Wandertipp: der Calmont Klettersteig an der Mosel

Heute will ich mal wieder etwas die Aktivität in den Vordergrund stellen. Denn so waren wir vergangenes Wochenende für einen Tag an der schönen Mosel. Genauer gesagt in Ediger-Eller. Genau zwei Gründe haben uns dort hingeführt: die sagenhafte Moselschleife bei Bremm und der Calmont Klettersteig. Letzterer war dann schnell erklärtes Ziel für unseren Tagesausflug. Praktisch: wer den Klettersteig an der Mosel geht, kann sich quasi automatisch mit dem Panoramablick auf die Moselschleife belohnen!

 

Über den Calmont Klettersteig

Der Klettersteig bei Ediger-Eller an der Mosel wurde im Jahr 2001 eröffnet. Er führt durch den steilsten Weinberg Europas. Dass dies nicht nur ein stolzer Ausruf der Einheimischen ist, sondern vielmehr wirklich zutreffen könnte, kann man während der etwa 3 Kilometer langen Wanderung noch ausreichend oft selbst feststellen.

Für die Wanderung, die immer wieder gesicherte Passagen aufweist (Drahtseil-Geländer) oder Leitern für den Aufstieg bietet, sollte man etwa 2 Stunden einplanen. Worauf man zwingend achten sollte: festes Schuhwerk, eine zumindest durchschnittliche Kondition, bestenfalls Schwindelfreiheit und gutes Wetter. Vor allem das Wetter könnte hier nämlich zur Gefahr werden.

Vorab: wir waren bei milden Temperaturen unterhalb der 20 Grad unterwegs. So ließ es sich noch gut aushalten. Keinesfalls sollte man aber bei Sturm oder Regen gehen. Beides könnte nämlich die Trittsicherheit deutlich beeinflussen. Was uns auch schnell klar wurde: dieser Klettersteig in der Calmontregion an der Mosel ist definitiv nichts für den Hochsommer oder sommerlich heiße Temperaturen! Zu viel dieser Wegstrecke führt dann durch die pralle Sonne. Man würde vermutlich gegrillt werden.

 

Die Anfahrt zum Calmont Klettersteig

Den Einstieg in den Klettersteig findet man super easy. Man fährt durch das Örtchen Ediger-Eller hindurch. Bis man den (noch kleineren) Ortsteil Eller erreicht. Dort gibt es unmittelbar bei der weithin sichtbaren Eisenbahnbrücke, die über die Mosel führt, ausreichende Parkmöglichkeiten. Lobenswert: das Parkieren ist hier tatsächlich kostenfrei! Wie im übrigen auch der Klettersteig selbst.

Hat man das Auto abgestellt oder eine andere Anreise gewählt, geht es unter der Eisenbahnbrücke mit Richtung Bremm hindurch. Direkt hinter der Brücke befindet sich rechter Hand der Einstieg in den Klettersteig. Der Weg führt ab hier zunächst moderat den Hang hinauf. Bis man dann auch offiziell im Klettersteig angekommen ist.

 

Es geht los – 3 km Aufs und Abs liegen vor uns

Früh um 11 Uhr machen wir uns also auf die Socken. Etwas skeptisch sind wir doch schon noch. Schließlich hatten wir im Vorfeld häufiger davon gelesen, dass man geübter Wanderer mit guter Kondition sein sollte. Kondition – okay, geübte Wanderer – naja! Doch es hilft ja nichts!

Wir gehen also los und werden unterwegs auf einige Dutzend Wanderer treffen. Und immerhin: viele derer, die uns entgegenkommen oder überholen werden sind tatsächlich eher drahtig-dynamisch. Insgesamt können wir aber schon mal festhalten, dass sowohl die Aufstiege als auch die jeweiligen Hindernisse für uns keine Herausforderungen waren, die wir nicht hätten meistern können. Es war aber eben doch schon deutlich anstrengender als eine gewöhnliche Wanderung.

Calmont Klettersteig Ediger-Eller Mosel Calmontregion wandern klettern Moselschleife Bremm
Der Calmont Klettersteig – schon auf dem Bild erkannt man den schmalen Weg. Im Bedarfsfall lässt man daher besser Gegenverkehr bewusst passieren.

 

 

Der tapfere Wandersmann wird mit grandiosen Ausblicken belohnt

Natürlich trifft das auch genauso sehr auf die tapfere Wandersfrau zu! Aber die Aussicht ist wirklich ganz hervorragend. Der Weg führt quer durch den steilsten Weinberg Europas und somit eben auch vorbei an extrem steilen Hängen. Da man sich meist etwa im obersten Drittel des Berges bewegt, weiß man die Konsequenzen eines falsch gesetzten Fußes recht deutlich abzuschätzen: 200 Meter steil bergab in die Tiefe.

