Mach‘ bessere Fotos – nutze die Blaue Stunde

Es ist Freitag. Und was heißt das? Auf #VANweh ist mal wieder #ff – #fotofreitag. Aber sowas von! Freitags widmen wir uns der Fotografie. Und so zeige ich dir hier immer wieder Tipps & Tricks rund um den Einstieg in die Reise- bzw. Landschaftsfotografie. Nachdem ich dir vergangene Woche verraten habe, welche Objektive bei mir auf der Reise keinesfalls fehlen dürfen, wirst du heute etwas mehr über die Blaue Stunde erfahren. Was das ist, wieso sie so heißt – und wie sie deine Fotografie verändern wird!

 

Wo die Blaue Stunde ihren Ursprung nahm

Ich glaube die Blaue Stunde ist eigentlich zunächst gar kein Begriff aus der Fotografie heraus. Zumindest nicht ursprünglich. Denn eigentlich entsprang dieser Begriff eher dem literarischen Bereich. In dem man mit der Blauen Stunde besondere Gefühlsduselei ausdrückte. In der Fotografie wurde diese Metapher dann wohl eher adaptiert.

Egal wie. Sicherlich hast du längst erraten, dass die Blaue Stunde auch in der Fotografie für etwas steht, dass mit besonderer Harmonie im Zusammenhang steht. Und mit dieser Vermutung liegst du gar nicht mal so weit weg von der Wahrheit!

Um bei gleicher zu bleiben will ich dir noch folgenden Tipp geben: sprechen Fotografen von ihr, dann beziehen sie sich tatsächlich auf eine Zeit. Eine Tageszeit. Keine bestimmte zwar, die jeden Tag gleich wäre. Aber eine relative.

Okay, machen wir es nicht komplizierter als es ist: die Blaue Stunde ist die Zeit direkt nach Sonnenuntergang, wenn gerade noch so viel Umgebungslicht vorhanden ist, dass die Motive noch gut sichtbar sind. Es ist also noch nicht vollständig dunkel. Häufig, gerade im Sommer, scheint dann auch der Himmel förmlich ‚zu brennen‘.

Als Beispiel soll dir mal eines meiner Fotos vom Kurzurlaub in Stockholm im letzten Sommer dienen. Da erkennst du recht gut, was ich meine.

 

 

Was die Blaue Stunde so magisch macht

So richtig magisch werden die Bilder bei dieser Aufnahmesituation gar nicht mal alleine durch den magisch leuchtenden Himmel. Nein, etwas anderes ist viel charakteristischer. Nämlich sind es die häufig flachen Kontraste.

Der Unterschied zwischen Hell und Dunkel ist also in solchen Situationen nicht mehr so krass, wie noch am Tage bei hellstem Sonnenlicht. Das führt insgesamt zu einer ruhigen und sehr harmonischen Bildstimmung. Daher vielleicht auch der Namensklau aus der Lyrik! Natürlich bilden ‚brennende Himmel‘ zu den tollen, dunklen Blautönen wieder tolle Kontraste, die für einen klasse Akzent sorgen!

 

Warum sie trotzdem nicht die Magische Stunde heißt

Na klar. Die Blaue Stunde. Sie ist harmonisch und wirkt magisch, fast bezaubernd auf den Betrachter. Dann lass uns doch auch ganz einfach von der Magischen Stunde reden?! Klingt doch logisch?

Ja, logisch ist es schon. Das Problem nur: der Name ist bereits belegt. Sogar auch in der Fotografie. Nämlich für die Goldene Stunde. Was das schon wieder ist?! Das ist genau die Zeit unmittelbar nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang. Vor! Erinner‘ dich: die Blaue Stunde ist direkt nach Sonnenuntergang. Kann aber auch genauso gut vor Sonnenaufgang liegen.

 

Was du jetzt mit dem Wissen anstellen sollst

Im ersten Moment erkennt man den Mehrwert solcher Informationen nicht. Nie. Egal bei welchem Thema. Du weißt jetzt einfach, dass es eine Goldene und eine Blaue Stunde gibt. Beide spielen sich jeweils rund um Sonnenauf- und Sonnenuntergang ab. Soweit so gut.

Aber was heißt das denn im Umkehrschluss? Denk mal scharf nach! Hörst du noch, wie dein Freund oder deine Freundin vergangenen Samstagmittag beim Mittagsspaziergang sagte du sollest mal besser ins Licht rücken, in die Sonne, damit es ein schönes Foto gäbe? Oder wie du das letzte Mal auf Städtereise in der Mittagshitze dich mit der schweren Kamera abgeplagt hast? Weil doch gerade die Sonne so schön schien?

Na, ist der Groschen schon gefallen? Merkst du was? Wenn doch die Goldene und die Blaue Stunde so besonders magisch sein soll – dann heißt das doch eigentlich im Umkehrschluss, dass die Mittagszeit und die Mittagssonne wohl eben gerade NICHT zu sein scheint! Offenbar werden also die Bilder, die du in dieser Zeit aufnimmst, entgegen aller bisheriger Annahmen gar nicht so prall!

 

Wieso du die Mittagssonne mit Kamera eher meiden solltest

Und genau so ist es auch! Was habe ich mich auf Reisen schon mit dem Equipment rumgeschleppt. Fünfunddreißig Grad am Gardasee. Mittagssonne. Und ich bepackt wie ein Lastenesel deluxe auf meinem Fahrrad. In der prallen Sonne. Die Seepromenade entlang geradelt. Völlig geschafft, war ich so stolz bei dem klasse Wetter einige Superfotos eingefangen zu haben. Dachte ich!

Doch wehe dem Abend! Als ich die Bilder dann auf dem Laptop betrachtete gefielen sie mir überhaupt nicht. Sie waren und wirkten total ‚flach‘. Insgesamt sehr hell. Der strahlend blaue Himmel war kaum unter Kontrolle zu bringen und wirkte auf dem Foto häufig blass, fast ausgebrannt.

Tatsächlich ist die Mittagssonne eine der herausragenden Disziplinen um wirklich tolle Fotos zu machen. Die grelle Sonne verzeiht dir hier häufig nur sehr wenig. Außerdem: du schleppst dich einfach kaputt. Quälst dich nur unnötig. Lass das künftig einfach mal sein! Nutze lieber das Gelernte: weiche auf Sonnenauf- und Sonnenuntergänge aus!

Ich will dir damit nicht raten, dass du künftig nur noch Sonnenauf- und -untergänge am Strand fotografieren sollst. Sodass du eine Millionen Mal das gleiche Bild von unterschiedlichen Stränden aus aufgenommen hast. Auf keinen Fall! Aber ich rate dir: geh mal vor Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang spazieren!

 

Achte auf die Zeit – plane sie richtig!

Ist dir eben an dem Satz etwas aufgefallen? Vielleicht irgendetwas merkwürdig vorgekommen? Nein, du bist nicht gestolpert? Lies ihn noch mal. Aufmerksam.

Na klar. Da war’s: ich sagte eingangs du triffst die Blaue Stunde VOR Sonnenaufgang und NACH Sonnenuntergang an. Aber ich habe dir eben dazu geraten vor Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang spazieren zu gehen. Wieso? Wieso sollst du VOR Sonnenuntergang spazieren gehen, wenn doch die Blaue Stunde erst NACH Sonnenuntergang einsetzt?!

Das ist ganz einfach: sei wie immer im Leben vor der Zeit! Wann fährst du dein Auto zum TÜV – bevor oder nachdem gleicher abläuft? Wann ziehst du die Winterreifen auf dein Auto – vor oder nach dem Winter? Wann suchst du deinen Fotospot, wenn du diesen direkt nach dem Sonnenuntergang fotografieren willst? Na? Vor oder nach dem Sonnenuntergang? Richtig: bevor!

Natürlich brauchst du Zeit um den Spot zu finden. Das solltest du aber möglichst nicht erst direkt vor dem Sonnenuntergang tun. Wie du das am Besten machen kannst und was dir dabei helfen wird, hatte ich dir ja schon einmal gezeigt.

Aber auch wenn du deinen Foto-Spot kennst und dir der Weg dorthin bekannt ist. Alles gerichtet und zusammengesucht ist. Vergiss eines nicht: du hast nur eine Chance. Eine. Die Blaue Stunde trägt zwar ‚Stunde‘ im Namen. Das ist aber häufig trügerisch! Nicht immer und überall auf der Welt muss diese Stunde tatsächlich eine Stunde dauern. Sehr häufig ist sie (sehr) viel kürzer!

Ich erinnere mich da an die Vesterålen in Norwegen. Wir wollten nur schnell auf den kleinen Hügel vor der Hütte kraxeln. Ach Gott, was haben wir uns da verschätzt! Wir waren 1,5 Stunden unterwegs. Und der ‚Hügel‘ viel größer als gedacht. Aber so schlecht wir auch geschätzt und geplant hatten: wie waren einfach vor der Zeit! Wir waren rechtzeitig unterwegs. Und hatten dann auch nur noch wenige Chancen, auf dem Hügel angekommen. Die Sonne stand schon tief als wir dort waren. Wie wir mit dem Aufbauen fertig waren versank sie dann vollends. Und kurz drauf war es Nacht!

 

 

Vergiss Aufbau und Einstellungen bei der Planung nicht

Hier gilt der altgediente Spruch: gut vorbereitet ist halb gewonnen! Denn wenn du den Spot deiner Wahl dann auch vor Sonnenuntergang noch erreicht hast, gilt es jetzt noch alles aufzubauen. Und glaube mir: die Fotografie zur Blauen Stunde braucht ein wenig Equipment. Filter kannst du einsetzen – musst du aber nicht. Was ich dir aber auf jeden Fall raten würde: nutze ein Stativ, zumindest aber eine sichere und feste Auflage. Wie Beispielsweise einen Bohnensack oder ähnliches.

Ich persönlich favorisiere das Stativ. Und das will dann auch noch aufgebaut und in Stellung gebracht werden. Die Kamera vom Bildausschnitt her korrekt positionieren und justieren. Und dann noch alle Einstellungen rund um Blende, Schärfentiefe, Belichtungszeit und ISO-Wert eingeben. Brauchst du dabei Hilfe? Dann schau noch mal in meine Beitragsreihe rund um das magische Dreieck der Fotografie rein!

Und vergiss eines nicht: wenn die Werte einmal eingestellt sind, ist die Aufnahme noch lange nicht im Kasten! Du musst den richtigen Moment abpassen. Du musst aber auch dein Umfeld, deine Umgebung und das Licht beobachten! Denke dran. Du wartest den Moment direkt nach Sonnenuntergang ab. D.h. die Sonne ist schon weg. Aber es ist noch nicht ganz dunkel.

Erfahrungsgemäß wird es nachts aber immer dunkel (in unseren Breitengraden zumindest). Denke also dran, dass es von Sekunde zu Sekunde, von Minute zu Minute dunkler werden wird. Du bist also gefordert ständig die vorgenommen Einstellungen und die Lichtverhältnisse im Blick zu behalten. Und gegebenenfalls die Werte nachzujustieren.

 

Fazit – warum du auch weiterhin deine Kamera tagsüber mitnehmen solltest

Viele Gründe, gute Gründe sogar, sprechen also dafür deine Fotografie in die Randbereiche des Tages zu verlagern. Insbesondere auf Reisen. Das kann sogar den Vorteil bringen, dass du als einziger Fotojunkie auf Gruppenreisen die Gruppe nicht weiter ausbremst. Denn du kannst in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden mit der Kamera auf Fotojagd gehen. Und dich so eventuell losgelöst von der Gruppe und fokussiert auf die Fotografie bewegen!

Trotzdem rate ich dir, deine (Reise-)Fotografie nicht ausschließlich auf diese Tageszeiten zu beschränken. Denn dann sehen alle deine Fotos ähnlich aus. Außerdem wirken Städte und Menschen im Tageslicht wieder ganz anders als in den harmonischen Abendstunden. Wenn nahezu alles für einen kurzen Moment plötzlich harmonisch wirkt.

Gerade in heißen Sommertagen oder hitzigen Regionen solltest du darüber nachdenken deine Kameraausrüstung tagsüber einfach mal zu hause zu lassen. Wenn vielleicht die Bilder eh eher weniger brauchbar ausfallen werden. Dann verschiebe das vielleicht lieber in die Abendstunden. Und erspar dir das Geschleppe. Das wird nicht nur deine Nerven schonen, sondern auch die aller Mitreisenden!

 

 

Wie du gesehen hast ist die Blaue Stunde also eine tolle Tageszeit für grandiose Fotos! Was du technisch bei solchen Lichtsituationen beachten solltest, wie du mit einem Stativ richtig umgehst und worauf du beim Stativ-Kauf eventuell achten solltest, das werde ich dir demnächst verraten. Wenn du selbst schon Erfahrungen mit der Blauen Stunde gesammelt hast oder du noch Fragen dazu hast, dann schreib‘ das ruhig in die Kommentare! Gerne stehe ich dir aber auch für Rat und Tat über das Kontaktformular zur Seite!

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

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