England mit dem Kastenwagen Tag 3 und 4 – Dartmoor Nationalpark

Am Dienstag habe ich dir vom zweiten Tag meines Roadtrips durch England erzählt. Eigentlich war das gleichzeitig sogar der erste Tag in England. Nachdem ich noch vor der Fährüberfahrt die erste Nacht im französischen Gravelines verbracht hatte. Von dort ging es dann früh morgens weiter. Am späten Abend endete der zweite Tag dann schließlich zwischen dem Touri-Magneten Durdle Door und Weymouth in der Grafschat Dorset. Auf dem Farmcamping Osmington Mills Corner Campsite. Du weißt noch, dieser wunderschöne, riesengroße und naturbelassene Stellplatz mit eher rudimentären Duschen aber dem Farmer mit dem Herz am rechten Fleck. Heute nehme ich dich auf die nächste Etappe mit: die Reise durch den Dartmoor Nationalpark hindurch bis zum Örtchen Princetown. So zumindest lautet der Plan.

Der Roadtrip geht weiter

Nach dem ersten Inselschlaf wird sich in der Van-Dusche abgebraust, bei Frühstück und dem ersten Kaffee aus dem Perkulator gestärkt. Bevor die Fahrt weiter gehen kann, nutze ich noch schnell die Zeit zum Spülen und anschließenden Verstauen all der Reiseutensilien. Über die teils holprig-tiefen Graswege geht es den Hügel des Stellplatzes hinab zur Ausfahrt. Auf dem Asphalt angekommen stelle ich fest, dass ich eine Wasserspur hinter mir herziehe. Doch was war passiert?!

Mit dem nassen Element auf Kriegsfuß

Schon in Gravelines war ich verwundert, als am Abend der Camper endlich geparkt war und es plötzlich zu plätschern begann. Erst dachte ich mir nichts dabei, wie ich dann aber sah, dass vor dem Fahrerhaus ein kleiner Bach davon lief, wurde ich doch skeptisch. Immerhin: die erste Idee führte mich gleich zur Ursache. So war das Frostschutzventil vom Boiler geöffnet (wieso auch immer). Das Rinnsal nahm ein jähes Ende!

Etwas nervöser werde ich nun, als auch in England schon wieder das Wasser weglaufen wollte. Haben denn alle Angst vor mir?! Und auch hier gleich wieder ein Glückstreffer! Der Vermieter hatte wohl vor unserer Fahrzeugübernahme noch den Grauwassertank abgelassen. Und schlichtweg vergessen den Ablasshahn wieder ordnungsgemäß zu verschließen. Immerhin: wirklich viel Grauwasser habe ich ja erst an diesem Morgen beim Duschen produziert. Also konnte ich noch nicht wirklich viel verschmutzt haben. Zumal der Van wohl gerade schräg genug gestanden haben muss, dass es auf dem Stellplatz noch nicht auffiel. Nun denn. Das Frotschutzventil ist nun präpariert, der Ablasshahn verschlossen. Ich fahre ab!

Auf Reisen muss man manchmal zurück fahren, um voran zu kommen

Ich fahre weiter um erst einmal zum Durdle Door zurück zu fahren. Aber davon habe ich dir im letzten Beitrag ja bereits erzählt! Nach dem etwas längeren Aufenthalt und einer Teepause bei diesem grandiosen Anblick mache ich mich dann aber wirklich auf die Weiterfahrt. Da ich die ersten beiden Reisetage ziemlich viel und lang mit Fahren zugebracht hatte, will ich an diesem Tag etwas mehr reisen. Also weniger lang fahren und mehr sehen und erleben.

…und stets seine Position überprüfen und Pläne anpassen

So kommt es dann auch, dass sich das Dartmoor als willkommene Abwechslung anbietet. Eigentlich wollte ich den Nationalpark erst auf dem Rückweg aufsuchen. Da aber die Fahrerei so langsam doch schlaucht und ich etwas auf die Bremse treten will, ändere ich kurzerhand die Pläne!

Noch ein weiteres Mal werden meine Pläne dann während der Fahrt durchkreuzt. Dieses Mal ist es das Navi, das urplötzlich die Orientierung verliert und ein krudes Eigenleben beginnt. Trotz vermeintlich aller eingestellten Vorgaben und Präferenzen will mich das Teil doch glatt über die Autobahn um das Dartmoor außen herum schicken, nur um dann aus westlicher Richtung wieder ein paar Meter einzufahren! Gut nur, dass ich es noch rechtzeitig feststelle. Leider gerade spät genug, dass ich wohl etwa 8 Meilen bis zur nächsten Ausfahrt, ich meine natürlich Kreisel, in die falsche Richtung fahren darf. Nun gut, ist ja Urlaub. Also wieder 8 Meilen zurück, nur um gleich drauf endlich weiter voran zu kommen. So ist das nunmal auf Reisen!

