England mit dem Kastenwagen Tag 2 – Durdle Door

Mein Roadtrip in England hielt doch so manche Überraschung und Verwunderung bereit, die ich so nicht zwingend erwartet hatte anzutreffen. Ganz sicher gehört da auch das Durdle Door dazu. Diese Felssteinbrücke im Meer an der Jurassic Coast. So einen Anblick würde man klassischerweise nämlich nicht wirklich in England vermuten, sondern vielleicht eher aus südlicheren Regionen. Was du am Durdle Door alles erleben und wie du dich vor den horrenden Übernachtungskosten auf dem anliegenden Campingplatz schützen kannst, das will ich dir heute erzählen.

 

Tag 2 der Reise bietet gleich das erste Abenteuer: die Fährüberfahrt nach Dover

Nachdem ich also Donnerstagnachmittags bis Gravelines in Frankreich gekommen war und dort nun eine erste, schöne Nacht der Reise verbracht hatte, ging es am frühen Morgen um 6 Uhr los. Das erste Wegziel war nochmals die Ver-/Entsorgung. Schließlich wusste ich nicht, welche Infrastruktur mich in England erwarten und wie und wo ich die erste Nacht auf der Insel womöglich verbringen würde. Und ich sag mal so: im Nachhinein war das eine weise Entscheidung, die V/E anzufahren. Es sollte nämlich die letzte ihrer Art sein.

Pünktlich gegen 6.30 Uhr war ich an dann am Fähranleger in Dünkirchen angekommen. Nachdem Check-In folgten überraschend intensive Kontrollen. Einem englischen Soldaten zeigte ich sogar nicht ohne Stolz unseren Mietcamper von innen. Gut also, wenn man nichts zu verbergen hat!

Die folgende Fährüberfahrt war dann wirklich ein Kinderspiel. Die Fährgäste reihen sich mit den Autos auf einer riesigen Asphaltfläche vor der Fähre ein. Dort steht man in diversen Reihen nebeneinander. Reihe 27 hatte man mir zugewiesen. Schließlich wurden wir nach kurzer Wartezeit allesamt zum Boarding abgerufen. Ich folgte dem ewig-langen Tross über eine steile Anlegebrücke immer weiter, bis wir schließlich im geräumigen Inneren dieses riesigen Eisenwals angelangt waren. Ein freundlicher Mitarbeiter der Fährbetriebe bedeutete mir auch hier mit fleißigen Handzeichen, in welcher Reihe ich parken dürfte. So war alles kein Problem und weiß Gott kein Stress.

Schon zwei Stunden später landete ich super pünktlich im englischen Dover. Die Überfahrt hatte ich noch mal zu einem kleinen Power-Nap genutzt. Achja: der Kaffee an Board ist nicht wirklich zu empfehlen. War vielleicht auch nicht anders zu erwarten, doch hatte ich am frühen Morgen noch keinen selbst gekocht, da mir das alles zu stressig wurde. Nun gut. Ansonsten gab es aber überhaupt nichts zu mäkeln an der tollen Überfahrt mit DFDS Seaways. Da auch in Dünkirchen so wenig Tumult war, das soll angeblich in Calais anders sein, würde ich auch jederzeit wieder ab Dünkirchen fahren.

 

Ankunft in England – der Roadtrip kann nun so richtig beginnen

Zum ersten Mal offiziell auf der falschen Seite fahren

Um 9 Uhr Ortszeit verlasse ich die Fähre genauso unproblematisch, wie ich sie befahren habe. Schon nach wenigen Metern dann der erste Schock: oh no, Linksverkehr baby! Und gleich ab in den ersten Kreisel. Igitt! 😉 Zugegeben, der Linksverkehr ist mega ungewohnt. Und irgendwie für einen Linkslenker auch gar nicht so sexy! Zwar habe ich mich doch sehr schnell daran gewöhnt auf der ‚falschen‘ Seite zu fahren.

