Erreiche mit dem richtigen Kameramodus das nächste Level!

Wieder einmal Freitag. Wieder einmal Zeit dafür, uns mit der Fotografie zu beschäftigen. Es ist #ff #fotofreitag. Und die Gelegenheit wollen wir ein Mal mehr dafür nutzen, uns ein paar weitere Basics der Fotografie anzuschauen.

Es ist zwar schon ein paar Tage her, aber sicher kannst du dich noch an die vierteilige Artikelserie ‘Das magische Dreieck der Fotografie’ erinnern. Wenn nicht – auch nicht schlimm, lies einfach noch mal nach! Denn der heutige Beitrag setzt diverse Begrifflichkeiten aus der Artikelserie voraus.

Es soll zwar heute nicht im Detail um Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert gehen. Aber alle drei Begriffe spielen auch heute wieder durchaus eine Rolle! Wir wollen uns heute nämlich mal den zur Verfügung stehenden Kameramodus anschauen. Oder besser die Modi! Und ich will dir eine Empfehlung aussprechen, welchen Modus du künftig nutzen solltest!

 

Welche Kameramodi werden überhaupt angeboten?

Wie wir wissen ist es bei der Fotografie, wie bei so vielen technischen Geräten: es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Hersteller und Marken. Die Grundtechnik haben alle Geräte und Hersteller gemein, der Unterschied liegt meist im Detail.

So verwundert es nicht wirklich, dass es etwa eine Hand voll Kameramodi gibt, die du vom Grundprinzip her ganz sicher bei jeder Kamera, egal welcher Hersteller und egal welcher Kameratyp, finden wirst: den manuellen Modus, die Zeitpriorität, die Blendenpriorität und die Programmautomatik. Nicht selten gibt es daneben häufig noch einen Modus, der explizit ohne Aufhellblitz der Kamera arbeitet.

Neben den genannten Modi gibt es zudem häufig eine große Auswahlmöglichkeit an speziellen Programmen. Diese werden meistens Szenerien genannt. Dort werden also gewisse Kameraeinstellungen (Blende, Belichtungszeit, ISO-Wert, Weißabgleich, usw.) voreingestellt. Unter der Annahme, dass diese Einstellungen für eine bestimmte Aufnahmesituation, wie beispielsweise Sonnenuntergang oder Feuerwerk, essentiell sind.

Zusätzlich zu den vier bis fünf Standard-Modi und den Szenerien, ist (mindestens) ein weiterer Kameramodus häufig die Videofunktion der Kamera. Manchmal gibt es zudem noch einen Panorama- bzw. Stitch-Mode und eventuell noch eine intelligente Automatik oder so etwas.

Wie du weißt, fotografiere ich persönlich mit einer Sony-Kamera. Wieso, weshalb, warum – will ich hier gar nicht diskutieren. Hatte ich ohnehin bereits an anderer Stelle getan. Ich möchte nur vorsichtshalber darauf hinweisen, dass du eventuell ein Modell eines anderen Herstellers in Händen hältst. Sowohl die zur Verfügung stehenden Modi deiner Kamera, als auch deren Bezeichnungen können daher von denen, die ich genannt habe und nennen werde, abweichen. Das braucht uns aber eigentlich nicht zu stören. Wir werden ohnehin nur auf die ‘wichtigen’ Modi eingehen. 😉

 

Wie du nun einen Kameramodus auswählst

Jetzt habe ich schon einiges über die Modi verraten. Oder zumindest versucht dir einen Überblick zu verschaffen. Wo wir noch gar nicht darauf eingegangen sind: wie, wann und wo wählt man nun eigentlich den Modus?

Das ist in der Tat eine wichtige Frage. Denn um überhaupt ein einziges Foto machen zu können, musst du einen Modus gewählt haben. Aber, aufgepasst: es gibt keine Situation, in der man ‘keinen Modus gewählt’ hätte. Zwangsläufig ist es so, dass die Kamera immer in einem der Modi eingestellt ist! Da musst du also dran denken, wenn du deine Kamera in die Hand nimmst!

Bei Auslieferung sind die Kameras meistens in der Programmautomatik eingestellt. Um diese Einstellung zu ändern, bedienen sich die meisten Hersteller eines sog. Moduswahlrades. Nicht nur bei Spiegelreflexkameras findest du dieses Wahlrad in der Regel links oder rechts oben, auf dem Kamerabody. Durch drehen dieses Rads nach links oder rechts springst du in den jeweils nächsten Modus. Welcher Modus gerade eingestellt ist, siehst du eigentlich immer an einem weißen Strichelchen seitlich des Wahlrads auf dem Body.