Aber auch eine Portion Glück gehört ins Handgepäck!

Nachdem dann endlich die Route gefunden ist, geht es auch schon auf schmäleren Straßen fernab der Autobahn weiter. Endlich werden die Straßen schmäler, Ortschaften kleiner und die Dorfnamen länger. Das geht schließlich so weit, bis ich an eine schmale Brücke komme. Sie ist wirklich schmal. 2 Meter 30, wie mich das Schild belehrt. Glücklicherweise ist dieses auch in unseren Einheiten (2.30 m) ausgewiesen und nicht in Foot, Inches, Yards oder sonstigem komisch anmutenden Zeichen! Da der Van zwar genau die 2,30 m misst, aber unter Berücksichtigung der Außenspiegel, die hier über dem Brückenmäuerchen Platz finden, stellt dieses Bauwerk kein Hindernis für mich da. Dumm nur, wer sich wirklich bis hierhin mit einem Dickschiff durchgekämpft hätte. Der Hinweis auf die Durchfahrtsbreite war hier nämlich zum ersten Mal überhaupt zu lesen! Also, lucky me!

 

Die Straße durch’s Dartmoor ist wie ein Querschnitt durch Flora und Fauna

Direkt hinter der Brücke geht es dann auch endlich hoch hinauf auf’s Hochmoor Plateau. Hier fühle ich mich dann auch zum ersten Mal so richtig darin bestätigt, weshalb es sicher nicht verkehrt sein würde, dass der bestellte Clever nicht den 130 PS sondern den nächst größeren Motor verbaut hat. An den beständigen Steigungen hier fehlt dem Dicken doch ganz schön die Puste. Aber wie gesagt, es ist Urlaub, für Jammern auf hohem Niveau also kein Platz. Weiter geht’s!

Einheimische und Touristen gehen sich grüßend aus dem Weg

Die Straße, die vor mir liegt, wird sich nun noch einige Male mal nach links, mal nach rechts, mal bergauf und mal leicht bergab winden und durch den Berg schlängeln. Die Straße ist und bleibt schmal, aber nie wirklich gefährlich. Mit dem Gegenverkehr wird man sich immer einig, wer wann wohin fahren darf. Alles unkompliziert und stets zuvorkommend freundlich, diese Engländer. Dass es auch einen anderen Schlag Briten gibt, werde ich noch später auf meiner Reise erleben!

Von wilden Pferden und rollenden Lokussen

Für den Moment weiß ich das aber noch nicht. Unbeschwert und schon ganz gespannt auf das Örtchen Princetown fahre ich immer weiter. Endlich komme ich auf einen Teil der Straße, der nicht mehr von allen Seiten zugewachsen ist. So kann ich auch einen ersten Fernblick über das Moor gewinnen. Gar nicht mal schlecht! Wäre es klar, wäre die Weitsicht sicher noch besser. Doch wann wird das hier schon mal der Fall sein?! Sicher gehört die diesige, hochnebelartige Wolkenformation hier genauso dazu, wie die freilaufenden Pferde. A propos: vorne kommt endlich mal ein Parkplatz. Dieses Mal erkenne ich ihn zumindest als solchen. Den ersten habe ich grandios verpasst, ein Wendemanöver wollte ich meinem Hintermann besser ersparen.

Schon eine ganz andere Liga, so ein Kastenwagen verglichen mit dem kleinen Bruder, dem Bulli. Hier auf einem Parkplatz im Dartmoor.
Schon eine ganz andere Liga, so ein Kastenwagen verglichen mit dem kleinen Bruder, dem Bulli. Hier auf einem Parkplatz im Dartmoor.

Also dann, Blinker links und raus auf den Parkplatz. Übrigens noch so ein Vorteil von einem Kastenwagen oder einem Wohnmobil im Allgemeinen: die Toilette habe ich direkt dabei und die kommt mir gerade recht gelegen. Weit und breit keine Infrastruktur! Im Anschluss richte ich noch geschwind die Kamera und wechsle auf das Weitwinkel, verlasse den Van – und traue meinen Augen nicht!

Kommt doch tatsächlich ein wildes Pferd direkt am Mietcamper vorbei geschlendert. Nur noch verwunderter bin ich, als ich feststelle, dass die Tiere auch noch handzarm sind! Unglaublich! Nicht zu fassen, dass mir es ein Pferd mal so antun würde. Noch bevor ich mich versehe, schlurft das Tier aber auch schon weiter. Wen wundert’s! Neben uns hatte gerade ein großes Wohnmobil gehalten, aus dem jetzt die vor Freude quietschenden Mädchen aussteigen. Noch eine ganze Weile betrachte ich die Szene als stiller Beobachter bevor es dann weiter geht.