Die Belohnung dessen ist aber nunmal der tolle Blick! Denn vielfach hat man vom Weg aus einen völlig unverbauten Blick über das Moseltal. Und: an den allermeisten Stellen würde dann doch schon mehr als nur ein Fuß dazu gehören, um hier abzustürzen.

Ediger-Eller Eller Mosel Eisenbahnbrücke Moselschleife Weinberg Klettersteig Calmont
Hin und wieder muss man auch mal einen Blick zurück wagen. So wie hier der Blick zurück auf den Ausgangspunkt: das Örtchen Eller samt Eisenbahnbrücke.

Wir hatten eher unbewusst entschieden den Klettersteig von Eller in Richtung Bremm zu laufen. Grundsätzlich ist es auch in anderer Richtung erwanderbar. Was uns auch durch die vielen, entgegenkommenden Wanderer an diesem Sonntag bestätigt wird. Doch einen großen Vorteil hat es, diesen Weg in dieser Richtung zu gehen: mit zunehmender Dauer werden auch die Aussichtsmöglichkeiten immer schöner und beeindruckender! Es bietet aber noch einen weiteren Vorteil, den ich dir später noch nennen werde.

 

Das Ende des Klettersteigs ist der Beginn des Calmont Höhenwanderwegs

Die Tour hochoben der Mosel wurde uns nie langweilig. Das hängt einerseits mit den sich sehr gut abwechselnden Hindernissen zusammen. Mal gilt es Leitern zu überwinden, mal sind Steigeisen in das Bergmassiv eingeschlagen. Und andernorts bietet die bloße Felswand Halt. Es gibt aber auch immer wieder am Wegesrand kleine Möglichkeiten zu Rast und Ruhe.

Tipp: Es lohnt sich also definitiv hier seine Brotpause mitzunehmen und so bei einer Stulle die klasse Aussicht zu genießen.

Die ein oder andere Informationstafel informiert entlang des Weges den interessierten Wanderer über spezifisches Dies und Das des Weinbergs, der Lage und der Eisenbahnbrücke. So kann man hier also auch noch gleich sein Wissen erweitern. Wem das zu viel ist, kann aber auch ganz einfach den Weg zu Ende gehen.

Bremm Mosel Moselschleife wandern klettern Calmont Klettersteig Moselsteig Wanderweg
Der Blick in Richtung Ziel: das Örtchen Bremm. Auch bekannt für die tolle Moselschleife.

Dieser endet in dem Ort Bremm. Man kommt dort direkt oberhalb der Kirche raus. Kann zunächst noch mal den Blick auf die Moselschleife genießen und dann entscheiden, wie man weiter geht. Im Wesentlichen gibt es zwei Optionen: den Fußweg direkt an der Landstraße im Moseltal entlang zurück zum Ausgangspunkt. Oder aber den viel schöneren, dafür aber auch längeren Weg, den Calmont Höhenwanderweg. 

 

Der Höhenwanderweg verbindet zahlreiche Aussichtspunkte

Wir haben uns für letzteren entschieden. Denn der Höhenwanderweg liegt, als Teil des Moselsteigs, noch mal oberhalb des Klettersteigs. So haben wir uns eine noch bessere Aussicht auf die Mosel erhofft. Und ich kann es gleich vorwegnehmen: wir haben mehr als nur eine atemberaubende Aussicht erhalten!

Dafür ist eben der Weg eine ganze Ecke länger. Ich denke wir sind hier nochmal etwa 2 Stunden gelaufen. In Bremm führt eine asphaltierte, wenig bis gar nicht befahrene, Straße steil den Berg hinauf. Von dort geht es auf einem guten, eingewachsenen Weg weiter. Wenn dann das Gestrüpp endet, erhält man einen spektakulären Blick auf die Moselschleife. Leider waren wir zur fotografischen Unzeit dort – gleißende Mittagssonne. Aber gut, Ziel war ja das Wandern selbst.

Bremm Mosel Moselschleife wandern Wanderweg hiking Klettersteig Calmont Wein Weinberg
Hier also die grandiose Aussicht auf die Moselschleife bei Bremm. Die zwei großen Kähne passieren einander.

