Umfrage-Ergebnis: wie nutzt ihr das Chemie-Klo?

Auf meiner letzten und gleichzeitig ersten Tour mit dem Kastenwagen bin ich häufig auf diese eine Frage gestoßen: was tun mit dem Chemie-Klo? Der Anlass dies zu hinterfragen war so einleuchtend wie simpel. Schließlich nutzte ich in England überwiegend echte Campingplätze. Und wie es sich für ordentliche (und noch dazu sehr teure) Campingplätze nun mal gebietet, gab es in Südengland immer (!) eine Möglichkeit zur Entsorgung der Fäkalienkassette.

Schnell drängte sich daher die Frage auf, ob es überhaupt Not tun würde, jedes Mal extra auch noch die Chemie in das Klo einzufüllen. Im Leihwagen hatte man mir hierfür extra solche kleinen ‚Kisschen‘ mit der blauen Chemie bereit gelegt. Funktionsweise ist dabei die gleiche, wie in der flüssigen Darreichungsform: nach dem Entleeren und Spülen der Kassette eines dieser Kisschen hinein legen und fertig. Nutzt man nun das Klo so erfüllt ab sofort der ‚himmlische‘ Duft der Chemie die gesamte Nasszelle. Immerhin: man übertönt damit die sonst allgegenwärtigen Gerüche des Toilettenbesuchs.

 

Braucht es die Chemie und welche Alternativen gäbe es?

In Camperkreisen wird die Chemie aber längst, nicht nur wegen der chemischen Belastung für die Umwelt, in Frage gestellt. Dieser Sache wollte ich daher etwas näher auf den Grund gehen. Geht man davon aus, dass der Kastenwagen standardmäßig nach wie vor zunächst mit einem Chemieklo ausgeliefert wird, bieten sich wohl gleich mehrere Handlungsalternativen: man nutzt das Klo ganz ohne Chemie, quasi so wie zu Hause. Oder aber man greift zur chemischen Keule. Daneben gibt es dann noch die Option eine elektrische Belüftung mittels Lüfter der Kassette nachzurüsten. Von der vollständigen Umrüstung der Toilette auf eine Trocken- bzw. Trenntoilette nun mal ganz abgesehen.

Meine Neugier war also geweckt! Da ich am Leihwagen nichts umrüsten konnte blieben mir im Grunde auf der Reise genau zwei Möglichkeiten: mit oder ohne Chemie. Beides habe ich versucht. Gleich mehrfach und mehrere Tage. Natürlich neutralisiert die Chemie die sonstigen Gerüche. Oder vielbesser verdrängt sie diese durch den starken Eigengeruch. Immerhin: die Chemie sorgt auch dafür das liebgewonnene Toilettenpapier über die Zeit hinweg aufzulösen. Das funktioniert ohne Chemie natürlich nicht. Doch stellte ich fest: für maximal zwei Nächte war es auch ohne Chemie geruchstechnisch noch sehr erträglich im Toiraum.

Wie gut wären die Alternativen?

Na gut, zugegeben! Wie lange man es im Kastenwagen oder Wohnmobil ohne die Toilettenchemie ertragen kann hängt ganz gewiss auch davon ab, wie sich die Umgebungstemperaturen gestalten. Bei etwa 15 Grad in Großbritannien war das nun mal keine wirkliche Herausforderung. 35 Grad und Halbschatten bis Sonnenplatz würden da sicherlich schon ganz andere Gerüche zu Tage fördern!

Mein Lösungsweg besteht aus einer Kombination

Ich für mich hatte dann aber erst einmal festgestellt: beides könnte in Abwechslung bzw. Kombination eine  gute Lösung für mich sein. Wenn denn dann wirklich eines Tages mein eigener Kastenwagen kommen sollte, dann gäbe es aber auch noch die Option noch mal Hand anzulegen und diesen Elektrolüfter nachzurüsten. Bei dieser Lösung wird mittels eines in der Kassettentür der Karosserie verbauten Lüfters die stickige Luft aus der Kassette, durch einen Aktivkohlefilter hindurch, nach draußen ins Freie abgeleitet. Dies soll den ‚wohligen‘ Duft im Toiraum wohl zuverlässig verhindern und gleichzeitig, so sagen manche, auch den Zersetzungsprozess des Kassetteninhalts befördern. Nun denn. Klingt für mich perspektivisch nach einer soliden Lösung.

