Hast du schon vom Märchenwald gehört? Ich war wirklich da!

Märchen ziehen uns schon seit den frühen Kindestagen in ihren Bann

Schon als kleines Kind wird einem viel über den Märchenwald erzählt. Oder zumindest erzählen die Eltern gerne Märchen und lesen diese aus Büchern vor. Der Märchenwald ist daher häufig ein Zufluchtsort, an dem Unwahrscheinliches passieren kann. Ein Ort, der nur durch die Fantasie des Kindes begrenzt ist. Oder man könnte auch sagen er ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort gibt es alle Sorten von Menschen und Fabelwesen, es passieren unglaubwürdige, weil märchenhafte, Dinge.

Warum ich dir das erzähle? Längst weißt du doch, dass es diesen Ort, diesen einen Märchenwald, gar nicht gibt. Es kann ihn nicht geben, keine Elfen geben. Keine Fabelwesen. Oder etwa doch?

Natürlich gibt es keine Elfen und auch keine Fabelwesen. Und natürlich gibt es keinen Märchenwald. Keinen richtigen jedenfalls. Aber ich war vor Kurzem an einem Ort, der zumindest den Kleinsten und Jüngsten unter uns, als ein Hain der Märchen- und Fabelwelt vorkommen muss. Wo das war und was daran so märchenhaft war, zeige ich dir heute!

 

Dass es den Märchenwald nun wirklich geben könnte, glaubst du noch nicht so recht?!

Wenn ich von Märchenwald spreche denkst du vielleicht an Wölfe, Geisslein, Hexenhäuschen oder Brotkrumen auf dem Waldweg. Leider muss ich dich da zu Beginn gleich einmal enttäuschen. Ganz so märchenhaft wird es nicht. Aber, ich habe etwas ganz anderes zu bieten! Zauberhafte Figuren und Gesichter. Geschnitzt von Künstlerhand.

Denn vergangenen Sonntag haben wir den Bingerwald aufgesucht. Nordwestlich von der gleichnamigen Stadt am Rhein gelegen, verfügt der Wald über ein riesiges Areal. Noch dazu über ein schier unendliches Netz an Wald- und Wanderwegen. Nur kurz zum Überblick: unter anderem führt durch den Wald bzw. grenzt an ihn an der Soonwaldsteig, der Erlebnispfad Binger Wald, der Jakobsweg, der europäische Wanderweg E8 und, als wohl bedeutendster für den Wald, der RheinBurgenWeg.

Wir wollen uns aber heute die Baumgeister-Tour anschauen. Ein Premium-Wanderweg, der sich in Teilen der Route des RheinBurgenWegs bedient. Allerdings handelt es sich bei der Tour um einen Rundweg. Wahlweise kann dieser nach persönlichen und individuellen Bedürfnissen aber auch abgekürzt oder nur in Teilen gegeben werden.

So haben wir es letzte Woche zum Beispiel gemacht. Unter anderem, da wir erst recht spät in die Wanderschuhe schlüpften. Und weil es die letzten Wochen zuvor stark geregnet hatte und wir die ein oder andere Pfütze zusätzlich zu queren hatten. Matsch und Schlamm waren also angesagt, und so beschränkten wir unsere persönliche Baumgeister-Tour auf eine Route von etwa 6 Kilometer. Doch langsam!

 

Die Baumgeister-Tour durch den Bingerwald

Die Tour hat ihren offiziellen Beginn am Jägerhaus im Bingerwald. Einem Forsthaus mit Gastronomie. Gegen den Uhrzeigersinn startet von dort die 15,7 Kilometer lange und stets sehr gut ausgeschilderte Rundtour. Quer durch den ‘Märchenwald’, hinab zum Forsthaus Heilig Kreuz, von dort oberhalb und parallel des Rheines bis hin zur Burg Rheinstein. Weiter in nördlicher Richtung bis kur vor Erreichen der Burg Reichenstein. Dann geht es westlich durch den Bingerwald, später südlich, wieder zurück zum Ausgangspunkt, dem Jägerhaus. Insgesamt macht man so gut 660 Höhenmeter – hoch und runter – und sollte etwa 5 Stunden einplanen.

Die hatten wir leider nicht zur Verfügung. Daher brachen wir die Tour etwa einen Kilometer nördlich des Forsthauses Heilig Kreuz ab. Erlebt und gesehen haben wir trotzdem so einiges!

 

…und wie du sie zu deinem ganz persönlichen Wanderhighlight machen kannst!

Egal, wie viel Zeit du zur Verfügung hast und wie sehr du die Route auch zusammenkürzen möchtest: starte am Jägerhaus. Und laufe entgegen des Uhrzeigersinns. So erreichst du als erstes die schöne und idyllische Steckeschlääferklamm. Nein, kein Tippfehler! Die heißt wirklich so! 😉

Baumgeister-Tour
Wir betreten also die Steckeschlääferklamm

 

Durch die Steckeschlääferklamm verläuft der Hasselbach, der der Klamm ihren Charakter, aber auch sein Klima, verleiht. Hier herrscht super Luft, eine gute Luftfeuchte und sicher auch im Hochsommer angenehme Temperaturen.

Die Klamm ist gleichzeitig der Märchenwald. Nicht nur für Kinder. Neben vielen Querungen des Baches mittels kleiner und kurzer Holzbrücken und -brückelchen, bietet die Klamm hohe Baumkunst! In Form von in den Baum geschnitzte Figuren und Köpfe.

Unzählig viele Köpfe haben so im Laufe der Zeit ihren Weg in das Holz gefunden. Und schmunzeln dem Wandersmann entgegen, gucken ihn griesgrämig an oder wirken teilweise sogar verstörend beim Betrachter. Nichts ernstes, aber gerade für die Kleinen ein riesengroßes Abenteuer!

Aber nicht nur die Jüngsten kommen bei einer Wanderung auf der Baumgeister-Tour auf ihre Kosten. Auch für die Alten ist etwas dabei. Denn die Figuren und Gesichter sind wirklich überzeugend geschnitzt. Gerade auch die häufig sehr versteckt liegenden Gesichter im Holz erfordern volle Aufmerksamkeit der Wandersleute. Damit man aber eine Chance hat alle Gesichter zu finden, sollte man tatsächlich entgegen des Uhrzeigersinnes laufen. Teilweise gucken nur dann die Baumgeister einen an!

Aber keine Angst! Dank unserer ganz eigenen Route sind wir die Klamm in beiden Richtungen durchlaufen. Und glaub mir: wir haben auch beim zweiten Mal noch Baumgeister gesehen, die wir auf dem Hinweg (in eigentlich korrekter Laufrichtung) nicht bemerkt haben! Das Zählen hatten wir übrigens schnell aufgegeben.

Im weiteren Verlauf der Route wirst du die Klamm wieder verlassen. Ein befestigter Waldweg führt dich dann directement zu einer Hängebrücke. Auch die ist ein Abenteuer für Groß und für Klein! Aber auch hier sollte man fairerweise darauf hinweisen, dass sie kein unpassierbares Hindernis darstellt. Beispielsweise für Leute mit Höhenangst oder Schwindelanfällen sollte es auch sehr gut zu machen sein!

Baumgeister-Tour
Die Hängebrücke im Bingerwald

 

Von hier aus führt der Weg weiter hinab, bis man dann eine asphaltierte Straße erreicht. Diese geht man etwa weitere 200 Meter bergab. Bis man dann das Forsthaus Heilig Kreuz erreicht. Dieses lässt man rechts liegen und kehrt dann auf den Waldweg zurück. Dieser verläuft ab hier parallel des Rheines. Sicherlich für fünf Kilometer, eher mehr. Wir sind ab hier nur noch etwa einen Kilometer weiter gewandert. Um zumindest noch den überragenden Aussichtspunkt am Wegesrand mitzunehmen.

Von dem Aussichtspunkt aus kann man wunderbar in östlicher Richtung in das Rheintal schauen. Man überblickt Bingen, rechtsrheinisch erkennt man Rüdesheim. Bei gutem Wetter kann man von hier aus sicherlich gut 30 Kilometer weiter schauen. Das ist aber eher eine Vermutung, als gesichertes Wissen.

Baumgeister-Tour
Ausblick in das Rheintal und das Binger Loch

 

Nach einem ausgiebigen Stop und zwei, drei Fotos später schlugen wir dann den Rückweg ein. In umgekehrter Marschrichtung. Zufrieden und begeistert, ob der tollen Baumgeister kehrten wir dann ans Auto zurück. Es war ein echt toller Ausflug und eine wunderbare, kurze Flucht aus dem Alltag. Wir können diese Route uneingeschränkt weiterempfehlen. Gerade mit kleinen Kindern sollte man sich aber wohl eher auf die Etappe in der Steckeschlääferklamm beschränken. Hier gibt es aus unserer Sicht am Meisten zu sehen. Einmal von dem Rheinpanorama abgesehen.

 

Fazit – Die Baumgeister-Tour war eine unserer kurzweiligsten Wanderungen mit Panorama-Kick

Wir waren fast zwei Stunden im Bingerwald unterwegs. Nicht, weil die Route sooo lange gewesen wäre. Nein, weil wir häufig inne gehalten hatten. Zum Suchen und Finden der Baumgeister. Zum Betrachten. Aber auch an dem Panoramablick ins Rheintal. Auch wenn wir direkt aus der Gegend kommen, hat uns diese Route wirklich sehr begeistert und noch immer Neues geboten. Wir waren uns einig, dass uns eine Wanderung noch nie so kurzweilig vorkam wie diese.

Die Wege waren wirklich gut zu gehen. Trotz der vielen, vielen Regentage und hieraus resultierender Liter Regenwasser, waren die Waldwege verhältnismäßig erstaunlich gut in Schuss. Man merkt, dass die hier angelegten Wanderwege als Tourismus-Frequenzbringer verstanden werden. Und daher entsprechend gepflegt werden. Toll zu sehen! Auch dank der sehr guten Wegebeschilderung fühlten wir uns stets auf dem rechten Weg! Verlaufen konnten wir uns gar nicht. Den Holzweg einschlagen auch nicht.

Wir können diese schöne Route auch sehr für Wandereinsteiger empfehlen. Besonders auch für Familien mit Kindern, denen die Baumgeister ein Leuchten in die Augen zaubern werden. Abschließend mag ich nochmal auf unsere persönlich-individuelle Route hinweisen. Wie der weitere Weg zwischen dem Aussichtspunkt und (entgegen dem Uhrzeigersinn) dem Jägerhaus aussieht, kann ich leider nicht beurteilen. Aber nach allem, was ich gesehen habe, erwarte ich dort keine Überraschungen.

 

Warst du auch schon mal auf der Baumgeister-Tour? Oder du kennst einen ähnlichen Märchenwald? Dann lass uns das doch wissen und nutze die Kommentarfunktion! Auf deine Erfahrungen bin ich schon gespannt. Und bin froh und dankbar, dass du diese mit uns allen teilst! 

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten ‘9 to 5 job’. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

3 Gedanken zu „Hast du schon vom Märchenwald gehört? Ich war wirklich da!

  • 27. Juni 2016 um 12:12
    Permalink

    Hallo Mario,

    wie du geschrieben hast, ich habe wohl doch nicht alle Baumgeister gesehen letztens. Ein toller Wanderweg ist es und es hat mir viel spaß gemacht dort zu laufen!
    Wünsche dir alles gute bei den weiteren Reisen!

    Mit sonnigen Grüßen aus Frankfurt
    Jens

    Antwort
    • 27. Juni 2016 um 16:58
      Permalink

      Hallo Jens,

      danke dir für die guten Wünsche und netten Worte! Es ist wirklich schwierig, nahezu ausgeschlossen, ALLE Baumgeister bei einer Wanderung zu finden. Aber gerade das macht ja ein Stück weit den Reiz auch aus. Nicht nur für die Kleinen! 😉

      Viele Grüße nach Mainhattan,
      Mario

      Antwort
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