Die wilden Pferde im Dartmoor Nationalpark. England Devon Tavistock Princetown
Die wilden Pferde im Dartmoor Nationalpark.

 

Das eigentliche Etappenziel Princetown enttäuscht mich auf ganzer Linie

Weiter in Richtung Princetown. Und noch ein weiteres Mal halte ich an, dieses Mal den umherstreunenden Schafen etwas Gesellschaft zu leisten. Wegen der vielen Tiere kann man hier die 40 Meilen längst nicht mehr fahren. Das ist ohnehin längst nicht mehr wichtig. Zu sehr erdet der Anblick der Landschaft und Tierwelt. Wirklich außergewöhnlich!

Ein Blick über das Dartmoor. Im Hintergrund erahnt man die Straße, die an den meisten Stellen deutlich steiler ist als hier.
Ein Blick über das Dartmoor. Im Hintergrund erahnt man die Straße, die an den meisten Stellen deutlich steiler ist als hier.

Enttäuscht bin ich aber von Princetown. Es soll das einzige größere Städtchen im Dartmoor sein. Das dortige Visitor Centre steuere ich an nur um gleich drauf festzustellen: geschlossen. Aha. Na dann. Also verlasse ich den Ort wieder um den Schildern in Richtung Campingplatz zu folgen, die ich auf dem Hinweg gesehen habe. Leider führt mich die Straße im Kreis um das ehemalige Dartmoor Gefängnis herum, allerdings ohne auch nur einen einzigen Camper zu sehen. Keine Ahnung wo genau man mich hatte hinführen wollen. Vielleicht ein Fehler in der Übersetzung der Piktogramme meinerseits?! 😉 Komisch!

Tavistock ist mein neues Princetown

Aber dank der abgeschafften Roaming-Gebühren innerhalb EU und GB kann ich schnell eine Alternative finden. So halte ich jetzt auf Tavistock zu. Das Städtchen am westlichen Ende vom Dartmoor. Westliches Ende? Da war doch was! Genau, die Autobahn. Hierher hätte ich auch problemlos und viel schneller über die Autobahn fahren können. Und, thanks god, ich hab’s nicht getan! Ich hätte das Beste der Landschaft verpasst und wäre einfach nur schnell dran vorbei geflogen.

Das ist auch übrigens mein Tipp an dich: versuche möglichst langsam zu reisen und zu fahren. Nutze die schnellen Fernstraßen und Autobahn nur, wenn du wirklich auch schnell sein MUSST.

Noch vor dem Ortsschild von Tavistock geht es dann links weg. Ich folge den Schildern zum Langsamen Manor Holiday Park, einem Campingplatz. Vielmehr weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der Wirtschaftsweg (immerhin asphaltiert!) führt mich über noch schmälere, links und rechts durch Hecken und Feldhänge begrenzte Wege immer tiefer hinein ins Nichts. Ob ich hier richtig bin? Wieder ein Schild. Und wieder. Und noch ein Hinweis. Aber immerhin glaubt mein Navi jetzt ja auch wieder zu wissen, wo es ist. Eine gute Meile noch. Immer noch! Auf dann!

Langstone Manor Holiday Park – camping by heart?!

Endlich komme ich an. Auf einem schnuckeligen, tollen Campingplatz. Auf dem es alles hat! Doch dazu ein ander Mal ausführlicher mehr. Damit ich mich von den bisherigen Eindrücken und den langen Fahrten etwas erholen und durchschnaufen kann, will ich gleich zwei Nächte hier bleiben. Erst am Montag werde ich also weiter reisen auf meinem Weg in Richtung Cornwall. Für den Moment genieße ich das Dartmoor oder vielmehr dessen Rand. Nebel und Regen wird mir in den kommenden zwei Tagen zwar nicht viel Gelegenheit zu ausgedehnten Wanderungen bieten. Doch auch das weiß ich jetzt noch nicht.

Das war Tag 3 meiner Reise im Kastenwagen Camper quer durch Südengland im Sommer 2017! An Tag 4 ist übrigens nicht viel passiert. Dem eher schlechten Wetter geschuldet habe ich mich hauptsächlich im Camper und der Gastronomie auf dem Campingplatz verduldet. Bei einem guten Buch, heißen Tee und warmen Ale. Ja, richtig gelesen. Man trinkt das heimische Ale hier bei Zimmertemperatur. Hmmmmm, lecker! 😉

 

Während ich dir noch mehr über Langstone Manor Holiday Park in einem nächsten Beitrag unter Campingplätze vorgestellt erzählen werde, würde mich mal interessieren, ob du vielleicht selbst auf schon mal im Dartmoor Nationalpark warst. Besonders würde ich gerne wissen, ob Princetown wirklich so unscheinbar ist, wie es auf mich wirkte?! Schreib‘ es doch einfach mal hier unten in die Kommentare! 

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten ‚9 to 5 job‘. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

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