Wirklich problematisch und stellenweise auch sehr gefährlich sind aber die Kreisel. Und: verdammt, gibt es hier viele von denen! Die Engländer nutzen nämlich auch auf der Autobahn den Kreisel für das Auf- und Abfahrtsystem. Wirklich ein Abenteuer! Was den englischen Kreisverkehr für uns Deutsche mit dem Lenkrad auf der linken Seite aber wirklich gefährlich macht sind die Einfahrt und die mangelnde Übersicht. Häufig macht die Straße nämlich schon vor dem Kreisel einen kleinen Knick nach links, bevor du dann in den Kreisel einfährst. Dadurch sitzt dann bei deutschen Fahrzeugen der Beifahrer weiter vorne in Richtung Kreisel als der Fahrer. Mit der Folge, dass der Fahrer eigentlich durch die B-Säule hindurch sehen müsste, um zu erkennen, ob von rechts bereits ein anderes Fahrzeug in den Kreisel eingefahren ist. Und, noch schlimmer: viele Engländer befuhren während meiner Reise den Kreisel ‚digital‘. Also kurzes Anhalten, sehen ob wer kommt und wenn alles frei ist mit Vollgas und ohne Rücksicht darauf, was da kommen mag, durch den Kreisel hindurch fahren. Kein Wunder also, dass das häufig für Linkslenker zu gefährlichen Situationen führt. Gut beraten ist hier, wer einen mitdenkenden Beifahrer an seiner Seite weiß! Ansonsten muss man über die B-Säule hinweg spekulieren, Vorsicht also!

Den langen ersten Tag nutzen, um direkt viele Meter zu machen

Aber schon nach wenigen Kilometern und noch mehr Kreiseln hat man dann irgendwann doch den Dreh raus. So fahre ich weiter in westliche Richtung, schließlich war als großes Reiseziel ja Devon und Cornwall ausgelobt. Da mir aber schwer fiel im Vorfeld die Entfernungen richtig einzuschätzen, wollte ich Cornwall nur mal im Auge behalten, wenn’s nicht klappen würde, wäre es auch nicht schlimm. Doch ob mit oder ohne Cornwall, es sind einfach nun einmal viele Kilometer, die sich dort entlang der Südküste Englands zurück legen lassen. Da die Reisezeit begrenzt war, wollte ich also den langen ersten Tag auf englischem Boden nutzen um möglichst weit in Richtung Südwesten Englands zu kommen.

Weymouth, das kleine Städtchen in der Grafschaft Dorset, schien mir dabei genau das richtige Etappenziel.  Allerdings, und das hatte leider keines der von mir genutzten Navis und map-Apps erwarten lassen, sollte das eigentliche Problem hierbei nicht die Strecke, sondern viel eher der Verkehr sein! Wegen entsprechender Stau-Vorwarnungen für die Autobahnen rund um das südliche London herum, wollte ich diese gleich von vornherein meiden. Und lieber die, sicher ohnehin spektakulärere Küstenstraße nehmen. Das war zeitlich gesehen also direkt ein kleiner Umweg. Stautechnisch hatte sich dieser aber nicht gelohnt! Einziger Trost: wir hingen nicht auf einer schnöden Autobahn im Stop-and-Go, sondern häufig bei guter Aussicht. Das war doch schon mal was!

 

Durdle Door ist ein Wahnsinns Besuchermagnet

Von Durdle Door hatte ich im Vorfeld der Reise so einiges gelesen. Schnell war klar, dass ich dort einen Stopp einlegen und mir das Naturwunderwerk mit eigenen Augen würde ansehen müssen. Bei meiner Recherche hatte ich auch gelesen, dass man dort für eine Nacht frei würde stehen können. Jedenfalls habe ich das so in Erinnerung. Doch: die Enttäuschung war direkt groß. Als ich am späten Nachmittag endlich ankam und das Schlaflager einrichten wollte, stellte ich ernüchtert fest: hier wird das nichts mit frei stehen. Zu eindeutig war nämlich der Hinweis auf dem Parkplatzschild, dass Overnight-Parking not allowed‘ wäre und zudem mit einer Strafe von 70 Pfund belegt werden würde. Ähm, nein danke!

Zu schön ist die Aussicht auf's Durdle Door. Schwer fällt es dem Angebot in unmittelbarer Nähe zu Campen zu widerstehen.
Zu schön ist die Aussicht auf’s Durdle Door. Schwer fällt es dem Angebot in unmittelbarer Nähe zu Campen zu widerstehen.

Mein Blick schweifte dann auf die vielen Wohnmobile, die in direkter Nachbarschaft zum öffentlichen Parkplatz oberhalb des Durdle Doors campierten. Aha, also muss es hier doch erlaubt sein! Auf Nachfrage stellte ich fest, dass diese Plätze zum Campingplatz bzw. Holiday Park gehören. Bei der schon leicht untergehenden Sonne hat man von hier aus eine wahnsinnige und tief beeindruckende Aussicht direkt aus dem Camper! Mir hätte klar sein sollen, dass man das mitbezahlt. Sicherheitshalber dann noch mal im Holiday Park nachgefragt. Ahja, eine Nacht ohne Strom und sonstige Infrastruktur für 47 Pfund. Oops, wir kommen nicht überein!

Mache nachts einen Bogen um das Naturschauspiel und spare Bares

Also gut. Die erste Nacht auf englischem Grund nichts übereilen! Die 47 Pfund für den Campingplatz wollte ich sparen, ebenso die Gefahr des noch teureren Bußgelds beim Freistehen. Zum Glück fand ich dann ein Farm-Camping, den Osmington Mills Corner Campsite. Und das war eine grandiose Alternative!


Etwa 15 Autominuten vom überlaufenen Durdle Door entfernt steht man in der nahezu unberührten Natur. Mit einigen anderen Campern. Da aber das Gelände so schier unglaublich groß ist, muss man hier nicht kuscheln! Man trifft hier alle: Campervans, Wohnmobile, Kombi-Schläfer, Trekking-Zelter – wirklich alles!

Hier trifft man alle Sorten Camper. Der Platz ist komplett naturbelassen und erstreckt sich über mehrere Hügel.
Hier trifft man alle Sorten Camper. Der Platz ist komplett naturbelassen und erstreckt sich über mehrere Hügel.

Zum Platz gehören wirklich sehr rudimentäre Duschen und WCs. Wer sich daran stört, sollte lieber seine eigenen, mitgebrachten nutzen. Ich packte die Gelegenheit beim Schopfe und testete begeistert die Dusche im Camper. Auch der Dishwash ist hier etwas spärlich ausgestattet. Wer nämlich warmes Wasser sucht, sucht hier vergeblich. Ebenso kann man hier auch weder Grauwasser noch Toiletten-Kassette entleeren. Für meinen cleveren Schachzug vom Morgen, noch mal alles zu leeren und säubern, feierte ich mich an dem Abend bei untergehender Sonne noch ein wenig selbst. 😉

Abendsonne auf dem Osmington Mills Corner Campsite mit Blick ins Landesinnere
Abendsonne auf dem Osmington Mills Corner Campsite mit Blick ins Landesinnere

Und gleich doppelter Grund zu Freude: denn statt 47 Pfund, für übrigens ähnlich viel nutzbare Infrastruktur, für den Holiday Park zu zahlen, drückte ich dem Farmer 15 Pfund in die Hand. Also die Reisekasse deutlich geschont und dem Farmer unter die Arme gegriffen. Das lässt hoffen!

 

Fazit – Osmington Mills Corner Campsite eignet sich hervorragend für den günstigen Durdle Door Besuch

Hier schieben sich die Besucher den Fußweg bergab zum Aussichtspunkt auf Durdle Door. Im Hintergrund die Insel Portland.
Hier schieben sich die Besucher den Fußweg bergab zum Aussichtspunkt auf Durdle Door. Im Hintergrund die Insel Portland.

Auf dem Campsite verbrachte ich eine sehr ruhige Nacht fast inmitten der Natur. Natürlich gab es hier keinen Meerblick, wie vielleicht auf dem Holiday Park, dafür aber grandiose Ruhe! Dass ich dem Durdle Door natürlich noch einen Besuch am Tage abstatten musste, war ja auch klar! Also ging es am nächsten Morgen, frisch gestärkt nach dem Frühstück (endlich auch mit Kaffee, juhu!), wieder zurück ans Durdle Door. 15 Minuten und (faire) 5 Pfund für die Parkgebühr später machte ich mich auf den langen Abstieg zu Fuß hinab ans Durdle Door und die Kreideklippen. Ein wirklich spektakulärer Auftakt in die England-Reise!

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

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