Der Modus, der sich auf Höhe dieses Strichs befindet, ist derzeit in deiner Kamera eingestellt. Nicht irritieren lassen: die Hersteller nutzen natürlich (internationale) Abkürzungen. Die wichtigsten wollen wir uns schnell anschauen! Und wenn ich von den wichtigsten rede, dann meine ich – wie schon oben – Programmautomatik, Blendenpriorität, Zeitpriorität und Manueller Modus. Alle anderen Modi wollen uns hier und heute nicht interessieren.

 

Wieso wir uns auf vier Modi konzentrieren

Sicher hast du Recht: du hast dir die Kamera viel Geld kosten lassen. Und jetzt sollst du mehr als die Hälfte aller Programme von vornherein links liegen lassen?! Ja, solltest du! Das ist zumindest meine persönliche Meinung. Ich habe schon viel ausprobiert mit meiner Kamera. Aber auch die Modi wie intelligente Programmautomatik oder Szenerie konnten mich nie überzeugen!

Und das will ich nicht einfach so im Raum stehen lassen. Ich nenne dir lieber gleich Gründe. Nämlich musst du bei den Szenerie-Einstellung grundsätzlich vor jeder Aufnahme überlegen, welche Art von Aufnahme du gerade machen möchtest. Und anschließend überprüfen, ob diese korrekte Szenerie auch gerade in der Kamera eingestellt ist. Noch dazu musst du hoffen, dass es die gewünschte ‘Szene’ überhaupt auszuwählen gibt. Denn meist handelt es sich bei diesen Programmen um eher ungewöhnliche Aufnahmesituationen, wie Unterwasser, Schnee, Feuerwerk oder Sonnenuntergang. Für unsere Reisefotografie also vielleicht mal interessant, aber nicht den ganzen Tag lang.

Die intelligente Programmautomatik nimmt dir nun die Auswahl der Szenerie ab. D.h. die Kamera will automatisch erkennen können, welche Szenerie der im Moment vorgefundenen Aufnahmesituation entspricht. Das lassen wir einfach mal im Raum stehen. Da wir aber eben schon festgestellt haben, dass wir in der Reisefotografie eher nur ausnahmsweise mit Szenerien arbeiten können, bietet auch dieser Kameramodus keinen häufigeren Nutzen.

Auf den Modus der Videofunktion – oder Videografie – will ich hier und heute ebenfalls nicht eingehen. Denn es soll ja um deine Fotografie gehen. Du siehst also: es macht durchaus Sinn, sich auf die vier genannten Modi zu beschränken.

 

Was verbirgt sich hinter den einzelnen Modi und welchen solltest du nun nutzen?

Die Programmautomatik (P)

So, dann schauen wir uns also die vier wichtigsten Programme der Kamera mal näher an: wir beginnen mal mit der Programmautomatik, bei Sony und auch sonst meist mit ‘P’ abgekürzt. Den großen Vorteil, den sie bietet, trägt sie bereits im Namen: Automatik. Ein Wort, mit dem wir in diesem Jahrtausend oft und öfter, auch im Alltag, konfrontiert werden. Wir verbinden damit ein Gefühl der Bequemlichkeit und der Erleichterung, denn das ist jemand (ein Programm), dass uns die schwere Arbeit abnimmt.

Häufig trifft dies im Alltag auch zu. Bei der Kamera gibt es da aber vielleicht ein Problem. Darauf komme ich gleich zu sprechen. Wichtig: wir merken uns aber, dass die Programmautomatik also sämtliche Einstellungen des magischen Dreiecks für uns vornimmt. Wir Fotografen müssen dann nur noch sehr wenig selbst einstellen. Oder im Klartext: die Programmautomatik wählt Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert anhand der gemessenen Lichtsituation.

Vorteil: alles geht wie von Geisterhand und noch dazu wird das Bild immer korrekt belichtet sein. Gleich dazu mehr.

 

Die Zeitpriorität (S / Tv)

Nun nehmen wir uns mal die Zeitpriorität vor. Korrekterweise handelt es sich um die (Belichtungs-)Zeitvorwahl. Im Englischen spricht man dann also von der shutter priority oder auch des time value. Bei meiner Kamera wird dieser Modus also mit einem ‘S’ abgekürzt, andere Hersteller nutzen aber auch das ‘Tv’.

Wie das Wort der ‘Zeitpriorität’ also schon andeutet, arbeitet der Modus so, dass der Fotograf die (Belichtungs-)Zeit einstellt. Durch die Belichtungsmessung der Kamera wird dann der zu dieser Belichtungszeit in der vorgefundenen Aufnahmesituation passende Blendenwert ermittelt und eingestellt.

Vorteil: auch hier wirst du also immer ein korrekt belichtetes Bild erhalten. Du musst nichts rechnen und nichts abschätzen, sondern einfach die gewünschte Belichtungszeit voreinstellen. Den Rest ermittelt die Kamera.

Nachteil: du hast hier keinen Einfluss auf die Blende. Schließlich übernimmt das ja die Automatik. Die Kamera wird also nur nach Lichtverhältnissen entscheiden und die hierzu passende Blende ermitteln. Was die Kamera nicht berücksichtigen kann, ist die Bildgestaltung. Übertrieben gesagt, kann es dann passieren, dass du auf Reisen bei entsprechend kurzer Belichtungszeit ein Landschaftsfoto mit Blende 3.0 machen wirst. Oder ein Porträt mit Blende 19.0. Denke also daran, dass du in diesem Modus die Schärfentiefe nicht beeinflussen kannst! Du bist hier abhängig von der Kamera bzw. von den Lichtverhältnissen und deiner Zeitvorwahl!

 

Die Blendenpriorität (A / Av)

Die Blendenpriorität (kurz ‘A’ für englisch aperture priority oder ‘Av’ für aperture value) arbeitet nun genau umgekehrt zur Zeitpriorität. Hier wählt der Fotograf nämlich gerade nicht die (Belichtungs-)Zeit vor, sondern die Blende. Wieder berechnet dann die Kamera mittels der eingebauten Belichtungsmessung die hierzu passende Belichtungszeit.

Vorteil: wieder erhältst du ein korrekt belichtetes Bild. Und wieder musst du nicht mitrechnen wie sich die veränderte Blendenzahl zwischen zwei Bildern auf die Belichtungszeit auswirkt. All das macht die Kamera für dich, automatisch.

Nachteil: die Kamera versteht noch immer nichts von der Bildgestaltung. Die Automatik wird wieder völlig ‘stumpf’ die zur Blende passende Belichtungszeit ausrechnen und einstellen. Was kann nun passieren? Na klar, wie schon das magische Dreieck besagt, kann es nun dazu kommen, dass du zwar ein korrekt belichtetes Foto sowie den gewünschten Effekt bei der Schärfentiefe erhältst. Es könnte aber, gerade auf Reisen, Aufnahmesituationen geben, in denen du so zum Beispiel einen ungewollten Wischeffekt erhältst oder statt des gewünschten Wischeffekts ein eingefrorenes Bild. 

 

Der Manuelle Modus (M)

Der manuelle Modus ist nun der vierte und letzte Kameramodus, den wir uns im Detail ansehen wollen. Er ist zugleich so etwas wie die ‘Kür’. Und gewiss der komplizierteste Modus! Wie der Name schon verrät, musst du hier sämtliche Einstellungen manuell einstellen. Es gibt keine Automatik, die dir hier hilft. Also musst du Blende, Belichtungszeit (und ISO-Wert) manuell einstellen.

Tipp: Übrigens würde ich dir ohnehin empfehlen, den ISO-Wert immer (!) selbst einzustellen! Gehe auf Nummer sicher und stelle den ISO-Wert immer auf 100 ein. Denk dran, dass du ihn bei Bedarf korrigieren kannst. Aber vermeide die ISO-Automatik. Ansonsten geht vielleicht schon tagsüber bei bestem Licht plötzlich der ISO-Wert hoch. Und die Folgen, rauschende Bilder, kennen wir ja sicher alle. Das will keiner haben – es sei denn als gewolltes Stilmittel im Foto. Dann stell es aber bewusst ein.

Vorteil: du hast nun im ‘M’-Modus alles selbst in der Hand. Du wählst die Werte für Blende und Zeit nach den beabsichtigten Bildeffekten und Gestaltungsmitteln. Im Besonderen achtest du dabei auf Schärfentiefe und Wischeffekt.

Nachteil: du musst nun die zueinander passenden Werte finden, um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten. Sicher wirst du so am Anfang Fotos machen, die entweder (stark) überbelichtet oder unterbelichtet sind.

 

Und welchen Kameramodus solltest du jetzt nutzen, um deine Reisefotografie auf den nächsten Level zu bringen?

Wenn es darum geht, das nächste Level zu erreichen und deinen persönlichen Horizont zu erweitern, dann heißt meine Antwort und Empfehlung auf diese Frage ganz klar: Manueller Modus! Hierdurch wirst du ganz sicher die Zusammenhänge in der Fotografie erst so richtig verstehen.

Aber: pass auf! Gerade deine ersten Gehversuche im ‘M’ solltest du bitte nicht auf (teuren) Reisen machen! Rechne damit, dass du zu Beginn zunächst viele unbrauchbare Bilder mitbringen wirst. Deswegen überlege mit Bedacht, wo und wann du den ‘M’-Modus in der Anfangszeit einsetzt!

Es ist natürlich auch keine Schande weiterhin im ‘S’– und ‘A’-Modus zu fotografieren! Das tue ich noch heute hin und wieder. Gerade wenn du noch nicht lange fotografierst und/oder vielleicht auch deine Kamera noch nicht richtig beherrschst, kann es sich empfehlen zunächst weiter in diesen beiden Modi zu bleiben. Versuche aber immer auch mal bewusst die Werte, die die Kamera errechnet zu beobachten. Das hilft auch ungemein.

Generell helfen die beiden Modi auf Reisen ungemein! Nicht immer wirst du unterwegs die Zeit haben Blende und Zeit einstellen zu können und auch noch auf die korrekte Belichtung zu achten. Zu oft gibt es Situationen, in denen es auf den Moment ankommt, in denen du als Fotograf schnell sein musst. Quasi ‘now or never’. Und wenn dann die Kamera in ‘M’ steht und du noch was einstellen musst – dann wirst du in die Röhre gucken.

Ich versuche zwar soweit wie möglich alles manuell zu fotografieren. Habe ich auf Reisen aber den Foto in der Tasche oder ausgeschaltet in der Hand, versuche ich ihn im ‘A’-Modus zu halten. Die Blende ist also vorgewählt. Kommt mir nun ein tolles Motiv vor die Nase gesprungen, zücke ich die Kamera und kann abdrücken. In dem Wissen ein korrekt belichtetes Bild in Händen zu halten, dass auch die (für mich) ‘korrekte’ Schärfentiefe aufweist. Mögliche Wischeffekte sind mir dann meist relativ. Einen ‘Tod’ muss man in solchen Situationen leider ja sterben.

 

Wieso du nie wieder in der Programmautomatik knipsen solltest

Abschließend noch das versprochene Wort zur Programmautomatik ‘P’: vergiss diesen Modus! Bist du absoluter Einsteiger in der Fotografie? Okay. Um ein Gefühl für das Handling deiner Kamera zu bekommen, kannst du wegen mir die aller ersten zehn Fotos in ‘P’ machen. Aber keines mehr! Wieso? Weil hier alles die Kamera automatisch macht. Du wirst als Fotograf nicht gefordert. Schlimmer noch, du kannst nichts gestalterisch beeinflussen! Und noch schlimmer: im Grunde weiß man gar nicht, was die Automatik hier macht.

In ein und derselben Lichtsituation wären abertausende von Kombinationsmöglichkeiten aus Blende und Belichtungszeit denkbar. Wenn man als Ziel hat – so wie es die Automatik tut – nur ein korrekt belichtetes Foto zu erhalten. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, mit welchen Algorithmen oder wie auch immer die Automatik an dieser Stelle arbeitet. Aber ich würde mich nicht drauf verlassen wollen, dass da am Ende ein (gestalterisch) brauchbares Ergebnis bei rauskommt. Also: Finger weg von dem ‘P’-Modus! Das zumindest mein Tipp.

 

Wie dir jetzt endlich der Aufstieg ins nächste Level gelingt

Versuche ‘A’ und ‘S’ zu verstehen. Hast du das erreicht, dann versuche dich am nächsten Level, dem ‘M’. Mach dabei aber immer wieder bewusste Schritte zurück auf ‘A’ und ‘S’. So habe ich noch immer brauchbare Fotos von meinen Reisen mit nach Hause gebracht!

 

Zum Abschluss dieses Beitrags will ich dir noch einen wichtigen Praxis-Tipp geben: bevor du mit deiner Kamera losziehst, solltest du immer, wirklich immer kontrollieren, welcher Modus gerade eingestellt ist. Überlege, ob du diesen heute bzw. als erstes nutzen wirst. Wenn ja, behalte ihn bei. Wenn nein, dann ändere den Modus direkt ab! Hätte ich das immer beherzt – ich hätte mir schon viel Ärger erspart. 😉

 

So, und jetzt würde ich gerne von dir wissen, welchen Kameramodus du am Liebsten nutzt? Wie machst du das Ganze auf Reisen? Nutzt dort auch nur den einen Modus, arbeitest du vielleicht ähnlich wie ich oder hast du sogar noch einen anderen Tipp? Lass es uns wissen. Ich bin gespannt!

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten ‘9 to 5 job’. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *