England mit dem Kastenwagen Tag 5 und 6 – Cornwall

Vergangenen Freitag habe ich dir vom Dartmoor Nationalpark erzählt. Wie ich durchfuhr, obwohl ich eigentlich dort hatte übernachten wollen, in Princetown. Schließlich verbrachte ich dann zwei tolle Nächte und entspannte Tage auf dem Langstone Manor Holiday Park in Moortown, unmittelbar vor dem Ende des Dartmoors. Das very british weather konnte ich schließlich zum Ausspannen und Lesen nutzen. So füllte ich meine Akkus nach den lange Reisetagen zuvor wieder auf. Erholt und voller Tatendrang soll es heute also weiter gehen. Weiter auf dem Weg nach Cornwall. Denn diese Grafschaft sollte das westlichste Ziel meiner Reise sein. Und zugleich das heutige Etappenziel. Also los!

 

Ein Roadtrip lebt von Zwischenzielen

Der Plan für die nächsten zwei Tage sieht vor das Städtchen Marazion an der Südküste und Saint Ives an der Nordküste Cornwalls zu besuchen. Ursprünglich war die Idee beide Nächte je an anderer Stelle zu campieren. Zwischen Marazion und Saint Ives ist es jedoch nicht weit zu fahren. Etwa 10 Meilen und 20 Minuten wären das. So kurz, dass ich mir kurzerhand überlege möglicherweise beide Nächte auf ein und demselben Platz zu verbringen. Mal schauen.

Das würde ich vor allem aber auch davon abhängig machen, was es in Marazion alles zu sehen geben würde. Achja, wer die Route aufmerksam verfolgt stellt fest: die Touri-Hotspots Land’s End und Co sind gar nicht erwähnt. Richtig. Das basiert auf einigen Tipps die ich im Vorfeld meiner Reise gesammelt und erhalten habe. So sagten mir viele, dass Land’s End eher ein Nap wäre. Also eher teuer. Und zu sehen gäbe es eigentlich nichts. Außer eben, dass es der westlichste Punkt der Insel sei. Ich entschließe mich daher, mir die schmalen Wege zu ersparen. Schließlich ist der Camper ja auch nur gemietet, da braucht’s so keinen Ärger.

Navis haben einfach den Hang dazu ihre eigenen Vorstellungen einer Reise zu verwirklichen

Ich gebe also mein neues Etappenziel in das Navi ein. Marazion. Dort möchte ich den St. Michael’s Mount besuchen. Sozusagen das Gegenstück zum, und bitte nicht verwechseln mit, Mount St. Michael an der französischen Küste. Eine alte Abtei auf einer doch recht kleinen Insel. Möglicherweise ein schönes Fotomotiv. Aber auch der Ort selbst soll recht schön sein. Also los.

Das Ziel ist eingegeben, treffsicher werde ich vom Langstone Manor aus zurück auf die Landstraße navigiert. Von dort geht es nun auf zu neuen Ufern. Die Landstraße, die ich bereits auf dem Hinweg aus Princetown kommend gefahren bin, befahre ich nun in Richtung Tavistock. Von dort aus will ich dann die A386 in südlicher Richtung, nach Plymouth, nehmen. Um so die eher küstennahen Straßen weiter fahren zu können. Naja, was ich will und was das Navi will – das ist nicht immer deckungsgleich!

Nu denn, fahre ich eben die A30 mitten durch’s Land. Bei nächster Gelegenheit kehre ich dann über St. Austell auf meine eigentliche Route zurück. Ich folge durch Truro hindurch, bis ich Helston erreiche und dort in nord-westlicher Richtung weiter fahre. Immer mit dem Ziel Marazion vor Augen.

Marazion – eher ein Dorf an der Südküste von Cornwall

Schon auf den letzten Metern überrascht mich dann doch tatsächlich die Vegetation! Hatte ich vorher schon einiges darüber gelesen, dass hier in Cornwall Pflanzen wachsen würden, die man hier eher nicht vermuten würde, war ich bei dem Anblick der typisch südländischen Palmen trotzdem noch überrascht. Und wie! Wow!

Im Hintergrund ist die ungewöhnliche Vegetation zu erkennen. Nur die Architektur verrät, dass es sich um England handelt.
Im Hintergrund ist die ungewöhnliche Vegetation zu erkennen. Nur die Architektur verrät, dass es sich um England handelt.

 

Ich fahre also in Marazion ein. Hier geht es auf schmaler Hauptstraße den Berg hinab. Bis man dann auch den St. Michael’s Mount sieht. Um mir sowohl das Eiland, als auch das Städtchen in Ruhe ansehen zu können entschließe ich mich auf den gebührenpflichtigen Parkplatz direkt unten am Meer zu fahren. Mit 8 Pfund ist die Gebühr sicherlich kein Schnapper, aber hier eher der normale Wahnsinn. Immerhin scheint es mir auf den ersten Blick aber auch wirklich die einzig sinnvolle Möglichkeit, um den Camper zu parken. In den schmalen Gassen und dem ohnehin sehr kleinen Ort scheint es keine wirkliche Alternative zu geben.

Also dann: Van geparkt, Fotosachen geschnappt und auf. So gehe ich für etwa 2 Stunden am Meer entlang, schieße ein paar Fotos vom St. Michael’s Mount und schlendere durch den kleinen, aber doch irgendwie feinen Ort. Leider ist der ziemlich überlaufen. Trotz – oder gerade wegen? – des schlechten Wetters. Es ist diesig und schließlich setzt auch leichter Nieselregen ein. Ich beschließe weiter zu fahren.

St. Michael's Mount in Marazion. Bei Ebbe ist die Insel und Abtei sogar zu Fuß zu erreichen. Während der Flut fahren auch Boote.
St. Michael’s Mount in Marazion. Bei Ebbe ist die Insel und Abtei sogar zu Fuß zu erreichen. Während der Flut fahren auch Boote.

 

Marazion verlangt nach einer neuen Suche des Schlafplatzes für heute Nacht

Bevor ich jedoch meine Fahrt fortsetze würde ich noch nach einem richtigen Tagesziel Ausschau halten müssen. Bei dem Wetter würde ich das am Besten noch auf dem Parkplatz im Van recherchieren. Da ich ohnehin hungrig bin trifft es sich umso besser, als ich auf dem Weg zum Parkplatz einem hübschen, kleinen Restaurant über den Weg laufe. Schnell ist klar: hier würde es das erste typische Fish & Chips geben. Stilecht for takeaway. So habe ich für meine Stellplatzsuche auch noch einen Imbiss. Life’s good!

Am Van angekommen wird der super leckere Fisch verspeist. Und die neue Route bestimmt. Da der Tag noch lang ist und die Wettervorhersage für die Nordküste deutlich besser ist als für den Süden um Marazion entscheide ich mich spontan dafür doch noch heute nach St. Ives weiter zu fahren. Nach den letzten Tagen in Abgeschiedenheit möchte ich gerne etwas mehr Menschen und Leben um mich herum haben.

Weiter geht’s zum surfer’s paradise Saint Ives

St. Ives wird auch als Surferparadies Englands gefeiert. Entsprechend sind also meine Erwartungen an das Hafenstädtchen. Dass dort sicher immer etwas los sein würde, vielleicht auch einige junge Leute. Und zumindest diese Erwartungen werden voll erfüllt.

Wie sich aber auch zeigen wird, ist St. Ives nicht nur bei jungen Leuten und Surfern beliebt. Vielmehr ist es einfach insgesamt ein sehr touristisch ausgerichteter Ort. Entsprechend viel ist hier los. Und dementsprechend sind auch häufig die Preise. Was mir eigentlich schon früher hätte klar sein sollen.

Nichts ahnend also fahre ich auf den einzigen Campingplatz hier. Also naja. Es hätte auch noch Farmcampings und so gegeben. Alle aber ziemlich weit außerhalb. Sodass man hätte den Van bewegen müssen, wenn man in die Stadt gewollt hätte. Ich wollte jetzt aber einfach den Komfort haben, zwei Nächte den Van an einem Ort stehen lassen und mich zu Fuß fortbewegen zu können. Auf ständige Parkplatzsuche und so hatte ich keine Lust. Zumal das auch wieder Geld kosten würde, was den Preisvorteil zwischen Camping außerhalb und am direkten Stadtrand vermutlich fast wett machen würde.

Mache auf deinen Reisen niemals diesen Fehler. Nie!

Ich frage also an der Rezeption des Ayr Park St. Ives, ob man noch einen freien Platz für mich, den Van und zwei Nächte hätte. Natürlich hätte man den. Da war ich schon mal froh und zufrieden. Dumm nur, dass ich vergaß den Preis zu klären. Und, wie sich im Laufe der Reise herausstellen sollte, es empfiehlt sich immer nach ‚the cheapest pitch‘ zu fragen! Macht man das nicht, oh Wunder!, wird man natürlich gerne schon mal auf die teuersten Plätze zugewiesen. Wir selbst würden es ja möglicherweise nicht anders machen…

Nun denn, es ist super teuer hier. Und wenn ich super teuer sage, meine ich auch super teuer. Die zwei Nächte hier auf dem Platz werden ein 88 Pfund großes Loch in die Reisekasse fressen. Und trotzdem: die Schuld liegt einzig bei mir. Weil ich von dem überragenden Ausblick hier oben auf das schöne Küstenstädtchen St. Ives so fasziniert war, dass ich vergaß nach dem Preis zu fragen. Ich bin einfach ein super Gast!

Doch immerhin: hier auf dem Campingplatz wird es nichts zu mäkeln geben. Tolle Anlage und grandioser Ausblick! Außerdem ist der Platz direkt an den Coastal Path angeschlossen, sodass man fußläufig in etwa 15 Minuten mitten im Ort ist. Und das ist doch auch was!

Wenn du nach Cornwall kommst, ist Saint Ives Pflichtprogramm!

Generell ist Saint Ives ein super-schöner Ort mit vielen Nebenstraßen und einer Fußgängerzone, die zum Schlendern einlädt. Alles wirkt sehr liebevoll eingerichtet und very cozy. Ganz so, wie ich mir diesen Surferhotspot auch vorgestellt habe. Ein Schauspiel ist sicherlich auch Ebbe und Flut. So liegen nämlich sämtliche Boote im Hafen auf dem Trockenen, wenn das Meer gerade Pause macht. Viele Menschen treibt es dann hinaus aufs Watt.

Der Hafen von Saint Ives bei Ebbe. Der Effekt der Gezeiten ist einfach immer wieder beeindruckend.
Der Hafen von Saint Ives bei Ebbe. Der Effekt der Gezeiten ist einfach immer wieder beeindruckend.

 

Eine Frage drängt sich mir bei dem Anblick von Saint Ives immer wieder auf: wieso ist das gleiche Meer, das bei uns in Deutschland so ekelhaft braun und trüb ist, hier so kristallklar cyanfarben?! Ich werde es nie verstehen! Grandioser Anblick auf jeden Fall!

Wieso ist das Meer hier so grandios?! Wahnsinn!
Wieso ist das Meer hier so grandios?! Wahnsinn!

 

Fazit – Saint Ives war bislang schönster und teuerster Rast meiner Reise zugleich

Nachdem ich mich anfänglich über meine Unachtsamkeit bei der Platzwahl und den horrenden Kosten geärgert hatte, wurde ich schließlich aber mit toller Aussicht und schönem Flair belohnt! Da konnte auch die Seemöve die Stimmung nicht wirklich trüben.

Natürlich wollten hier in Saint Ives die typisch cornish pasties probiert werden! Nicht bedenkend, dass die Pasty nicht nur dem Menschen, sondern auch den Möven schmeckt kam es also zum ‚Luftangriff‘: am Hafenufer auf der Bank sitzend und nichts ahnend, stürtzt urplötzlich eine Möve vom Himmel herab und nimmt Ziel auf die Pasty. Zum Glück schnappt sie vorbei! Doch die Spannweite ihrer Flügel ist mindestens genauso beeindruckend wie ihre Aggressivität. Also schnell die Pasty im Rucksack verstaut und den Standort gewechselt. Was für ein Erlebnis!

Und doch: Saint Ives du warst wunderbar!

 

Schon kommenden Mittwoch geht es weiter mit meinem Reisebericht aus England. Dann mit der Artus-Sage und Tintagel. Außerdem hielt die Reise hier einen besonderen Schreckmoment für mich bereit, der beinahe schrecklich geendet wäre. Aber dazu dann nächste Woche mehr!

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten ‚9 to 5 job‘. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

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