 

Ich will es wissen: wie nutzt du das Chemie-Klo?

Nachdem jetzt also meine Neugier geweckt war und ich bereits erste Optionen für mich angetestet hatte wollte ich natürlich noch wissen: wie nutzt DU das Chemieklo?! Also rief ich kurzer Hand noch während meiner Reise zur Umfrage auf twitter auf. Da ich zunächst an einem direkten Umbau der dann neuen Kassettentoilette hin zu einer Trenntoilette nicht interessiert bin, gab ich nur folgende drei Auswahlmöglichkeiten vor:

A) Natur pur – also ohne Zusatz irgendwelcher chemischer Mittel

B) mit blauer Chemie

C) mit SOG Lüfter

Am Ende der 5-tägigen Umfrage ergab sich dann nachfolgendes Ergebnis: von den insgesamt 16 Umfrage-Teilnehmern stimmten nur 13% (2 TN) für die natürliche Lösung, 18% (3 TN) für die Variante mit nachgerüstetem, elektrischen Lüfter und ganze 69% (11 TN) für die blaue Chemie!

 

Ein Versuch der Interpretation der Umfrage-Ergebnisse

Das überraschte mich zumindest insoweit, als dass die Chemie ja in der Szene häufig in der Kritik steht. Dass gerade wegen der kontrovers geführten Diskussion um dieses Thema weniger als 20% und somit nicht mal jeder Fünfte auf die Lösung mit dem Lüfter setzt, verwunderte mich dann doch. Andererseits scheint sich diese Zahl, zumindest wenn ich nach meinem subjektiven Empfinden gehe, mit meinen persönlichen Beobachtungen der Reisefahrzeugen zu decken. Nur selten sieht man den in der Kassettentoilette verbauten Lüfter. Jedoch: zwischenzeitlich gibt es ja auch Einbaulösungen für Dach oder Karosserieboden. Man muss also nicht immer von außen erkennen können, dass die Lösung wirklich verbaut ist. Etwa jeder Achte hingegen scheut nach diesen Umfrageergebnissen Umbau und Chemie und setzt lieber auf Mutter Natur.

Die natürliche Lösung ohne Zusatz scheint nur für wenige Nächte zu taugen

Ganz sicher muss man das Umfrageergebnis aber auch immer auf den jeweiligen Nutzen des Fahrzeugs beziehen. Will ich zum Beispiel längere Zeit an einem Ort autark, vielleicht sogar fernab der Infrastruktur, stehen, dann wird die natürliche Lösung sicherlich nicht wirklich taugen. Diese Option dürfte schließlich wohl nur in Frage kommen, wenn man regelmäßig und nach wenigen Nächten den Fäkalientank tauschen bzw. leeren kann. Will man hingegen mehrere Nächte autark stehen, braucht es wohl eine andere Lösung. Ob die stark riechende Chemie dabei eine Lösung sein kann, sollte jeder für sich selbst beantworten.

Mir gefällt zu Beginn die Kombination aus Natur und Chemie

Ich für meinen Teil werde es weiterhin zunächst aus einer Kombination aus Chemie und Natur versuchen. Wobei ich die Chemie gerade bei längeren Aufenthalten nutzen und versuchen werde so oft wie möglich auf sie zu verzichten. Zur Chemie will ich abschließend noch mal den Volksmund zitieren:

Die Dosis macht das Gift!

Dies vor dem Hintergrund, dass mir doch immer etwas unbehaglich wurde, als ich die Kassette entleerte und mich das tiefschlumpfblaue Nass der Kassette zum Nachdenken brachte. Leider lassen sich nämlich diese Kissen oder Päckchen mit dem Mittel nicht weiter dosieren. Man legt eines dieser Teile in die Kassette – that’s it! Da ich daheim eh noch ein Fläschchen von dem flüssigen Mittel rumstehen habe werde ich zunächst das nutzen und aufbrauchen. Gerade auch weil mir hier die Dosierbarkeit deutlich sinnvoller erscheint. Aber das muss ja jeder selber wissen und für sich beantworten!

 

A propos beantworten: schreib‘ doch gerne noch hier unten in die Kommentare, wie DU das Chemieklo nutzt! Gerne natürlich auch WARUM du das so machst.

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

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