campingvan unser Ding ist. Was nicht unser Ding war: ständiges Umherräumen der Dinge im Bus, Hin- und Herklappen der Couch zum Bett und die sehr eingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Schnell war klar, dass was anderes her sollte. Größer als ein VW Bus, aber bitte kein Dickschiff. Wie längst bekannt endete die Suche bei dem Kastenwagen. Doch darin vereist sind wir tatsächlich noch nie. Klingt verrückt, ist es vielleicht auch. Gedacht war die erste Nacht im Kastenwagen im eigenen zu verbringen. Nun wird es also ein Leihwagen sein. Ganz schön spannend!

Ein Kastenwagen muss her

Noch weiß ich gar nicht allzu viel über das Leihfahrzeug. Nur, dass es ebenfalls 6 Meter lang sein wird. Genau wie unser gutes Stück, so es denn irgendwann kommen mag. Gut möglich, dass viele der Spezifikationen nicht dem entsprechen werden, wie wir es uns vorstellen. Festbad? Dieselheizung? Euro6 Motor? Alles Dinge, bei denen wir für nur einen Urlaubs gerne auch zu Kompromissen bereit sind. Dass wir von diesem Urlaub vielleicht nicht allzu viele Rückschlüsse auf unser Fahrzeug werden ziehen können, ist aber auch klar! Machen wir also einfach das Beste draus! Die Reise lassen wir uns dadurch nicht vermiesen.

Was jetzt noch fehlt: ein Reiseziel

Schon alleine dem Klima wegen gefallen uns die nördlicheren Regionen in Meernähe sehr gut. Schweden, Norwegen, Dänemark, aber auch die deutsche Seeküste können wir uns sehr gut vorstellen! Hier werden wir uns sicher auch in Zukunft noch häufiger aufhalten. Bestimmt wird’s uns auch weiterhin immer mal wieder in den Süden ziehen. Zu sehr sind wir vom Gardasee, aber auch dem Alpen(vor)land, begeistert. Südfrankreich und Spanien wollen wir auch nicht ganz ausschließen.

Für den Sommer 2017, den ersten Reisesommer im eigenen Van, hatten wir eigentlich Südnorwegen ins Auge gefasst. Nun hat sich zwischenzeitlich so einiges anders entwickelt: kein eigenes Auto, auch die Urlaubsplanung ist eingeschränkt. So bleiben uns nur 11 Reisetage in einem eng umrissenen Reisezeitraum.

Südnorwegen – das war das Ziel, könnte man in 11 Tagen auch machen. Doch wozu? Die Hinfahrt würde uns einmal quer durch Deutschland jagen. Die Rückfahrt sehe nicht besser aus. Blieben noch 9 Tage übrig. Davon gingen Fährzeiten und anderes ab. Sodass wohl eher nur eine Woche in Norwegen bliebe. Zu wenig Zeit, zu viel Stress. Nicht mit uns!

Wie kann eine Alternative zu Norwegen aussehen?

Wieder also brauchen wir eine Alternative. Wieder müssen wir umdenken. Doch: das ist alles andere als tragisch. Wir sind ja jung, uns läuft nichts davon. Und diese Reiseform mit dem Wohnmobil bietet uns nun eben genau diesen Freiraum! Also planen wir um. Gerne ähnliches Klima, viel und nahe an der Natur soll es sein. Auch sprachlich wollen wir mal wieder die Komfortzone verlassen. Deutschland scheidet also ebenso aus. Dänemark vielleicht? Wir überlegen kurz und entscheiden uns beide für: nein!

Irland. Meine Freundin wirft Irland in den Ring. Das klingt gut! In der Heimat der Kobolde waren wir beide noch nicht. Doch wie kommt man da hin? Hmm, es gäbe passende Fährverbindungen. Huch, ganz schön teuer. Wenn man spät und fast spontan bucht. Noch dazu ist man hier auch ganz schön lange auf hoher See unterwegs. Auch hier würden wir also die effektive Reisezeit im Land stark reduzieren und einschränken. Lassen wir das also. Aber: Irland bleibt im Hinterkopf für einen späteren Zeitpunkt!

Ein anderes britisches Land kommt uns in den Sinn: Tag für Tag begegnet uns in der Küche auf dem Jahreskalender von Frohmi (stranddeko.de) Schottland (Danke nochmals & Grüße an dieser Stelle an Frohmi und Bo!). Grüne Weiden und große Weiten, süße Schaafe und bunte Blumen, verlassene Häuser und einsame Brücken – so zeigt sich uns das Land im hohen Norden der Insel. Doch: genau das ist im Grunde das ‚Problem‘! Wir müssten durch ganz England fahren. Oder wieder eine (teure und lange) Fährüberfahrt direkt nach Schottland in Kauf nehmen. Also scheidet auch Schottland aus.

Nach Südengland wollen wir reisen!

Bliebe noch England selbst. England?! Das Land, das seinem Namen alle Ehre erweist? Eng-Land? Was gäbe es da zu sehen? Und wohin sollte man fahren? London? Nein, das machen wir lieber mal wann anders. Am Besten auch ohne Wohnmobil, lieber klassisch mit Flug und Bed & Breakfast. An London vorbei in nördlicher Richtung? Uff. London und Umgebung soll verkehrstechnisch ja ein Spektakel sein. Also nein, London ist raus. Was, wenn wir südlicher blieben? Südengland?

Südengland! Devon und Cornwall. Die Drehorte von den so herzzerreisenden Rentnerstreifen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen im sonntäglichen Vorabendprogramm. Das ist das Erste, was mir bei Cornwall durch den Kopf schießt. Das Zweite, was sich mir ins Gedächtnis ruft: enge Straßen, Linksverkehr, saftiges Grün, der Britische Pfund.

 

Wie kommt man nun nach Südengland, was muss man wissen?

Bei unserer weiteren Recherche erarbeiten wir uns die Anfahrt: Fährüberfahrt von Dünkirchen (Frankreich) nach Dover (England). Ab der englischen Hafenstadt geht es dann immer westwärts. Dem Land’s End entgegen. Umso weiter westwärts wir kommen werden, umso enger sollen wohl die Straßen werden. Wir sind gespannt!

Zu England sollte man wissen, dass es dort nicht eine vergleichbare Wohnmobil-Infrastruktur gibt, wie das bei uns vielleicht der Fall ist. Will heißen, man steht dort häufig auf offiziellen Campingplätzen. Aber auch das Nächtigen auf speziell ausgewiesenen Weideflächen von Bauern, sog. Farmcamp, ist populär und gerade in Südengland weiter verbreitet. Das ist die Form, die wir uns besonders gut vorstellen können. Zumal sich hier oft ein unverbauter Blick hinaus auf’s Meer oder ins Landesinnere bietet.

 

Fazit – der erste Trip im Kastenwagen führt nach Südengland

Wir sind schon gespannt wie Bolle! Mit dem Leihcamper werden wir also nach Südengland reisen. Cornwall und Devon, die Kreidefelsen rund um die Küste Dovers, auch der Nationalpark Dartmoor sowie das berühmte Stonehenge stehen auf unserer To-Do-Liste. Gleiche ist aber – für unsere Verhältnisse – ungewöhnlich leer. In den nächsten Tagen werde ich noch ein paar tolle Farmcampings recherchieren, mir so schon mal ein wenig Informationen sammeln. Aber nur für einen ersten Überblick.

Gebucht oder reserviert haben wir noch nichts. Werden wir auch nicht machen. Lieber möchten wir spontan und flexibel bleiben. Wir wollen uns treiben lassen, sehen wo wir landen. Gerne wollen wir’s bis St. Ives schaffen, vielleicht die Region um Tintagel – dem Schauplatz der Sagen um König Arthur – mitnehmen. Aber bitte kein Stress und nichts über’s Knie brechen.

Was wir aber natürlich schon längst gebucht haben: das Ticket für die Fähre von Dünkirchen nach Dover. Um auch hier flexibel zu bleiben, und sich vielleicht bei einem anbahnenden Stau auf dem Hinweg zur Fähre nicht die Nerven zu verlieren, haben wir den etwas teureren Flexi-Tarif gewählt. So können wir sogar jeweils 72 Stunden vor und nach dem offiziellen Termin eine Fähre schnappen. So denn Plätze frei wären. Das war uns der Mehrpreis auf jeden Fall wert!

So, mehr steht noch nicht. Nach und nach suche ich mir ein paar Infos zusammen. Und wecke so das Fernweh in mir. 😉 Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich los geht. Noch ein wenig aber muss ich mich gedulden. Bis dahin werde ich dich hier auf dem Laufenden halten und noch ein paar Dinge zu England berichten. Also, bleib dran! Folge #VANweh auf feedly oder BLOGLOVIN‘.

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

5 Gedanken zu „Der erste Trip im Kastenwagen – nach Südengland

  • 28. August 2017 um 23:33
    Permalink

    Hei Mario
    Das hört sich doch super an. Wir freuen uns schon auf einen Reisebericht. Wann fahrt ihr los?

    Liebe Grüsse /Reto und Sabine
    Living in a Box

    Antwort
  • 2. September 2017 um 2:40
    Permalink

    Hej Mario,

    Das klingt doch gut. Schöne Gegend mit interessanten Geschichten.
    Ich hab ja großen Respekt vor dem Linksverkehr… 😉

    Ich wünsche eine gute Reise!
    LG
    Kaddy

    Antwort
    • 5. September 2017 um 10:46
      Permalink

      Hi Kaddy, danke dir! Linksverkehr – ja, davor hatte ich auch Respekt. Aber keine Angst. Das Schwierigste daran sind wohl die Kreisel: nicht nur, dass man „falsch“ herum durchfährt. Die Engländer treten auf’s Gas wenn sie einen Kreisel sehen. Und du musst vor dem Einfahren nach rechts schauen, ob die Einfahrt frei ist. Als Linkslenker kannst du das aber kaum sehen. Da hat’s uns beinah mal erwischt! Aber ansonsten ist Linksverkehr echt easy. Man gewöhnt sich super schnell daran.
      Beste Grüße!
      Mario

      Antwort
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