Noch immer im Bann ob dieser tollen Aussicht gehen wir den Weg weiter. Er wird noch einige Anstiege für uns bereit halten. Der heftigste wird dabei kurz unterhalb des Gipfelkreuzes erreicht. Hier geht es auf felsigem Untergrund steil zwischen den Bäumen hinauf. Die dann noch folgenden 100 Meter Anstieg bis auf’s Gipfelkreuz lassen wir schließlich aus, weil wir lieber den direkten Weg weiter nehmen möchten. Keine schlechte Entscheidung, schließlich lag ab hier fast noch immer eine Stunde vor uns.

Eine Stunde, in der wir aber nochmal so einiges geboten bekamen. So passierten wir zunächst das römische Bergheiligtum. Ein altes, tempelartiges Gebäude, dass in Zeiten des römischen Kaiserreichs entstanden sein muss und 2005 nachempfunden wurde. Auch konnten wir am Vier-Seen-Blick einen letzten ungestörten Blick auf die Mosel erhaschen. Dieser Aussichtspunkt heißt so, weil sich dem Wanderer hier die Mosel als vier Seen darstellt. Bedingt dadurch, dass die Windungen des Flußes hier von Bergen und Hängen überlagert werden. Sodass der Eindruck entsteht, man schaue auf vier Seen.

Vier-Seen-Blick Mosel Calmont Höhenwanderweg Moselsteig Mosel Weinberg Bremm Ediger-Eller
Der Vier-Seen-Blick. Den Namen trägt dieser zurecht, wenn man auch auf diesem Foto den Grund dafür nicht ganz erkennen kann.

 

Das Ende der Etappe führt unschön in steilen Serpentinen durch den Wald

Sowohl der Klettersteig, als auch der Höhenweg haben uns sehr gut gefallen. Wir waren uns noch auf dem Rückweg einig, dass es für uns die bisher tollste Wanderung war. Dieser Eindruck besteht auch heute noch, wurde allerdings auf den letzten Kilometern ein wenig getrübt. Denn schließlich führte uns der Rückweg hinab nach Eller dann in steilen und weitläufigen Serpentinen bergab ins Tal. So steil, dass es schon zu einer richtigen Belastung für die Gelenke wird. Auch sind hier Weg und Blick in ihrer Schönheit weit von dem entfernt, was uns zuvor geboten wurde.

Dieser eher misslungene Teil des Rückwegs ist es auch, weshalb wir allen empfehlen würden die Etappe in gleicher Richtung zu gehen wie wir sie gegangen sind. Also von Eller kommend den Klettersteig, dann rein nach Bremm und von dort den Calmont Höhenwanderweg zurück. Geht man nämlich zuerst den Höhenwanderweg nach Bremm muss man diese Serpentinen als allererstes, noch dazu bergauf laufen. Könnte sein, dass man hierbei schon die Lust verliert…

 

Fazit unserer Besteigung des Calmont Klettersteigs an der Mosel

Den Calmont Klettersteig in Ediger-Eller an der Mosel können wir wirklich nur jedem empfehlen, der gerne wandert. Man sollte aber ganz sicher seine eigenen Fähigkeiten kritisch hinterfragen. Wer häufiger mal auch längere Etappen wandert wird hier vermutlich keine allzu großen Probleme bekommen. Man muss aber bedenken, dass der Weg nicht nur steil ist. Sondern das stetige Auf und Ab lässt einen hier viele Höhenmeter bergauf und bergab kraxeln.

Neben der eigenen Fitness und Fähigkeiten sollte man zudem auch diese seiner Mitwanderer kritisch einschätzen können! Uns kam auf dem gesamten Weg nur ein Hund entgegen. Und der war gerade klein genug, dass er durch sein Herrchen unter’m Arm getragen werden konnte. Tatsächlich würden wir wohl eher dazu raten, das arme Tier daheim zu lassen.

Gleiches kann aber auch unter Umständen für Kinder gelten. Sind die Kinder noch klein – ich wüsste nicht, ob ich sie so steil und eng am Abhang wandern ließe. Noch dazu: viele Hindernisse dürften für Kinder einfach deutlich schwieriger zu nehmen sein. Es gibt Stahlseil-Geländer, die möglicherweise von den noch kürzer gewachsenen Kindern schlicht nicht genutzt werden könnten. Wegen dem notwendigen Abstand zwischen Fußlauf und Geländer.

Wer aber die eigenen Fähigkeiten, die der Gruppe sowie die Wetterumstände sicher einschätzt, der hat hier in festem Schuhwerk ganz sicher seinen Spaß! Und mit einem Ausblick der ersten Klasse wird man obendrein belohnt!

Wir können daher den Calmont Klettersteig in Ediger-Eller uneingeschränkt weiter empfehlen!

 

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

Ein Gedanke zu „Wandertipp: der Calmont Klettersteig an der Mosel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *