Auch im Büro kann gesunde Küche gelingen – 30 Tage Paleo

Bevor es hier demnächst wieder straight weiter geht über das Reisen mit und im Van, will ich aber doch noch mal was persönliches einschieben. Denn ich hab‘ dir ja schon von meinem Paleo-Projekt erzählt. Ziel war es für 30 Tage nach Paleo zu essen. Mehr oder weniger streng. Wobei es eigentlich eher ‚zu leben‘ heißen müsste. Denn nur allzu schnell stellt man fest, dass es bei dem Essen nicht aufhört. Warum das so ist, welche Hürden wir in den letzten Wochen überwunden haben und warum wir vergessen haben nach Tag 30 damit aufzuhören – hier erfährst du es zuerst!

 

Meilenstein #1 – es braucht eine krasse Zäsur

Angefangen mit Paleo haben wir Ende März. Und wie! Ich war ja schon immer so ein Ganz oder Gar nicht Typ. Wenn ich mir was in den Kopf setze, dann will ich das auch unbedingt erreichen. Idee – Weg – Ziel. Am liebsten direkt geradeaus. Ohne Umweg. Bestenfalls von jetzt auf gleich.

So war es dann auch mit Paleo. Ich hatte ja schon länger überlegt, wie ich meine Probleme in den Griff bekommen könnte: im Büroalltag gibt es in der fußläufigen Umgebung nur Essbares ohne Mehrwert. Insgesamt war meine gesamte Ernährung zu kohlenhydratlastig. Wobei Mehl- und Milchprodukte die Hauptrolle spielten. Kaum ein Wunder, dass ich oft mal von dem Mittagstief samt Völlegefühl heimgesucht wurde.

Durch unser Treffen mit Claudia und Volker von UMIWO hatten wir beide dann aber neuen Elan das Projekt anzugehen. Eine Ernährungsumstellung. Die Idee von den beiden war im Endeffekt sowas wie unser Katalysator. Wir informierten uns intensiv zu Paleo. Und dann, Mittwochabends, ging es los! Von jetzt auf gleich. ‚Bist du dabei?‘ – ‚Klar. Du also auch?‘ – ‚Ja.‘ Okay, Feuer frei!

Und so spontan wie die Idee geboren war, so radikal war dann auch die Zäsur. Wir räumten voller Eifer noch am gleichen Abend unsere Vorratskammer auf. Was uns dabei so alles in die Hände fiel – ich kann dir sagen!

Als dann alles auf- und ausgeräumt war, auf was wir in den nächsten 30 Tagen würden verzichten müssen, machten wir schnelle Zwischenbilanz: warum steht da drüben (gesammelte Werke, die eben nicht Paleo waren) so viel und hier so wenig? Ohweh, das kann ja was werden!

Also schnell ein paar Rezepte beisammen gesucht. Paleo360 war dabei besonders hilfreich. Von Michaela und Nico haben wir uns dann auch schließlich ein kleines Heftchen zu Paleo sowie ein Buch mit Rezepten gekauft. Zumindest das Buch bekamen wir gebraucht.

 

Meilenstein #2 – der erste Einkauf für die Steinzeit-Zukunft

Mit den ersten Rezeptideen im Gepäck ging es dann durch den größten Supermarkt am Ort. Es sollte sich als gute Entscheidung herausstellen, dass wir im größten Markt mit der größten Auswahl anfingen! Denn dort gibt es nicht nur viel frisches Gemüse und etliches aus biologischem Anbau. Nein, gerade auch das internationale Regal und die eher diät-spezifischen Dinge wie zum Beispiel Leinsamenmehl, ungesüßte Mandelmilch und Koksöl fanden wir dort.

Es sollte sich in den nächsten Wochen herausstellen, dass sich durchaus auch andere, etwas kleinere Supermärkte für den Paleo-Einkauf eignen können. Häufig muss man dann aber mehrere Geschäfte aufsuchen, weil man nicht überall alles erhält.

Beim Einkauf für unseren ersten Steinzeit-Tag konnten wir aber aus dem vollen Schöpfen. Ich erinnere mich nur noch grob an den Speiseplan an Tag 1. Was aber wichtig war: das Frühstück war nicht zu weit von dem Weg, was wir sonst so aßen. Es gab einen Beerenjoghurt. Natürlich nicht mit echter Milch, sondern mit Kokosmilch und tiefgefrorenen Beeren. Dazu ein paar Nüsse und Kokosflocken. So konnten wir in den ersten von 30 Tagen starten, die uns hoffentlich den Weg in ein gesünderes Leben weisen würden.

Diesem Donnerstag folgten dann neun weitere Tage. Schon am zehnten Tag stellte ich dann hier im Rückblick darauf fest, dass wir sicher nicht ganz bei den vollen 100% Paleo waren. Aber das wäre sicher auch wirklich zu viel des Guten gewesen. Wenn man voll berufstätig ist und hier und da morgens etwas zu knapp aus den Federn kommt, dann ist man über etwa erreichte 95% schon froh! Und auch ein wenig stolz darauf.

 

Meilenstein #3 – bekenne dich am Buffett zu Paleo

Mir war eines zu Beginn des Projekts wichtig: ich wollte nicht das Gefühl haben mir etwas unerreichbares aufzubürden (da sind wir wieder bei den 95% Paleo) oder auf irgendwas ‚verzichten‘ zu müssen. Natürlich war ich mir bewusst, dass ich weiß Gott nicht mehr alles würde essen ‚dürfen‘. Aber mir war super wichtig, dass ich während all der Zeit etwas essen würde, was eben meine alten Gewohnheiten ersetzt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass das ‚Verzicht‘ erst entsteht, wenn man meint etwas zu brauchen. Weil nichts anderes es ersetzen könnte. Ich habe mir gut zugeredet, dass es sicherlich Dinge gäbe, die mir mein liebgewonnenes Frühstücksmüsli oder mein Abendbrot mindestens gleich- vielleicht sogar höherwertig ersetzen könnte. Für mich war das ein entscheidender Gelingensfaktor!

Schon am ersten Wochenende – oder besser an Tag 2 – waren wir zu einem fetten Buffett-Essen eingeladen. Mit mehr als 100 Personen. Von denen ich alle kenne. Und sie alle kennen mich. Mensch, war das ’ne Challenge an den ganzen Leckereien vorbei zu gehen! Mit leerem Teller. Was hatte ich für Fragen gestellt bekommen. Ob ich keinen Hunger hätte, zum Beispiel. Bis dann endlich das Fleisch kam. Zum Glück waren die Soßen separat angerichtet. Und es gab tolle Gemüsebeilagen.

Der Abend und das Buffett waren gerettet. Und in mir wuchs der Verdacht, dass es sehr wohl möglich sein kann Paleo zu essen ohne den riesigen Verzicht zu leben. Das Vertrauen in  das Projekt war gestärkt!

 

Meilenstein #4 – die ersten zehn Tage

Auch die nächsten Tage hielten immer wieder neue Herausforderungen für mich parat. Die meisten konnte ich locker meistern. Nur selten musste ich mir selbst in’s Gewissen reden hart zu bleiben. Interessanter Weise aber vergingen die Tage wie im Flug und ich fühlte mich fit und wach wie lange nicht mehr!

Es folgte der erste Projekt-Zwischenbericht hier auf #VANweh. Leider sollte ich schon bald den ersten negativen Rückschlag erleiden.

 

Meilenstein #5 – in mir erwacht der Kaffee-Junkie

Okay. Das ist also wirklich der erste negative Aspekt. Denn ich hatte es etwa 12, 13 Tage durchgestanden. Wobei ich in der ersten Woche gar keinen Kaffe getrunken hatte. Und dann langsam wieder anfing. In der zweiten Woche beschränkte ich mich noch auf eine halbe Tasse am Tag. Und dann kam Tag 13.

Jetzt muss ich aber dazu sagen, dass ich auch davor immer schon gerne und viel Kaffee getrunken habe. Von daher würde ich es eher als außergewöhnlich positiv bewerten, dass es mir gelang meinen Kaffekonsum in den ersten zwei Wochen so deutlich zu beschränken.

Ab dem 13. Tag wurde ich aber schwach und rückfällig. Wenn man so möchte. Seither trinke ich Kaffee wieder in gewohntem Umfang. Und muss feststellen: ohne fiel es mir morgens viel leichter aufzustehen. Ich war insgesamt wacher und agiler. Und doch ist es einfach Genuss und Geselligkeit, die mich zum schwarzen Gold zurück führten.

 

Meilenstein #6 – heute kommt der Osterhase

Oh man. Was hab‘ ich mir dabei schon wieder gedacht. Unser Projekt begann am 23. März. Und würde daher bis zum Wochenende nach Ostern gehen. Genau, NACH Ostern! Dabei gibt’s doch zu Ostern den traditionellen Brunch.

Naja, to make a long story short: wir hatten das Buffett am zweiten Tag überstanden, also würden wir wohl auch den Brunch am Ostersonntag überstehen. Und genau so war es. Ganz ohne Probleme nahmen wir diese Hürde. Es gab Ei, Lachs und – zum ersten Mal seit 23 Tagen Brot! Nein nein, kein gewöhnliches. Es war Paleo-Brot. Hauptsächlich aus Körnern und Kokosmilch. Und super lecker! Fast hatten meine Zähne Konsistenz von Brot vergessen. Es war einfach eine herrliche Belohnung!

 

Meilenstein #7 – der Zieleinlauf?!

Die Woche nach Ostern verging dann schließlich auch noch im Nu! Was sich nun verändert hatte: wir nutzten keinen Ernährungsplan mehr. Das hatten wir noch in den ersten Wochen getan. Für eine grobe Orientierung. Und damit wir unser Essen auch wirklich Paleo gestalten konnten. All das war jetzt aber passé. Wir hatten eine ungefähre Vorstellung davon, was wir essen wollten. Und durften.

Und plötzlich dann war er da: Tag 30! Fast hätten wir es gar nicht bemerkt. Nein, ich übertreibe nicht. Wir haben nie auf den Tag hin gefiebert. Wir wussten es wäre das Wochenende nach Ostern. Aber wir haben nie ein ’noch XY Tage‘ ausgelobt. Ganz bewusst nicht.

Denn ich hab‘ ja auch von Anfang an gesagt – ich habe keine Ahnung, wie es nach den 30 Tagen weiter geht. Und: das ist bis heute so! Gerade heute stellte man mir wieder die Frage danach, wie ich mich denn jetzt wieder ernähren würde. Ob ich noch immer diese Steinzeit-Diät machen würde. Oder ob ich wieder ’normal‘ esse. Meine ehrliche Antwort: ‚ich hatte noch gar keine Gelegenheit mir Gedanken dazu zu machen. Solange mache ich das jetzt einfach mal weiter‘. Wow. Das hat mich selbst getroffen!

 

Fazit – die sieben Erfolgsfaktoren meiner 30 Tage Paleo Challenge

Mein 30-tägiges Projekt ist nun also rum. Wenn du das liest sind insgesamt sogar mehr als 40 Tage vorüber. Ich bereue die Entscheidung keinesfalls. Denn egal, wie es künftig für mich weiter geht: ich habe erkannt, dass ich auch gut ohne all das Mehl auskomme, dass ich mich auch trotz Bürojob gesund ernähren kann und dass ich nicht so viele Kohlenhydrate brauche, wie ich bislang immer aß.

Ein weiterer, ganz wesentlicher Lerneffekt: man glaubt gar nicht wo überall (raffinierter) Zucker versteckt ist! Ich habe jetzt mehr als 40 Tage bewusst beim Einkauf darauf geachtet. Es ist einfach irre! Dort wo du garantiert nicht damit rechnest – da triffst du ihn ganz sicher an.

 

Mir hat das Projekt ungemein dabei geholfen mal wieder das Bewusstsein zu schärfen. Festzustellen und zu reflektieren, was man isst. Was da so drin steckt. Und wie teuer eigentlich tolle Produkte und gesunde Lebensmittel sind. Oder sollte ich besser sagen, wie günstig der ungesunde Kram ist?!

Übrigens hat mir der Zuckerverzicht erst einmal gezeigt, wie toll einige Obst- und Gemüsesorten schmecken. Gerade davon abhängig, wie man sie zubereitet. Am stärksten hat sich dabei die gegrillte, rote Paprika in mein Gedächtnis eingebrannt. Was war die süß! Ich bin mir sicher, dass ich ihren Geschmack ohne Paleo gar nicht beachtet hätte.

Wenn auch du dich mit dem Gedanken tragen solltest einmal Paleo auszuprobieren, dann lege ich dir folgende Tipps ans Herzen:

  1. starte mit einer Entrümpelung deiner Speisekammer – alles, was nicht Paleo ist kommt weit weg
  2. gehe mit der Einstellung in das Projekt, dass du nie 100% wirst erreichen können – gebe dich mit 95% zufrieden
  3. nutze für die ersten Einkäufe während der Steinzeit-Diät große, gut und breit sortierte Läden, gehe dann nach und nach zu mehreren, kleineren Läden über
  4. setze dich bewusst der Angst-Situation, wie z.B. einem Buffett, aus
  5. stecke dir kein End-Ziel – das Projekt dauert so lange, wie es dauert. Es ist erst fertig, wenn du damit fertig bist.
  6. denk dran – Verzicht entsteht nur dann, wenn du das Gewohnte nicht mindestens gleichwertig ersetzen kannst. So schaffst du auch 30 Tage ohne Nudeln, Brot oder Müsli.

Und das soll mein Einblick in meine 30 Tage Paleo gewesen sein. Für den Moment führe ich das Projekt einfach fort. Mal sehen, wie lange noch. Denn ich merke definitiv, dass ich bei Ausdauertätigkeiten nicht mehr so viel Energie abrufen kann. Da fehlen mir schon die Kohlenhydrate. Was ich aber definitiv mitnehmen werde, ist das Gefühl des deutlich bewussteren Umgangs mit Lebensmitteln. Und ich denke ich werde mir einige von den super-leckeren Rezepten erhalten!

 

 

Mario

Mario lebt den klassischen und oft verachteten '9 to 5 job'. Davon überzeugt, dass das Leben aber viel mehr Freiräume bieten kann, als in der Kantine zwischen Gulasch und Rouladen zu wählen, hat er sich 2015 einen Camper zugelegt. Allzeit abfahrbereit wartet dieser nur darauf nach stressigen Wochen neue Abenteuer zu erleben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *